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12:54 21.02.2017
Saunieren hat in vielerlei Hinsicht positiven Einfluss auf das körperliche Wohlbefinden – doch es hat auch seine Grenzen. Quelle: Getty Images/iStockphoto
Hannover

Nebel kriecht durch die Straßen, und der Atem bildet kleine Dampfwolken. Unter der warmen Decke ist es zwar gemütlich, doch genießen kann man die Zeit auf dem Sofa nur, wenn einen nicht gerade ein grippaler Infekt dazu zwingt.

Um Erkältungen zu vermeiden, setzen einige Menschen auf regelmäßige Saunagänge, um ihr Immunsystem in Schwung zu bringen. Der Wechsel zwischen Hitze und Kälte kurbele das Immunsystem an, erklären überzeugte Saunagänger stets selbstbewusst. Doch ist Saunieren wirklich so gesund, wie alle sagen?

Ein Jungbrunnen für die Haut

Zunächst einmal wirkt die Sauna wie eine Art Jungbrunnen für die Haut. In der wohligen Wärme steigt die Temperatur der Hautoberfläche um bis zu zehn Grad, im Körperinneren um etwa ein Grad. Die Folge: Das Herz schlägt schneller, der Körper benötigt mehr Sauerstoff, und die Blutgefäße weiten sich. Aus den Poren fließt der Schweiß. Um den Wasserverlust auszugleichen, entzieht der Körper den Muskeln und dem Bindegewebe Feuchtigkeit. Diese gelangt ins Blut, und mit ihr Abfallstoffe, die sich im Gewebe abgelagert haben. Die Haut sieht nach dem Saunagang rosiger und gesünder aus. Aber hilft der Saunabesuch auch gegen Erkältungen und Grippe?

Rainer Brenke ist Saunaexperte und arbeitete jahrelang als Facharzt für physikalische Medizin an der Berliner Charité. Der Mediziner weiß um die recht unübersichtliche Forschungslage in Sachen Sauna und Abwehrkräfte: „Obwohl einige Studien im Laufe der vergangenen Jahre zu dem Ergebnis kamen, dass Saunieren die Abwehrkräfte stärke, ist das nur ein Teil der Wahrheit“, sagt Brenke. Der Saunabesuch rege zwar die Aktivität der wichtigen Killerzellen an und lasse den Anteil an Immunglobulin A im Speichel steigen, doch die spezifischen Abwehrkräfte würden dadurch nicht beeinflusst.

Stärkung der unspezifischen Abwehr

Doch was genau ist der Unterschied zwischen der spezifischen und der unspezifischen Abwehr? Während die unspezifische Abwehr schon das Eindringen von Krankheitserregern in den Körper verhindert, reagiert die spezifische Abwehr erst, wenn sich die Eindringlinge bereits im Organismus tummeln. Die unspezifische Abwehr ist also eine Art Burggraben, der Angreifer abhält. Zu ihr zählen beispielsweise der Säureschutzmantel der Haut oder die Sekrete auf den Schleimhautoberflächen von Rachen und Nase. Gelangen Erreger auf diese oberflächlichen Schutzschichten, schlagen die Fresszellen des Immunsystems Alarm – sogenannte Makrophagen oder Granulozyten. Sie beseitigen körperfremde Substanzen und schützen so präventiv vor Infekten.

Auf die Hitze der Sauna reagiert der Körper wie auf ein künstliches Fieber – die Fresszellen werden trainiert und damit die unspezifische Abwehr gestärkt.

Doch was, wenn es Erregern gelingt, die unspezifische Abwehr zu überwinden? Dann ist die spezifische Abwehr gefragt. Weiße Blutkörperchen wie B-Lymphozyten produzieren sofort Antikörper oder Immunglobuline. Sie erkennen bestimmte Strukturen auf der Oberfläche der Eindringlinge und passen zu ihnen wie ein Schlüssel zum Schloss. Mit einer maßgeschneiderten Immunantwort binden sie die Erreger und zerstören sie.

Saunieren senkt das Risiko eines plötzlichen Herztods

Verbesserten Saunabesuche nicht nur die unspezifische, sondern auch die spezifische Abwehr, müssten Saunagänger einen erhöhten Antikörperpegel im Blut aufweisen. Das ist aber nicht der Fall. „In all den Jahren konnte nicht bewiesen werden, dass sich die spezifische Abwehr durch Saunagänge verbessert“, sagt Brenke. Das heißt, dass Saunabesuche die maßgeschneiderte Immunantwort des Körpers nicht begünstigen, wohl aber präventiven Schutz vor Infekten und Erkältungen bieten, weil Nase und Rachen besser durchblutet werden.

Darüber hinaus senkt regelmäßiges Saunieren die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen Herztods. So stellte das finnische Forscherteam um Tanjaniina Laukkanen im Jahr 2015 fest, dass männliche Probanden, die vier- bis siebenmal pro Woche in die Sauna gingen, weniger Gefahr liefen, einen plötzlichen Herztod zu erleiden, als Männer, die nur einmal pro Woche in die Sauna gingen. Die Ergebnisse basieren auf den Daten der „Kuopio Ischaemic Heart Disease Risk Factor Study“ (KIHD), an der rund 2300 Männer mittleren Alters zwischen den Jahren 1984 und 1989 teilnahmen. Sie alle wurden durchschnittlich 20 Jahre lang nachbeobachtet. In diesem Zeitraum haben die Forscher um Laukkanen die Todesfälle und die Sterbezahlen für plötzlichen Herztod, für kardiale und für kardiovaskuläre Ursachen ausgewertet – Rauchen oder Bluthochdruck wurden bereits rausgerechnet.

Nicht vom Fitnessraum direkt in die Sauna

Warum Saunieren die Wahrscheinlichkeit eines Herztods verringert, ist den Forschern noch nicht klar. Es sei vorstellbar, so Laukkanen, dass regelmäßiges Saunieren die Elastizität der Blutgefäße vergrößere und somit den Blutfluss in den Gefäßen verbessere. Brenke überrascht das nicht. „Dass Saunieren eine blutdrucksenkende Wirkung hat, weiß man schon lange“, sagt er. Dennoch sei Vorsicht geboten. „Die Sauna hilft nicht in jedem Fall. Direkt nach einem Herzinfarkt oder mit einem akuten Infekt sollte man nicht in die Sauna gehen oder erst mit seinem Arzt darüber sprechen.“ Das regelmäßige Schwitzen helfe vor allem Menschen mit leichtem Bluthochdruck, chronischen Schmerzen wie Rheuma oder bei Hautbeschwerden.

Sorgen bereitet dem Experten auch die zunehmende Tendenz, direkt nach dem Sport in die Sauna zu gehen. „Schleift man sich vom Fitnessraum direkt in die Sauna, gefährdet man seine Gesundheit“, sagt Brenke. Denn der Kreislauf müsse sich erst erholen. Generell, sagt Brenke, gilt: „Falscher Ehrgeiz ist in der Sauna fehl am Platz.“

Von RND/Nadine Zeller

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