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Ein Virus breitet sich aus

Beginn der Stechmückensaison Ein Virus breitet sich aus

Zur Stechmückensaison wird es kritisch: Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Zika-Infektionen in Europa steigen wird. Deutschland verschärft das Meldesystem.

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Die Brasilianerin Gleyse Kelly hält ihre drei Monate alte Tochter Giovanna im Arm. Der Säugling leidet an Mikrozephalie, verursacht durch das Zika-Virus.

Quelle: dpa

Berlin. Diese Bilder gehen unter die Haut. Neugeborene liegen in den Armen ihrer weinenden Mütter, ihre zarten Schädel sind verformt, sie leiden unter Hirnfehlbildungen – alles wegen eines einzigen Mückenstichs.

Ein Jahr ist es nun her, dass zum ersten Mal das 
Zika-Virus in einem brasilianischen 
 Labor nachgewiesen wurde. Seitdem sollen sich allein in dem Olympialand mehr als eine Millionen Menschen mit dem Erreger angesteckt haben.

WHO warnt vor Ausbreitung in Europa

Die Gefahr einer Infektion mit dem tropischen Virus in Deutschland ist längst nicht so groß. Allerdings: Die Mückensaison beginnt gerade erst, und mit den wärmeren Temperaturen steigen auch die Überlebenschancen des Hauptüberträger, der Tigermücke.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO, die bereits wegen der Zika-Epidemie den globalen Notstand ausgerufen hat, warnt vor einer weiteren Ausbreitung besonders in Europa. In 50 Nationen wurde das Virus bereits nachgewiesen.

Es drohen Schädel-Hirn-Fehlbildungen

Im Regelfall verläuft die Ansteckung glimpflich. Fieber, Kopfschmerzen, das Virus löst eine leichte Grippe aus. Es drohen aber weitaus schlimmere Folgen: Bei einem Prozent der Schwangeren, die sich in den ersten drei Monaten mit Zika infizieren, kommt es zu Schädel-Hirn-Fehlbildungen, bislang wurden 1113 Fälle nachgewiesen.

Auch wissen Wissenschaftler, dass bei 0, 24 Prozent von 1000 Betroffenen die Nervenkrankheit Guillain-Barré-Syndrom ausgelöst wird, die Lähmungen von Muskulatur und Atmung zur Folge hat.

Im Raum Freiburg wurde die Mücke gefunden

Der Lebensraum der Mücke hat sich in Brasilien in den vergangenen zehn Jahren von 1,5 Millionen Quadratkilometern auf mehr als sieben Millionen erweitert. Das Insekt hat längst den Globus umrundet, in Afrika wurden mutierte Formen entdeckt.

Und auch in Deutschland gibt es vereinzelte Hotspots, in denen die Tigermücke bereits gefunden wurde – unter anderem im Südwesten im Raum Freiburg. Die Aufregung ist aber bundesweit groß.

Bislang 40 Zika-Fälle in Deutschland

Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Tropeninstitut in Hamburg versucht seit einem Jahr die Gemüter zu beruhigen. „Unser Gesundheitssystem ist ganz anders strukturiert, unser Diagnostiksystem funktioniert sehr gut, es würden sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden.“

Bislang kam es in Deutschland zu 40 Meldungen von Zika – alles Fälle, in denen Reisende das Virus aus Lateinamerika eingeschleppt hatten. Eine überschaubare Größe, die WHO-Vizegeneraldirektorin Marie-Paule Kieny aber nicht kleinreden möchte.

Robert-Koch-Institut relativiert Warnung der WHO

„Mit dem Beginn der Stechmückensaison in Europa kann die Möglichkeit örtlicher Übertragungen zusammen mit der Wahrscheinlichkeit sexueller Übertragungen zu einer deutlichen Zunahme der Zahl der Menschen mit Zika führen.“

Die Experten des Robert-Koch-Instituts in Berlin relativieren, die WHO müsse nach den Problemen im Umgang mit der Ebola-Seuche handeln, damit man sich nicht angreifbar mache. Auch sei der alleinige Fokus auf das Zika-Virus unangebracht.

Chikungunya-Ausbruch in Italien

Schließlich würden die Fälle vom für die Masse weitaus gefährlicheren Dengue- und Chikungunya-Fieber, die ebenfalls durch Stechmücken übertragen werden, stark zunehmen. Mit diesen tropischen Krankheiten hat Europa bereits schlimme Erfahrung.

In Italien gab es bereits einen Chikungunya-Ausbruch mit mehreren Hundert Ansteckungen. Und in den Urlaubsregionen in Südfrankreich bekamen es die Behörden mit einem massiven Dengue-Ausbruch zu tun.

Forscher untersuchen Mücken auf Viren

Diese Formen von Fieber lösen innere Blutungen aus, verlaufen nicht selten tödlich. In Deutschland gab es zuletzt rund 1000 Fälle. „Die invasiven Stechmücken sind ein Problem“, sagt Schmidt-Chanasit. „Man hat jahrzehntelang verschlafen, gegen diese Mücken vorzugehen. Gerade Italien ist massiv verseucht. Die Bekämpfung kostet Millionen, es wäre ein Riesenaufwand nötig.“

Zika habe nun aber angesichts der globalen Auswirkungen ein gewisses Umdenken ausgelöst – auch in Deutschland. Das Meldesystem wurde deutlich verschärft. Und: An mehr als 600 Standorten in Deutschland fangen die Wissenschaftler die Mücken ein und testen die Überträger auf unterschiedliche Viren.

Schmidt-Chanasit: „Das braucht man, um sensitiv zu sein, um auch in jedem Winkel des Landes zu erkennen, ob etwas passiert oder eben nicht.“

Von Carsten Bergmann

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