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Wissen Der Kartoffelkäfer ist zurück
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00:17 10.10.2015
Von Alexander Dahl
Schädlich, lästig und einst ein Politikum: Der Kartoffelkäfer. Quelle: dpa
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„Die Bekämpfung war in diesem Jahr unvermeidlich, weil sich das Insekt mancherorts zu stark vermehrt hatte“, resümiert Stefan Krüssel, Leiter der Zoologie im Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
Rund 1200 Eier heften die weiblichen Tiere an die Unterseite der Kartoffelpflanzen. Daraus schlüpfen die gefräßigen Larven, aus denen sich dann die Käfer verpuppen. Bis zu zwei Populationen  pro Jahr sind möglich; und in diesem Jahr fielen die Krabbeltiere, die keine natürlichen Fressfeinde haben und ein Abwehrsekret absondern können, den Bauern an ihren Pflanzen oft auf.

Beharrlich trotzt der Käfer allen Substanzen, mit denen der Mensch ihn ausrotten will. Den Einsatz von hochgiftigem Arsen in den Dreißigerjahren überlebte er ebenso wie das Spritzmittel DDT in den Sechzigerjahren. Mittlerweile kann man ihn mit dem Wirkstoff des tropischen Niembaumes oder Bakterien-Präparaten recht gut dezimieren.

Der schädliche Überlebenskünstler ist zudem eines der wenigen Insekten, das Politik gemacht hat. 1877 wurden die ersten Exemplare mit Kartoffelimporten aus den USA, der eigentlichen Heimat des Käfers, nach Frankreich und Großbritannien eingeschleppt – und der Käfer breitete sich rasch aus. Im Ersten Weltkrieg behauptete Deutschland, Frankreich wolle mit dem Kartoffelkäfer die Lebensmittelversorgung der Deutschen ruinieren. 1935 gründete die Wehrmacht gar einen „Kartoffelkäfer-Abwehrdienst“, der Schulkinder zu Soldaten im Kampf gegen den Schädling drillte. Slogan: „Sei ein Kämpfer, sei kein Schläfer, acht’ auf den Kartoffelkäfer!“

Im Zweiten Weltkrieg hetzte das NS-Regime, amerikanische Flugzeuge würden Kartoffelkäfer abwerfen – ein Märchen, das später auch die DDR verbreitete, um Misserfolge in der Landwirtschaft zu verschleiern, und dabei gern vom „Amikäfer“ redete. Einen Vernichtungsfeldzug gegen die Lieblingsknolle der Deutschen muss heute allerdings keiner fürchten: Rund zehn Millionen Tonnen Kartoffeln werden dieses Jahr in Deutschland geerntet – in etwa so viel wie im Jahr 2014.

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