Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Der Kartoffelkäfer ist zurück

Schwarz-gelbe Gefahr Der Kartoffelkäfer ist zurück

Ein gefährlicher Feind ist zurück. Gefräßig, rücksichtslos und kaum zu fassen ist er, der Kartoffelkäfer. Der vergangene Winter war mild, der Sommer warm. Für den Schädling mit dem markanten gelb-schwarz gestreiften Panzer war es ein ideales Jahr.

Voriger Artikel
Physik-Nobelpreis für zwei Teilchenforscher
Nächster Artikel
Chemie-Nobelpreis für DNA-Forschung

Schädlich, lästig und einst ein Politikum: Der Kartoffelkäfer.

Quelle: dpa

„Die Bekämpfung war in diesem Jahr unvermeidlich, weil sich das Insekt mancherorts zu stark vermehrt hatte“, resümiert Stefan Krüssel, Leiter der Zoologie im Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
Rund 1200 Eier heften die weiblichen Tiere an die Unterseite der Kartoffelpflanzen. Daraus schlüpfen die gefräßigen Larven, aus denen sich dann die Käfer verpuppen. Bis zu zwei Populationen  pro Jahr sind möglich; und in diesem Jahr fielen die Krabbeltiere, die keine natürlichen Fressfeinde haben und ein Abwehrsekret absondern können, den Bauern an ihren Pflanzen oft auf.

Beharrlich trotzt der Käfer allen Substanzen, mit denen der Mensch ihn ausrotten will. Den Einsatz von hochgiftigem Arsen in den Dreißigerjahren überlebte er ebenso wie das Spritzmittel DDT in den Sechzigerjahren. Mittlerweile kann man ihn mit dem Wirkstoff des tropischen Niembaumes oder Bakterien-Präparaten recht gut dezimieren.

Der schädliche Überlebenskünstler ist zudem eines der wenigen Insekten, das Politik gemacht hat. 1877 wurden die ersten Exemplare mit Kartoffelimporten aus den USA, der eigentlichen Heimat des Käfers, nach Frankreich und Großbritannien eingeschleppt – und der Käfer breitete sich rasch aus. Im Ersten Weltkrieg behauptete Deutschland, Frankreich wolle mit dem Kartoffelkäfer die Lebensmittelversorgung der Deutschen ruinieren. 1935 gründete die Wehrmacht gar einen „Kartoffelkäfer-Abwehrdienst“, der Schulkinder zu Soldaten im Kampf gegen den Schädling drillte. Slogan: „Sei ein Kämpfer, sei kein Schläfer, acht’ auf den Kartoffelkäfer!“

Im Zweiten Weltkrieg hetzte das NS-Regime, amerikanische Flugzeuge würden Kartoffelkäfer abwerfen – ein Märchen, das später auch die DDR verbreitete, um Misserfolge in der Landwirtschaft zu verschleiern, und dabei gern vom „Amikäfer“ redete. Einen Vernichtungsfeldzug gegen die Lieblingsknolle der Deutschen muss heute allerdings keiner fürchten: Rund zehn Millionen Tonnen Kartoffeln werden dieses Jahr in Deutschland geerntet – in etwa so viel wie im Jahr 2014.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wissen
Augenblicke: Bilder aus Hannover und der Welt

Klicken Sie sich durch spektakuläre Fotos – ausgewählt von der HAZ-Redaktion.

  • Verbraucher
    Rund ums Geld

    Jeden Montag präsentieren wir Verbraucher- und Finanztipps und die Testsieger der Stiftung Warentest. mehr

  • Bauen & Wohnen

    Jeden Samstag neu: Tipps und Trends zu Haus und Garten, Bauen, Renovieren, Architektur und Wohnen. mehr

  • Auto & Verkehr

    Lesen Sie jeden Samstag Fahrberichte und Tipps für Autofahrer. Täglich aktuell: die Verkehrslage in und um Hannover. mehr

Anzeige