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Fans sollen ohne Deutschland-Fahne feiern

Empfehlung einer Sozialpsychologin Fans sollen ohne Deutschland-Fahne feiern

Eine Wissenschaftlerin warnt vor Party-Patriotismus in Schwarz-Rot-Gold: Die Vaterlandsliebe könne schnell in Fremdenfeindlichkeit umschlagen, befürchtet die Sozialpsychologin Julia Becker – und empfiehlt Fußballfans, ohne Deutschlandfahnen beim Public-Viewing zu feiern.

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Public Vieweing während der Europameisterschaft: Die Sozialpsychologin Julia Becker warnt vor einem allzu überschwänglichen Party-Patriotismus gewarnt.

Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

Osnabrück. Die Sozialpsychologin Julia Becker hat vor einem allzu überschwänglichen Party-Patriotismus gewarnt. Wenn beim Public Viewing sehr viele schwarz-rot-goldene Fahnen im Spiel seien, könne die Vaterlandsliebe bei manchen Menschen in Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit umschlagen, sagte die Professorin der Universität Osnabrück dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Gerade in der durch "Pegida" und die AfD aufgeheizten Atmosphäre sei Vorsicht geboten. Fremdenfeindliche Parolen würden immer offener geäußert, betonte Becker. Sie empfahl deshalb: "Ich will niemandem das Public Viewing vermiesen. Die Fußballfans sollen natürlich feiern. Aber das geht doch auch ohne schwarz-rot-goldene Fahnen." Die deutsche Flagge könne bei sehr nationalstolzen Personen Ressentiments gegenüber Migranten erhöhen.

Forscher sprechen vom Flaggen-Effekt

Der Konfliktforscher Andreas Zick warnte dagegen vor Pauschalisierungen. Es gebe einen sogenannten Flaggen-Effekt in der Forschung, sagte der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Der Effekt besage, dass das Schwenken von Fahnen auf Betrachter und Akteure psychologisch nicht ohne Wirkung bleibt.

Es komme aber darauf an, mit welcher Einstellung die Fans Deutschlandflaggen schwenken, betonte Zick. "Fans, die die Stärke der Mannschaft darauf zurückführen, dass sie multikulturell ist, sind geschützt vor Nationalpatriotismus, der Vorurteile erleichtert", erklärte der Wissenschaftler. Anders herum seien "Fans, die meinen, das Spiel wird durch die deutschen Tugenden entschieden, auch fremdenfeindlicher und werten andere Länder ab".

Becker forscht gemeinsam mit Studierenden bereits seit der Fußball-WM 2006 in Deutschland über den Zusammenhang von Fahnen, Nationalstolz und Vorurteilen. In Befragungen und Online-Experimenten habe sich gezeigt: "Deutschland-Flaggen begünstigen Nationalismus und Vorurteile gegenüber Migranten. Dieser Effekt ist nicht stark, aber statistisch signifikant." Er sei bei Männern stärker als bei Frauen. Wenn Deutschland verliere und die Gewinnermannschaft ihre Flagge zeige, träten Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit noch offener zutage.

epd/RND

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