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Nachrichten Wissen Meeresspiegel steigt doppelt so schnell an
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07:19 27.01.2016
Der weltberühmte Perito Moreno Gletscher in Patagonien (Süd-Argentien) ist vom rasanten Anstieg des Meerespiegels betroffen. Quelle: Ivonne Jeannot Laens/dpa
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Bonn

Der Anstieg des Meerespiegeles ist vermutlich doppelt so hoch wie gedacht, heißt es in einer aktuellen Studie des Instituts für Geodäsie und Geoinformation an der Universität Bonn, die jetzt in der US-Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht wurde. Ein Irrtum, der für die Küstenregionen in Deutschland schwere Folgen haben könnte. Die Gefahr von Sturmfluten wächst.

Bislang gingen Forscher davon aus, dass die Meeresspiegel aufgrund der Ausdehnung des wärmer werdenden Wassers jährlich zwischen 0,7 und einem Millimeter ansteigen würden. Bei erneuter Prüfung der Satellitendaten aus den Jahren 2002 bis 2014 habe sich aber ergeben, dass sie sogar um 1,4 Millimeter pro Jahr ansteigen werden – doppelt so stark wie bisher vermutet. Dieser Faktor sei bislang deutlich unterschätzt worden, erläuterte Professor Jürgen Kusche, Ko-Autor der Studie.

Erhöhtes Risiko für Sturmfluten

Denn, so erklärte Roelof Rietbroek, ebenfalls vom Institut für Geodäsie, in Jahrzehnten würde dieser Effekt einen Anstieg von mehreren Zentimetern bedeuten – mit ungeahnten Auswirkungen. Wird der Anstieg durch das Schmelzen von Eis noch hinzugerechnet, könnten die Meeresspiegel jährlich sogar um 2,74 Millimeter ansteigen. "Die Wahrscheinlichkeit einer zerstörerischen Sturmflut könnte damit drastisch zunehmen", sagte Rietbroek. Besonders die  Küstenregionen der Nord- und Ostsee sind in Deutschland von dem Temperaturplus in den Weltmeeren betroffen. Was das konkret bedeutet, lasse sich allerdings noch nicht abschätzen, zu unterschiedlich sind bislang die Auswirkungen des Temperaturanstiegs.

Wissenschaftler sprechen hier vom Thermometereffekt. Während das Meer auf den Philippinen mit 15 Millimetern im Jahr fünfmal so stark wie der weltweite Durchschnitt ansteige, bleibe das Niveau an der Westküste der USA größtenteils stabil, erklärte Kusche. "Wegen ein paar Millimetern mehr wird kein Land seine Deiche höher bauen", erklärt Roelof Rietbroek. Die Politik ist dennoch gefragt, denn mit der zunehmenden Gefahr von Überschwemmungen steige auch das Risiko wirtschaftlicher Einbußen. Ganze Landstriche können im Meer versinken, wichtige Bahnstrecken unterspült, Wasserwege durch vermehrte Schlickablagerungen unpassierbar gemacht werden.

Von Anke Landmesser und Carsten Bergmann

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