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Wenn's mal wieder im Schritt juckt ...

Kampagne gegen Geschlechtskrankheiten Wenn's mal wieder im Schritt juckt ...

Juckreiz, Ausfluss oder Ausschlag an den Genitalien: Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Tripper sind wieder auf dem Vormarsch. Die Bundesregierung will mit einer provokanten Kampagne gegensteuern – und niedrigschwellige Aufklärungsarbeit leisten.

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Zum Schmunzeln: Kampagnenmotive wie dieses sind ein echter Blickfang, der Hintergrund ist allerdings ernst.

Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Bochum. Diese Kampagne ist mal ein echter Blickfang: "Dein Ex juckt dich noch immer? Dann ab zum Arzt" steht auf dem Plakat. Und nicht nur das: Zu sehen ist ein Frau, die sich mit angewiedertem Blick im Schritt kratzt, oder an anderer Stelle ein Pärchen, das sich beim Liebesspiel auf dem Nachttisch verrenkt.

Symphilis, Filzläuse und Tripper sind im Kommen – mit der Kampagne "Liebesleben" will die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sexuell übertragbare Krankheiten eindämmen.

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Die Comics der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung säumen derzeit bundesweit die Straßen. Doch was auf den ersten Blick so lustig ausschaut, hat einen ernsthaften Hintergrund: Geschlechtskrankheiten verbreiten sich in Deutschland wieder stärker. Die Bundesregierung versucht, gegenzuhalten. Dazu gehört auch ein neues Modellprojekt in Bochum, das jetzt eröffnete "Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin". Es ist offen für alle und will auch die Menschen erreichen, die Hemmschwellen haben, bei Geschlechtskrankheiten zum Arzt zu gehen.

"Die Menschen kommen meist zu spät", sagt Prof. Norbert Brockmeyer, ärztlicher Leiter des Zentrums und Präsident der Deutschen Gesellschaft für sexuell übertragbare Krankheiten (DSTIG). Deshalb sei dieser niedrigschwellige Ansatz geschaffen worden. Betroffene können direkt von der Straße ins Zentrum gehen und um Rat fragen.

Syphilis ist zurück

"Die Syphilis ist wieder zurück", mahnt der Mediziner. Im vergangenen Jahr habe es eine Zunahme von fast 20 Prozent an Neuinfektionen auf rund 6800 Fälle gegeben. Auch andere sexuell übertragbare Infektionen hätten zugenommen, ausgenommen Aids. Brockmeyers Aussagen decken sich mit Einschätzungen vom Bundesgesundheitsministerium und vom Robert Koch-Institut (RKI).

"Wir haben ältere und sexuell sehr aktive Menschen, die Syphilis oder Gonokokken haben", sagt Brockmeyer. Das sei aber nicht alles. Im Kommen seien auch Chlamydien, die bis zur Unfruchtbarkeit führen können, humane Papillomviren, die Krebs an Geschlechtsorganen und im Gebärmutterhals erzeugen können, oder Herpes simplex.

Nur wenige nehmen Vorsorge in Anspruch

Gesundheitsexperten schätzen, dass das Internet vermehrt zu Bekanntschaften führt. Eine schnelle Vertrautheit verleitet dann zum Verzicht auf Kondome. Partydrogen täten ein Übriges, um die Schwelle zum ungeschützten Sex zu senken.

Viele Menschen wissen gar nichts von einer Infektion. "Wir haben eine nicht wirklich funktionierende Chlamydien-Vorsorge bei jungen Frauen", sagt Brockmeyer. Nur zwölf Prozent würden Vorsorgeangebote wahrnehmen. Bei Impfungen gegen humane Papillomviren seien es auch nur 40 Prozent.

"Peinlich gibt's nicht"

Mit der Aufklärungskampagne "Liebesleben" will die Bundesregierung nun gegensteuern. Die dazugehörige Internetseite bietet unter dem Motto "Peinlich gibt's nicht" allerlei Wissenswertes rund um das Thema Sexualität und Geschlechtskrankheiten. Unter anderem geht es um Krankheitssymptome, Sexpraktiken und Verhütung - ein sogenanntes Kondometer hilft bei der Auswahl der richtigen Kondomgröße. Und wem das nicht reicht, für den gibt es ergänzend dazu auch eine Telefonberatung - alles ganz diskret, versteht sich.

Das "Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin" in Bochum - nach eigenen Angaben in dieser Form bisher einmalig in Deutschland - beherbergt sechs Einrichtungen von der Beratung bis zur Behandlung. Das Bundesgesundheitsministerium übernimmt die wissenschaftliche Begleitung. Mit dabei sind unter anderem das St. Josef-Hospital in Bochum, die Aids-Hilfe, Pro Familia und eine von der Kirche finanzierte aufsuchende Beratung für Prostituierte.

"Das Zentrum bietet für jeden Einzelnen für die jeweilige Situation ganz neue Möglichkeiten des Herangehens an eine medizinische, psychosoziale Versorgung und Beratung", sagt Brockmeyer. Stellt sich heraus, dass die Kooperation im Zentrum Vorteile bringt, soll das System Schule machen.

dap/RND/caro/are

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