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17:55 09.01.2019
Sarah Wiener plädiert dafür, dass Kinder schon früh kochen lernen. Quelle: Villegas
Hannover

Als TV-Köchin wurde sie bekannt, aber Sarah Wiener ist auch eine erfolgreiche Unternehmerin und Autorin. Außerdem hat sie eine Stiftung gegründet, die Kinder eine gesunde Ernährung vermitteln will, darüber hinaus setzt sie sich für artgerechte Tierzucht und den Erhalt der biologischen Vielfalt ein. Wir sprachen mit Sarah Wiener über gesundes Essen, die Rolle von Bio-Label und über den Fleischkonsum der Deutschen.

Frau Wiener, die Deutschen ernähren sich bewusster. So steht es zumindest im neuen
Ernährungsreport der Bundesregierung.
Wie sehen Sie das?

Ich sehe das differenziert. Die soziale und politische Spaltung der Gesellschaft spiegelt sich auch in unserer Ernährung wieder. Ein Trend ist klar, sich bewusster zu ernähren, überhaupt bewusster zu konsumieren. Ein anderer Trend geht aber auch hin zum Functional Food, also funktionelle mit Mikronährstoffen angereicherte Nahrungsmittel, bei dem etwa auch Fleisch künstlich hergestellt wird. Und dann gibt es auch eine breite gleichgültige Masse, die satt werden will – und das möglichst billig.

Welche Ernährung ist denn gesund?

Eine, die mir schmeckt und weder meiner Gesundheit noch der Umwelt schadet. Eine, bei der wir später keine Medikamente nehmen müssen, um Fehlernährungen zu korrigieren. Das heißt im Umkehrschluss: In erster Linie sollte Essen regional sein und aus frischen Grundzutaten gekocht sein – am besten selbst.

Welche Rolle spielt dabei Bio?

Bio ist zuallererst eine Marke. Worum es eigentlich geht, sind ökologisch angebaute Lebensmittel und wesensgemäße Tierzucht. Aber Bio ist nicht gleich Bio. Zwar garantieren die Zertifikate eine gewisse Kontrolle – mehr Tierschutz, weniger Antibiotika, keine Pestizide, mehr Klimaschutz, weniger Energieeinsatz. Aber zwischen all den Labels gibt es riesengroße Unterschiede.

Also ist Bio aus dem Supermarkt im Zweifel nicht besser als Industrieware?

Selbst der niedrigste Industrie-Bio-Standard ist immer noch besser als der normale konventionelle Industriestandard, es ist das kleinere Übel. Aber zwischen EU-Bio und gutem Bio aus wirklich nachhaltiger Landwirtschaft liegen Welten. Für mich gilt: Wenn Bio, dann bitte möglichst regional. Klar, gibt auch gute konventionelle Bauern, wenn man in der Stadt wohnt, kennt man diese leider oft nicht. Da kann der Begriff Bio zumindest eine Leitplanke sein.

Bei Bio-Fleisch gibt es beispielsweise nur ein sehr begrenztes Angebot.

Die Lösung kann ja auch nicht sein, immer mehr Fleisch zu essen. Früher kam es auch nur einmal in der Woche auf den Tisch und die Reste am nächsten Tag in die Pfanne. Genießen wir doch Fleisch wieder als eine kostbare Beilage. Da reichen dann 80 bis 100 Gramm für eine Portion, und es müssen nicht 200 bis 300 Gramm sein, wie uns das die Fleischereifachverkäuferin sagt. Es gibt viel spannendere Lebensmittel als Fleisch, die schön duften, uns sättigen und glücklich machen. Die brauchen mehr Aufmerksamkeit, eine Werteverschiebung.

Wie kann die gelingen?

Sie gelingt nicht, indem wir nur Verzicht predigen oder alle Verantwortung dem Verbraucher überlassen. Wir brauchen dafür auch einen politischen Willen und Regeln, aber auch gute Projekte. Unsere Sarah Wiener Stiftung beispielsweise setzt sich dafür ein, das Ernährungsbewusstsein von Kindern zu fördern. Die Kinder lernen da schon im Kindergarten kochen – und wie toll das sein kann.

Von Sonja Fröhlich/RND

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