Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wissen Deutschlands Ganztag ist ein "Flickenteppich"
Nachrichten Wissen Deutschlands Ganztag ist ein "Flickenteppich"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:33 29.04.2016
Studie: Lernen an Ganztagsschulen hängt extrem vom Bundesland ab. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Anzeige
Gütersloh

An deutschen Ganztagsschulen gibt es von Bundesland zu Bundesland riesige Unterschiede bei den Lernzeiten und der Ausstattung mit Lehrern oder Erziehern. So liegt die Bandbreite dessen, was die Länder jährlich für zusätzliches Ganztags-Personal ausgeben, zwischen schmalen 1300 Euro pro Schulklasse einer gymnasialen Ganztagsschule (Sekundarstufe I) in Sachsen - und üppig bemessenen knapp 37.000 Euro in Rheinland-Pfalz.

Dies ist eines der Ergebnisse einer am Donnerstag vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung zum bundesweit wachsenden Ganztagsschulangebot in Deutschland. Die Analyse will erstmals die Lernbedingungen für die 1,27 Millionen Schüler in bindenden Ganztagsschulen vergleichbar machen - und die klaffen je nach Bundesland oder Schulform weit auseinander.

Bundesweit riesige Unterschiede

Von einem "Flickenteppich Ganztag" sprechen daher die Autoren der Studie. "Wir haben bundesweit einen Dschungel an unterschiedlichen Bestimmungen zur Verteilung von Ressourcen im Ganztag. Die riesigen Unterschiede legen offen, wie sehr es an gemeinsamen Standards für den Ganztag mangelt", fasste Dirk Zorn, Bildungsexperte der Bertelsmann-Stiftung, die Erkenntnisse des Reports zusammen. Für gleichwertige Lernchancen müssten die zuständigen Kultusminister der Länder dringend Mindeststandards vereinbaren. So ist die zusätzliche Zeit, die Ganztagsschülern im Vergleich zu anderen zur Verfügung steht, abhängig von weit auseinander gehenden Vorgaben in den Ländern. Grundschüler in hessischen Ganztagsschulen verbringen 22 zusätzliche Stunden pro Woche an der Schule. In Thüringen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen sind nur acht vorgesehen.

An weiterführenden Schulen sinkt im Durchschnitt die Zusatz-Lernzeit, die riesige Spannbreite je nach Land bleibt: Kommen Ganztagsschüler aus Hessen oder Hamburg auf überdurchschnittliche Werte zwischen 13 und 16,4 Extra-Stunden, so sind für Schüler aus Nordrhein-Westfalen und den ostdeutschen Flächenländern mit Ausnahme Brandenburgs in den höheren Klassen nur rund vier Mehrstunden vorgesehen.

Lernzeiten und Personalausstattung nicht abgestimmt

Der Bertelsmann-Report moniert auch, dass Lernzeiten und Personalausstattung in vielen Ländern nicht aufeinander abgestimmt seien. So stellten die Länder Hessen und Bremen gerade mal so viel Zusatz-Personal zur Verfügung, dass 22 Prozent der Nachmittags-Extrazeit mit Fachkräften bestückt sind. Nimmt man die Grundschulen aus, stehen auch Sachsen und Thüringen mit ähnlichen Werten schlecht da. Die entstehende Lücke muss den Autoren zufolge mit kommunalen oder privaten Mitteln gefüllt werden - Lehrer besetzten diese Stellen nicht.

Für die Analyse haben sich die Bildungsforscher ausschließlich auf die Form der sogenannten gebundenen Ganztagsschule konzentriert - also Schulen, an denen die Teilnahme am längeren gemeinsamen Lernen für alle Pflicht ist und nicht offenes Angebot.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im Jahr 2015 sind in Deutschland mehr als 1200 Menschen an den Folgen von Drogenkonsum gestorben – deutlich mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Erstkonsumenten harter Drogen nahm zu.

14.06.2016

Dieses Gefährt ist nicht kaputt zu kriegen: Der Marsrover "Curiosity", der eigentlich schon vor zwei Jahren in Rente gehen sollte, hat - trotz Löchern und Rissen in seinen Reifen - eine mehrmonatige Fahrt in neues Terrain überstanden. Nun soll er weiter forschen.

28.04.2016
Wissen Neuer russischer Weltraumbahnhof - Raketenstart gelingt im zweiten Anlauf

Im zweiten Anlauf ist die Premiere für Russlands neuen Weltraumbahnhof Wostotschny geglückt: Am frühen Donnerstagmorgen startete – vor den Augen von Präsident Wladimir Putin – eine Sojus-Rakete ins All. Am Vortag war der Raketenstart in letzter Minute abgebrochen worden.

28.04.2016
Anzeige