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09:02 21.07.2011
Hilfst du mir, helf ich dir: Dreijährige teilen ihr Spielzeug lieber mit ihren Helfern. Quelle: dpa
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Leipzig/London

Schon im Alter von drei Jahren haben Kinder beim Teilen ein gutes Gespür für Gerechtigkeit: Sie geben anderen Kindern eher etwas von ihren Spielsachen ab, wenn diese ihnen zuvor beim Ergattern derselben geholfen haben. Kinder, die nicht halfen, bekamen seltener etwas ab, berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig.

Schimpansen machten diesen Unterschied nicht, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature". Dies deute darauf hin, dass das Verhalten ein Erbe unserer Vorfahren ist, die gelernt hatten, nach der gemeinsamen Nahrungssuche ihre Beute untereinander gerecht zu teilen. Zwar machen Schimpansen manchmal in Gruppen gemeinsame Jagd auf andere Affen - ihre Beute teilen sie anschließend aber nicht friedlich untereinander auf, sondern werden durch aggressive Artgenossen quasi dazu genötigt.

Menschenkinder dagegen teilen schon früh mit anderen Kindern, schreiben die Forscher um Katharina Hamann vom Max-Planck-Institut. Je älter sie werden, desto gerechter gehen sie dabei vor. Fraglich ist unter Experten bisher, inwieweit dieses Verhalten angeboren ist oder durch Erziehung erlernt wird. Ebenfalls unklar war, ob kleine Kinder gerechter teilen, wenn ihre "Beute" das Ergebnis einer vorherigen Zusammenarbeit ist.

Um dies zu untersuchen, führten die Forscher verschiedene Experimente mit Kleinkindern durch: Bei einem Versuch befanden sich zum Beispiel zwei- bis dreijährige Kinder allein in einem Raum. Dort fanden sie eine Art längliches Tablett, an dessen Enden jeweils ein Seil befestigt war. Auf dem Tablett lagen ebenfalls an beiden Enden jeweils zwei kleine Spielzeuge.

Die Kinder wussten aus vorherigen Experimenten, dass sie gemeinsam an den Seilenden ziehen mussten, um die Spielzeuge in ihre Reichweite zu bringen. Sobald sie das taten, rutschte allerdings ein Spielzeug von einer Seite auf die andere, so dass ein Kind schließlich drei Spielzeuge nehmen konnte, das andere nur eins. Würde der Glückspilz, der durch einen Zufall in den Besitz von mehr Spielzeug gekommen ist, nun eines seiner Spielzeuge abgeben, so dass beide Kinder zwei Spielzeuge besitzen?

Teilen als Überlebensstrategie

In einem Kontrollexperiment waren dagegen die Spielzeuge schon beim Betreten des Raumes nach dem 3 zu 1-Muster verteilt, die Kinder mussten nicht gemeinsam etwas leisten, um an ihre Belohnung zu kommen. Das Ergebnis des Experiments: Die Kinder gaben tatsächlich von ihrem Besitz ab, um Gerechtigkeit wiederherzustellen - und zwar deutlich häufiger, wenn sie vorher zusammengearbeitet hatten, um an die Spielzeuge zu kommen.

Spätestens mit drei Jahren haben Kinder ein Gespür für gerechtes Teilen und belohnen Zusammenarbeit, schlussfolgern die Forscher. Auch Schimpansen testeten die Wissenschaftler in ähnlichen Experimenten. Dabei zeigte sich, dass Schimpansen grundsätzlich eher an sich denken und ihr Futter nicht freiwillig mit anderen teilen. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie zufällig an das Futter gekommen waren oder ihnen ein Artgenosse dabei geholfen hatte.

Bei den Menschen hat sich das gerechte Teilen dagegen als Überlebensstrategie entwickelt: Eine gemeinsame Nahrungssuche erfordert per Definition Partner. Artgenossen, die eine gemeinsam erzielte Beute nicht teilten, würden keine Partner mehr finden. Auf diese Weise habe sich das gerechte Teilen im Verlauf der Evolution womöglich durchgesetzt, erläutern die Wissenschaftler.

dpa

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