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Raumsonde „Maven“ am Mars Ist dort jemand?

Es war eine sehr lange Reise - und es ist nicht einmal klar, ob sie am Ende nicht vergeblich war. Rund 711 Millionen Kilometer hat die US-Raumsonde „Maven“ zurückgelegt; fast elf Monate war sie unterwegs, um den Planeten Mars zu erreichen.

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Am Ziel: Die Raumsonde „Maven“ hat die Umlaufbahn erreicht.

Quelle: Goddard Space Flight Center

Am späten Sonntagabend schließlich gelangte das rund elf Meter lange Gefährt in die Umlaufbahn des Roten Planeten - und soll wieder einmal helfen, die Frage zu klären, die sich Astronomen und Physiker schon seit Jahrhunderten stellen: Gab es einst Leben auf dem Mars? „Maven“ soll dazu ein Jahr den Planeten in einem Abstand von 150 bis 6000 Kilometern umkreisen und Daten liefern.

Seit Jahrzehnten schon schießen Russen, Amerikaner und Europäer für die Forschung Sonden ins All. Selbst in den USA ist die „Maven“-Mission daher umstritten. Erst im Frühjahr hatten sich kalifornische Wissenschaftler die Spekulationen um Leben auf dem Mars verworfen. Nach ihrer Einschätzung gab es nie dauerhaft Wasser dort und damit auch nie höher entwickelte Lebensformen. Der Mars, war er also nie mehr als ein kalter und unwirtlicher Wüstenplanet, dessen rostroter Staub aus Eisenoxid nur eines am Leben erhält - unsere Vorstellung, wir könnten vielleicht doch nicht die einzigen Lebewesen in unserer Galaxie sein?

Bereits im Oktober 1960, wenige Monate, bevor die Sowjetunion mit Juri Gagarin den ersten Menschen ins All geschossen hatte, schickte die UdSSR die ersten Sonden „Marsnik 1“ und 2 auf die Reise zum Roten Planeten. Die Missionen versagten; auch spätere Flugkörper erreichten ihr Ziel nicht. Die USA kämpften ebenfalls mit technischen Problemen. Erst im Juli 1965 gelang es der Sonde „Mariner 4“, den Mars in geringer Höhe zu überfliegen und 22 Fotos zur Erde zu funken. 1969 sendeten „Mariner 6“ und 7 weitere 200 Bilder.

1971 schließlich klappte mit der sowjetischen Sonde „Mars 3“ die erste weiche Landung auf dem Planeten. Ein gerade tobender Sandsturm warf das Gefährt jedoch um; nach nur 20 Sekunden brach der Funkkontakt zur Erde ab. Auch spätere Mission der USA und der UdSSR endeten oft im Fiasko. Der Mars, benannt nach dem Kriegsgott der Antike, erwies sich als abweisender Planet. Von den 33 Mars-Missionen, die bis 2002 gestartet wurden, waren nur acht erfolgreich. In der 1970er Jahren konnten „Viking“-Sonden der USA auf dem Mars landen und erste Farbbilder zur Erde senden. Auf einem der Luftbilder war eine Steinformation auf der Erdoberfläche zu sehen, die einem menschlichen Gesicht ähnelt - das Gerede um Leben auf dem Mars erhielt neuen Auftrieb.

Eine kleine Sensation war die US-Mission Pathfinder, bei der 1997 ein kleines Marsmobil über die steinige Landschaft rollte und seine Bilder für alle einsehbar direkt ins Internet überspielte. Die Marsforschung förderte Neues zutage. Das immer noch aktive Marsmobil „Opportunity“ fand 2004 Beweise, dass der staubige Planet einst warm und feucht war. 2005 fand die Sonde Mars Express der europäischen Weltraumagentur ESA ein Eisfeld mit 250 Kilometern Durchmesser. 2008 entdeckten US-amerikanische Sonden 200 Salzfelder auf dem Mars, die bis zu 25 Quadratkilometer groß sind. Sie entstanden vor vier Milliarden Jahren, als Wasser verdunstete - ein Indiz dafür, dass dieser Planet früher nicht so lebensfeindlich war.

Im Mai 2008 schließlich konnte die US-Sonde „Phoenix“ am Nordpol des Mars mit einem Bohrer Proben aus 50 Zentimeter Tiefe entnehmen und in einem eigenen Bordlabor analysieren. Einige weiße Klümpchen darunter verschwanden bald - Tests ergaben, dass es Wassereis war. Die Polkappen sind für die Wissenschaft grundsätzlich von großem Interesse. Der Nordpol des Planeten besteht zum großen Teil aus gefrorenem Kohlendioxyd und nur zu einem kleinen Teil aus Wassereis. Der Südpol hingegen setzt sich hingegen hauptsächlich aus gefrorenem Wasser zusammen, das eine Fläche von der Größe Europas bedeckt und bis zu 3,7 Kilometer mächtig ist. Würde es schmelzen, so haben Berechnungen ergeben, würde der gesamte Planet bis zu elf Meter hoch unter Wasser stehen. Das Problem: Der Luftdruck auf dem Mars liegt nur bei rund einem Hundertstel der Erde; flüssiges Wasser verdampft dort also sofort.

Physikalische Erkenntnisse indes konnten die Fantasie nie bremsen. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts war der Mars vom dänischen Astronomen Tycho Brahe genau vermessen worden; 1666 beschrieb der Italiener Giovanni Cassini erstmals die Polkappen; 1830 schließlich fertigte der Deutsche Wilhelm Beer die erste Marskarte an, dunkle Flecken auf dem Planeten bezeichnete er als „Meere“. Noch heute blicken Wissenschaftler auf geheimnisvolle, sich ständig verändernde dunkle Gebiete auf den Berghängen des Planeten. Manch ein Forscher interpretiert sie als Wuchs von Organismen. 1877 beschrieb der Italiner Giovanni Schiapelli tiefe Gräben auf dem Mars, die er „Canali“ nannte. Andere übersetzten dies mit „Kanäle“, und was geometrisch genau ist, so die Vermutung, muss wohl das Werk intelligenter Marsmenschen gewesen sein.

Unrealistisch mutet ein Science-fiction-Projekt an. „Mars One“, ein privates niederländisches Unterfangen, plant, bis 2025 Menschen auf dem Mars anzusiedeln - ohne Rückkehroption. Rund sechs Milliarden Euro soll die Kolonisation kosten.

Das Geld dafür soll über den Verkauf von Fernsehrechten eingespielt werden. Auch die Esa denkt in großen Dimensionen: Unter dem Codenamen „Aurora“ ist geplant, 2026 eine erste unbemannte und 2033 dann eine bemannte Mission zum Roten Planeten zu schicken. Vorerst indes bleiben die Roboter auf dem Mars unter sich. Das Mobil „Opportunity“ fährt schon seit zehn Jahren durch die Wüsten des Planeten, und Mars-Rover „Curiosity“ dreht seit Anfang 2013 seine Runden. Im Juni vergangenen Jahres brach er zu einer Reise zum 5,5 Kilometer hohen Mount Sharp auf - im Schneckentempo, denn erst am Sonntag erreichte das Marsauto den Fuß des Berges, den er nun hinauffahren soll.

Unterwegs gab es Ärger. Ein Stein rutschte beim Bohren weg, zudem kämpfte die US-Weltraumbehörde Nasa mit holpernden Rädern. Manche Probleme auf dem Mars sind eben irdisch.

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