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Rückschlag für die Männer-Antibabyspritze

Verhütung Rückschlag für die Männer-Antibabyspritze

Die Gesundheitsbehörde der UN, die WHO, hat eine Studie zur Antibabysptritze in acht Ländern abgebrochen: Weil Testpersonen unter Depressionen, Gewichtszunahme und Akne litten.

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Constanze Kloss untersucht im Universitätsklinikum Halle ein Spermiogramm.

Quelle: dpa

Die Idee ist 30 Jahre alt: eine Antibabyspritze für den Mann, ein Medikament, das die Zeugungsfähigkeit für einen bestimmten Zeitraum „ausschaltet“ – aber bislang ist kein derartiges Präparat bis zur Marktreife gelangt. Jetzt hat die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Ende 2009 gestartete, groß angelegte Studie in acht Ländern mit insgesamt 400 Testpersonen wegen mangelhafter Erfolgsaussichten abgebrochen. „Die Studie ist gestoppt worden, weil die Spritze in der jetzigen Zusammensetzung nicht funktioniert“, sagt der Leiter der Studie, Prof. Michael Zitzmann, Androloge und Endokrinologe am Centrum für Reproduktionsmedizin der Universität Münster.

„Bei 90 Prozent der Männer hat es funktioniert, aber zehn Prozent – das ist einfach zu viel“, sagt Zitzmann mit Blick auf die Nebenwirkungen. Insbesondere bei älteren Familienvätern traten unangenehme Folgen auf, darunter Depressionen, Gewichtszunahme oder Akne. Dabei wurde die Verhütungsspritze vor Beginn der großen WHO-Studie in mehreren kleineren nationalen Studien getestet, ohne dass dabei derartige Nebenwirkungen auftraten.

In Halle beteiligten sich 43 Männer. Generelle Bedingung war, dass alle Probanden im Alter zwischen 18 bis 45 Jahren in einer festen Partnerschaft leben und die Frauen mit dem Test einverstanden sind. Derzeit befinden sich die Teilnehmer in der Nachbetreuung.

„Die Erwartungen sind nicht erfüllt worden“, sagt der Leiter der Studie in Halle, Hermann Behre, der auch Direktor des Zentrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums Halle ist. „Zwar haben in Halle neun von zehn Männern die Spritze vertragen, aber insgesamt ist der Anteil der Unverträglichkeit zu hoch.“ Die komplette Auswertung der Studie werde im Oktober vorliegen. „Aber wir können schon jetzt davon ausgehen, dass es in dieser Form nicht funktioniert“, bestätigt Behre.

Den Männern wurde die Antibabyspritze alle acht Wochen gegeben. Als Wirkstoffe kamen Substanzen zur Anwendung, die bereits zur Behandlung von anderen Beschwerden zugelassen sind. Ansonsten wären langwierige Zulassungsverfahren notwendig geworden. Die Testosteronzufuhr von außen bewirkte, dass die Hoden die Produktion des körpereigenen Testosterons einstellten und als Folge auch tatsächlich keine Samenzellen erzeugt wurden.

„Wir müssen jetzt ganz neu anfangen, das Ergebnis ist offen“, sagt Zitzmann. Allerdings rechnet er nicht mehr damit, dass eine Verhütungsspritze für den Mann innerhalb der nächsten fünf Jahre zur Marktreife gebracht werden kann.

Auch die Pharmaindustrie ist skeptisch. Ein Forschungsprojekt auf Basis einer Hormonspritze und eines Implantates wurde nach der Übernahme der Schering AG durch die Bayer AG im Jahr 2007 eingestellt. „In den nächsten zehn bis 15 Jahren gibt es dafür keine Marktchancen“, sagt Friederike Lorenzen von der heutigen Bayer HealthCare Pharmaceuticals der Bayer Pharma AG (Berlin). Auch die im Verband Forschender Arzneimittelhersteller in Berlin organisierten 43 Pharmafirmen forschen den Angaben zufolge nicht an einem Verhütungsmittel für den Mann.

Dennoch: Behre sieht grundsätzlich weiterhin große Chancen für eine Antibabyspritze für den Mann. „Wir sind an einem Erfolg näher dran, als manche glauben.“ Der Mediziner favorisiert die reine Testosteronspritze. „In China wurde eine derartige Testosteronspritze an über 1000 Männern mit Erfolg getestet. Die Ergebnisse liegen seit 2009 vor“, sagt der Wissenschaftler.

„Die Antibabyspritze für den Mann soll die Pille für die Frau nicht verdrängen oder ablösen“, betont Behre. Die Spritze biete aber Paaren die Möglichkeit, sich die Verantwortung bei der Verhütung zu teilen. Außerdem wäre sie eine gute Alternative, wenn die Frau die Pille aus gesundheitlichen Gründen nicht verträgt.

Thomas Schöne

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