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Nachrichten Wissen Schweinswale tummeln sich in Weser, Ems und Elbe
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21:16 11.04.2011
Schweinswale ähneln Delfinen. Quelle: dpa
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„Allein in den vergangenen Tagen wurden in der Weser zehn Wale gezählt, das ist für Anfang April ziemlich viel“, sagt Denise Wenger von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD), die die Sichtungen der delfinartigen Tiere protokolliert.

Die erste Meldung kam am 27. März: Ein Seelotse will in der Außenweser bei Bremerhaven vier Wale gesehen haben. Ein paar Tage später gab es auch weiter südlich einzelne Sichtungen – Angler und Spaziergänger meldeten zwei Muttertiere mit Kälbern in der Unterweser bei Brake. Auch in der Ems wurden jüngst Wale gesehen, etwa bei Ditzum. „Außerdem sind uns Walbeobachtungen aus der Elbe sowie aus kleineren Flüssen wie Jade und Hunte bekannt“, sagt Meeresbiologin Wenger.

Schweinswale ziehen jedes Jahr zwischen März und Mai von Holland kommend an der niedersächsischen Nordseeküste vorbei. Dabei verirren sie sich in die Mündungen der Flüsse und schwimmen die Ströme hinauf. „Schweinswale sind Wanderer, auf der Suche nach Nahrung ziehen sie den Fischschwärmen hinterher“, erklärt Richard Czeck vom Nationalpark Wattenmeer. Der einzig plausible Grund, warum sich die Meerestiere in den heimischen Flüssen tummeln, sei daher die Nahrungssuche, meint Czeck. Auf der Speisekarte der bis zu 1,85 Meter langen Wale stehen Hering, Tintenfisch und Krebse, aber auch Stint und Finte, die zum Laichen von der Nordsee in die Flüsse kommen – was laut Wenger womöglich für eine bessere Wasserqualität von Weser, Ems und Elbe spricht. Die ungewöhnlichen Wanderwege der Schweinswale hängen aber auch mit der Überfischung der Nordsee zusammen, glaubt die Meeresbiologin.

Allerdings schwammen schon vor mehr als hundert Jahren häufiger Schweinswale, damals „Braunfische“ genannt, in den großen niedersächsischen Flüssen. Als Folge von Verschmutzungen kamen die kleinen Tümmler in den vergangenen Jahrzehnten aber gar nicht mehr in Ems, Weser und Elbe vor. Erst seit fünf Jahren nehmen die Sichtungen wieder zu, 125 Schweinswale wurden seither allein in der Weser gezählt. Den technischen Nachweis erhalten die Forscher und Naturschutzbehörden von sogenannten Klick-Detektoren: Das sind Unterwasser-Mikrofone, die die Laute der Schweinswale aufzeichnen. Das Zählen mit bloßem Auge sei sehr schwierig, meint Biologe Czeck. „So ein Wal ist kein springender Delfin, der taucht für zwei Sekunden auf und dann wieder ab – schnell zu verwechseln mit einer Wasserspiegelung.“ Dennoch sind Fischer, Wassersportler und Spaziergänger aufgefordert, gesichtete Tiere zu melden. Die besten Beobachtungspunkte liegen laut Wenger bei Wilhelmshaven, Nordenham und Bremerhaven.

Sophie Hilgenstock

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