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„Krebs-Industrie“: Karls Lauterbach klagt an

Medikamente werden immer teurer „Krebs-Industrie“: Karls Lauterbach klagt an

Teure neue Krebstherapien gefährden nach Auffassung des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach das Solidarsystem in Deutschland. „Manche neuen Medikamente sind bis zu dreißigmal teurer als die Medikamente, die abgelöst werden“, sagte Lauterbach dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

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"Ich will meine Generations wachrütteln", sagt Karl Lauterbach über die Baby-Boomer-Generation.

Quelle: dpa

Hannover. Herr Lauterbach, Ihr Buch über die „Krebsindustrie“ liest sich wie eine Anklageschrift. Was regt Sie so auf?

Karl Lauterbach: Unternehmen bringen jetzt sogenannte gezielte Therapien dramatisch überteuert auf den Markt. Gewinnspannen von 25 bis 50 Prozent sind keine Seltenheit. Die Preise stehen in keinem Verhältnis zum zusätzlichen Nutzen der Medikamente. Hier können Medikamente sehr leicht Jahrestherapiekosten von 100 000 Euro verursachen. Aber es ist keine Seltenheit, dass sich dadurch das Überleben des Patienten nur um zweieinhalb Monate verbessert. Wenn das gleiche Prinzip überall im Gesundheitssystem gelten würde, wäre es schon sehr lange unfinanzierbar. Zudem werden viele Medikamente auch mit unhaltbaren Versprechen beworben.

Therapien werden teurer, zugleich wächst in der alternden Gesellschaft der Anteil derer, die diese Therapien wollen. Stehen uns neue Verteilungskämpfe bevor?

Wenn wir nichts tun, werden Verteilungskämpfe zwischen den Patienten unvermeidbar sein. Schließlich wird jeder Patient darauf bestehen, dass er die neuen, teuren Medikamente bekommen kann. Umso mehr brauchen wir eine neue Qualität der Auseinandersetzung mit der Arzneimittelindustrie. Manche neuen Medikamente sind bis zu dreißigmal teurer als die Medikamente, die abgelöst werden. Da muss die Politik mit aller Härte gegensteuern.

Das Buch

„Die Krebs-Industrie: Wie eine Krankheit zum Geschäft wird“ erscheint am 28. August bei Rowohlt Berlin.

Also muss der Staat regulierend  eingreifen?

Wir haben es bei der Krebsindustrie mit bisher unbekannten spektakulär hohen Gewinnspannen zu tun. Weder die Industrie noch deren Aktionäre sind an einer harmonischen Lösung interessiert. Das ist ein Markt, der nicht von alleine funktionieren kann. Speziell der Markt der Krebsmedikamente ist so komplex und so schwer einzuschätzen, dass selbst viele Ärzte ohne Spezialkenntnisse überfordert sind, ganz zu schweigen von Patienten oder Krankenkassen.

Sie sagen, jeder Zweite wird in Zukunft an Krebs erkranken. Wen wollen Sie schocken? 

Niemanden will ich schocken, ich will allerdings meine Generation wachrütteln. Die Möglichkeiten der Vorbeugung werden viel zu wenig genutzt. Für viele von uns wäre es jetzt die letzte Chance. Die Früherkennung ist bei einigen dieser Erkrankungen entscheidend. Ganz besonders wird es die Babyboomer-Generation treffen, also rund 25 Millionen Menschen. Die Hälfte von ihnen wird im Laufe ihres Lebens an Krebs erkranken. Sie unterschätzen aber das Krebsrisiko für sich persönlich ganz dramatisch.

Wieso ist die Babyboomer-Generation besonders gekniffen?

Die lange Lebenserwartung erhöht das Krebsrisiko. Die Babyboomer-Generation hat zwar das Privileg, dass sie im Vergleich zu den Eltern eine lange Lebenserwartung hat. Das hat aber auch den Nachteil, dass die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken deutlich steigt. Damit wächst das ohnehin große Pflegeproblem der alternden Gesellschaft noch weiter: Krebskranke sind besonders pflegebedürftig.

Interview: Dieter Wonka

RedaktionsNetzwerk Deutschland

Das Gespräch mit Karl Lauterbach erscheint in den mehr als 30 Tageszeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), das zur Madsack Mediengruppe gehört. Zum RND gehören unter anderem die Hannoversche Allgemeine Zeitung sowie zahlreiche weitere niedersächsische Tageszeitungen, die Leipziger Volkszeitung, die Dresdner Neuesten Nachrichten, die Märkische Allgemeine in Potsdam und die Kieler Nachrichten.

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