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Wissen Der Hund ist unselbstständig geworden
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00:15 22.09.2015
Von Dirk Schmaler
Doof und unselbstständig? Nein, sagen Verhaltensforscher. Aber Hunde haben es verlernt, Aufgaben von alleine zu lösen. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
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Hannover

Manche behaupten ja tatsächlich, die Menschheit sei in zwei grundlegend verschiedene Gruppen zu unterteilen: in Katzenliebhaber und Hundeliebhaber. Hundefreunde halten Katzen (und wahrscheinlich auch den Großteil der Menschen) für egoistisch und schmarotzerhaft, Katzenliebhaber halten Hunde (und Hundeliebhaber) für doof, unselbstständig und untertänig.

Die aktuellen Erkenntnisse von US-Forschern der Oregon State Universität könnten auf den ersten Blick die Weltsicht der Katzenfreunde bestätigen. Das Team um die Verhaltensforscherin Monique Udell hat zehn Wölfen, zehn Schoßhunden und zehn ständig im Freien gehaltenen Hunden eine Schachtel mit Würstchen vorgesetzt, die sie nur mit viel Geschick und Ausprobieren öffnen konnten. Während acht von zehn Wölfen nicht lange zögerten und die Box aufbekamen, weigerten sich die Hunde schlicht, die Aufgabe anzunehmen. Stattdessen wandten sie sich an die Menschen, auf dass diese ihnen die Box aufmachten.

Herrchen muss es vormachen

Nun streiten die Forscher darüber, was das bedeutet. Sind Hunde einfach weniger schlau als Wölfe? Oder richtig klug? Udells Erklärung liegt dazwischen: Die Uneigenständigkeit ist der Preis der Domestizierung. Die enge Bindung an den Menschen hat ihnen das selbstständige Lösen von Problemen abtrainiert.

Warum auch selbst nachdenken, wenn der Mensch das für einen macht? Hunde konzentrieren sich lieber auf kommunikative Fähigkeiten. Sie folgen etwa dem Blick ihrer Besitzer und sichern sich per Augenkontakt deren Zuneigung, wie Wiener Forscher nachwiesen.

Dies erklärt auch, warum zumindest ein Teil der Hunde in einem zweiten Test durchaus in der Lage war, die Box selbst zu öffnen. Allerdings nur, weil Herrchen ihnen gezeigt hatte, was man von ihnen erwartet. Das hätten Wölfe nie verstanden. Und Katzen auch nicht.

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