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Wissen Schluss mit Perfektionismus – weniger ist mehr
Nachrichten Wissen Schluss mit Perfektionismus – weniger ist mehr
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08:02 06.07.2018
Nadine Nentwig ist Texterin. Ihre Erfahrungen hat sie in „Kluge Frauen scheitern anders“, Eden Books, verarbeitet. Quelle: privat
Köln

Die meisten Menschen halten Perfektionismus für etwas Positives. Speziell im Job, und gerade auch in der Selbstständigkeit, kann er jedoch fatale Folgen haben. Hier kommen fünf Gründe, warum Sie sich davon verabschieden sollten, immer alles hundertprozentig machen zu wollen:

Es ist unproduktiv: Perfektionisten geben sich nie mit dem Erstbesten zufrieden und achten auf jedes noch so kleine Detail. Daran ist auf den ersten Blick eigentlich nichts auszusetzen. Das Problem ist nur, dass viele den Absprung nicht schaffen und in eine Art Selbstoptimierungswahn verfallen. Egal, wie gut das Ergebnis ist, es ist niemals gut genug. Und so halten sie sich viel zu lange an ein und derselben Aufgabe auf, ohne jemals fertig zu werden. Dass dies hochgradig unproduktiv und ineffizient ist, versteht sich von selbst.

Es ist ein Karrierekiller: Zeit ist Geld. Das heißt: Egal, ob selbstständig oder angestellt, die anfallenden Tätigkeiten müssen erledigt werden. Und zwar in einem angemessenen Zeitrahmen. Wer also zu lange für eine Aufgabe braucht, verschenkt wertvolle Arbeitszeit und damit bares Geld. Mal ganz abgesehen davon, dass Perfektionisten sich selbst in ihrem Tun und Handeln ausbremsen, weil sie nie etwas konkret auf den Weg bringen. Egal, ob Website, Präsentation oder Firmenbroschüre – es gibt etliche Projekte, die nie fertig werden, weil sie noch nicht zu 100 Prozent perfekt sind. Dass auf diese Weise auch nie ein konkreter Auftrag zustande kommen oder ein lukratives Projekt abgeschlossen werden kann, wird dabei gern übersehen.

Es schadet dem Selbstwertgefühl: Die größte Angst der Perfektionisten ist es, zu versagen, Fehler zu machen, andere zu enttäuschen. Sie gehen davon aus, dass andere besser sind, und versuchen, ihre vermeintlichen Defizite durch ihren Perfektionismus wettzumachen. Alles wird genau durchdacht, bis ins kleinste Detail geplant und hundertmal kontrolliert. Sie stehen enorm unter Druck, was wiederum zu Flüchtigkeitsfehlern, Konzentrationsschwierigkeiten und Denkblockaden führt. Unterm Strich erreicht der Perfektionist also das Gegenteil von dem, was er eigentlich erreichen wollte, was immer wieder zu Frust führt. Und so setzt sich der Teufelskreis aus mangelndem Selbstwertgefühl, permanentem Leistungsdruck und Enttäuschung immer weiter fort.

Es mindert den Lerneffekt: Perfektionisten können selten gut mit Kritik umgehen, was es oftmals schwierig macht, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Sie setzen Fehlermachen mit Versagen gleich und fühlen sich daher minderwertig, wenn sie Schwäche zeigen. Doch wer stets darauf bedacht ist, keine Fehler zu machen, beraubt sich selbst wichtiger Erfahrungen. Denn aus Fehlern kann man bekanntlich lernen. Sie helfen einem dabei, sich weiterzuentwickeln. Außerdem lassen sich aus Fehlern und Krisensituationen wertvolle Lösungsstrategien für zukünftige Herausforderungen ableiten. Wer in der Lage ist, Kritik anzunehmen, und bereit ist, aus seinen Fehlern zu lernen, wird also – langfristig gesehen – erfolgreicher sein.

Es macht krank: Perfektionistische Denkmuster können auf Dauer zur echten Belastung werden, da das ständige Streben nach Perfektion unheimlich anstrengend ist und immer wieder zu Frustration führt. Der Perfektionist steht permanent unter enormem Druck, ist immer unruhig und angespannt. Wenn er eine Aufgabe gut gemeistert hat, kann er sich selten daran erfreuen, weil er Erfolgserlebnisse kaum wahrnimmt. Er befindet sich dadurch ständig in einer Art Stresszustand. Erschöpfungszustände bis hin zum Burn-out können die Folge sein. Selbst körperliche Symptome und Erkrankungen sind möglich, wenn Geist und Körper nicht zur Ruhe kommen.

Von Nadine Nentwig/RND

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