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Jugend hat keinen Bock mehr auf Rebellieren

Sinus-Studie Jugend hat keinen Bock mehr auf Rebellieren

Alle vier Jahre analysieren Forscher, wie Deutschlands Jugend so tickt. Das Ergebnis dieses Mal: Die Jugendlichen sind strebsam, pragmatisch und fast schon überangepasst. "Man möchte sein wie alle", haben die Sozialwissenschaftler herausgefunden.

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Strebsam, pragmatisch und fast schon überangepasst: Noch nie seit der Nachkriegszeit ist die Jugend in Deutschland so wenig rebellisch wie heute gewesen (Symbolbild).

Quelle: Jörg Carstensen/dpa

Berlin. Noch nie seit der Nachkriegszeit ist die Jugend in Deutschland so wenig rebellisch wie heute gewesen. Das ist ein Hauptergebnis der neuen Sinus-Jugendstudie, die Sozialwissenschaftler am Dienstag in Berlin vorstellten.

Die Sehnsucht nach Geborgenheit und Orientierung in einer zunehmend unübersichtlichen Welt lasse Teenager eine ungewöhnlich große Nähe zur Elterngeneration suchen, lautet eine Erklärung dafür. Die großen Jugend-Subkulturen, die auf Abgrenzung und Provokation zielen, gebe es kaum mehr. Vielmehr gelte für die meisten 14- bis 17-Jährigen heute: "Man möchte sein wie alle."

Den Jugendlichen sind Freiheit und Toleranz wichtig

Jugendliche in Deutschland lebten zwar nach wie vor in unterschiedlichen Lebenswelten, "aber sie rücken in mehrfacher Hinsicht zusammen", heißt es in der Studie. Eine Mehrheit sei sich einig, "dass gerade in der heutigen Zeit ein gemeinsamer Wertekanon von Freiheit, Aufklärung, Toleranz und sozialen Werten gelten muss". Dieser garantiere das "gute Leben", das man in Deutschland habe. Diese Haltung gelte auch für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Zu weiteren Ergebnissen zählt, wie sehr Teenager das Thema Flüchtlinge interessiert und wie tolerant viele der Zuwanderung gegenüberstehen. Gewundert hat die Forscher, dass junge Leute zunehmend ein wenig online-müde werden. Zum dritten Mal seit 2008 haben Jugendforscher im vergangenen Jahr 14- bis 17-Jährige nach ihren Meinungen und Gefühlen gefragt.

Die Ergebnisse der Studie basieren auf langen und persönlichen Interviews mit 72 Teenagern aus verschiedenen Milieus, erläuterte Projektleiter Marc Calmbach. Die Forschung schätzt diese Methode wegen ihrer Tiefenschärfe als seriös ein. Für die repräsentative Befragungen der Shell-Studie werden weit mehr Jugendliche interviewt.

Die Methodik der Sinus-Studie

Die Sinus-Studie erforscht seit 2008 alle vier Jahre die Lebenswelten von Jugendlichen in Deutschland. Im Sinne der Statistik ist sie nicht repräsentativ, weil allein 72 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren dafür befragt wurden. Die langen und persönlichen Interviews erlauben Forschern aber einen guten Einblick wie Teenager "ticken". In der Jugendforschung ist diese Methode wegen ihrer Tiefenschärfe anerkannt. Die Ergebnisse gelten mit Blick auf die Psychologie als repräsentativ.

Die Gespräche führten junge Sozialwissenschaftler und erstmals auch geschulte Gleichaltrige von Anfang Juli bis Ende Oktober 2015. Befragt wurden Jugendliche mit Hauptschulabschluss, mittlerer Reife sowie Abitur. Dabei achteten die Forscher auf eine gleichmäßige Verteilung nach Geschlecht, Wohnort, Schulform und Migrationserfahrungen.

Die Jugend als homogene Gruppe gibt es in der Studie nicht. Die Forscher unterscheiden zwischen verschiedenen Milieus: Dazu zählen Konservativ-Bürgerliche, Sozial-Ökologische, Erfolgs- und Lifestyle-Orientierte, Leistungs- und Familien-Orientierte, Spaß- und Szene-Orientierte, Freizeit- und Konsum-Orientierte Unterschicht und Jugendliche aus prekären Verhältnissen.

Zu den Partnern der Untersuchung gehören unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung.

dpa/epd

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