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Wissen Bayer steht wegen Anti-Baby-Pille vor Gericht
Nachrichten Wissen Bayer steht wegen Anti-Baby-Pille vor Gericht
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22:37 16.12.2015
Risiko-Pille? Felicitas Rohrer macht die Anti-Baby-Pille "Yasminell" von Bayer für ihre schwere Erkrankung verantwortlich, und zieht gegen den Pharmakonzern vor Gericht. Quelle: dpa/ Ralf Stockhoff
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Waldshut-Tiengen

Nach jahrelangen zivilrechtlichen Auseinandersetzungen in den USA beschäftigt sich erstmals ein deutsches Gericht mit einer möglichen Gesundheitsgefahr durch die Anti-Baby-Pille "Yasminelle". Das Landgericht im baden-württembergischen Waldshut-Tiengen verhandelt am Donnerstag die Klage einer Frau gegen den Chemie- und Arzneimittelkonzern Bayer. Dieser vertreibt die Pille. Es ist der erste Prozess dieser Art in Deutschland, wie ein Gerichtssprecher sagte.

Notoperation nach Lungenembolie

Die 31 Jahre alte Felicitas Rohrer aus Willstätt in Baden-Württemberg will nach eigenen Angaben rund 200.000 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld von Bayer. Sie macht die Pille mit ihrem Wirkstoff Drospirenon für gesundheitliche Probleme verantwortlich. So erhöhe sie das Thrombose-Risiko. Nach der Einnahme der Pille habe sie im Juni 2009 eine Lungenembolie erlitten und sei daran fast gestorben. Eine Notoperation rettete ihr das Leben.

Der Pharmakonzern Bayer teilte mit, dass er die Ansprüche für unbegründet halte. Durch wissenschaftliche Daten sei bestätigt, dass von der Anti-Baby-Pille und dem Wirkstoff bei korrekter Einnahme keine Gefahr ausgehe. Die Pille wird nach Darstellung von Bayer täglich millionenfach eingenommen, in mehr als 100 Ländern. Die Klägerin will erreichen, dass Bayer umfassend Auskunft über "Yasminelle" gibt und diese auch vom Markt nimmt.

dpa

Anti-Baby-Pille: Fragen und Antworten

Ist dieser Prozess ein Einzelfall?
Es haben sich weltweit Frauen zu Wort gemeldet, die das Verhütungspräparat eingenommen haben und gesundheitliche Probleme darauf zurückführen. Der Anwalt der Klägerin in Waldshut-Tiengen, Martin Jensch, vertritt nach eigenen Angaben weitere Frauen mit dieser Problematik. Einige von ihnen haben Klage eingereicht oder wollen dies tun.

Gab es bereits juristische Auseinandersetzungen?
In den USA hatten mehrere tausend Frauen gegen Bayer geklagt. Bis Anfang dieses Jahres schloss der Konzern den Angaben zufolge rund 9000 Vergleiche in Höhe von insgesamt 1,9 Milliarden US-Dollar ab, ohne jedoch eine juristisch wirksame Verantwortung anzuerkennen.

Gibt es bereits Gerichtsentscheidungen in anderen Ländern?
In der Schweiz kam es 2009 zu einem tragischen Fall. Wenige Wochen, nachdem eine damals 16-Jährige mit der Einnahme der von Bayer stammenden Anti-Baby-Pille "Yaz" begonnen hatte, erlitt sie eine Lungenembolie und ist seither schwerbehindert. "Yaz" hat ähnliche Wirkstoffe wie "Yasminelle". Die Familie der Betroffenen klagte auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Doch das Schweizer Bundesgericht wies diese Forderungen im Januar 2015 zurück. Andere Schweizer Gerichte der Vorinstanz hatten mit gleichem Ergebnis geurteilt.

Was sagen die deutschen Behörden?
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn hat im März 2014 verkündet, dass von einigen Anti-Baby-Pillen ein erhöhtes Thrombose-Risiko ausgehe und die Hersteller darauf aufmerksam machen müssten. Vor allem der Wirkstoff Drospirenon sei für das Risiko verantwortlich. Dies trifft nicht nur Bayer, sondern auch andere Hersteller. Gleichzeitig ordnete es neue Studien an. Vom Markt genommen werden müssen Pillen nach Einschätzung des Bundesinstitutes deshalb nicht.

Gibt es weitere Erkenntnisse?
Die Techniker Krankenkasse (TK) hat in ihrem Anfang Dezember 2015 veröffentlichten "Pillenreport" darauf hingewiesen, dass Präparate der so genanten dritten und vierten Generation, also vergleichsweise neue Arzneimittel, häufig ein wesentlich größeres Thrombose-Risiko haben als Pillen der zweiten Generation. Dennoch werden die riskanteren Pillen häufiger verschrieben. Die Kasse rät, Pillen der früheren Generationen zu verwenden. Diese schützen genauso gut vor ungewollter Schwangerschaft, haben laut TK aber ein geringeres Thrombose-Risiko.

Was raten Experten?
Frauen, die mit Anti-Baby-Pille verhüten wollen, sollten das Gespräch mit dem Arzt suchen und diesen gezielt nach möglichen Risiken fragen. Zudem die Packungsbeilage lesen. Raucher, Übergewichtige sowie Frauen, die eine eigene oder familiäre Vorbelastung mit Thrombose haben, sollten den Arzt, der ihnen die Pile verschreibt, auf jeden Fall darauf hinweisen, rät die Bundesärztekammer. Im Zweifel verschreibe der Mediziner dann ein anderes, sichereres Präparat.

dpa

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