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Wissen Droht in diesem Jahr eine Wespenplage?
Nachrichten Wissen Droht in diesem Jahr eine Wespenplage?
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10:00 22.07.2018
Wespen profitieren von Wärme und Trockenheit. Quelle: dpa
Berlin

 Kaffee- und Grillfreunde können sich schon einmal darauf einstellen: Wespen haben in diesem Jahr sehr von Wärme und Trockenheit profitiert. „Es ist ein super Wespenjahr“, sagte die Biologin Melanie von Orlow von der Bundesarbeitsgruppe Hymenoptera (Hautflügler) beim Naturschutzbund (Nabu). Die sogenannte Schafskälte im Juni, die in früheren Jahren oft einen Rückschlag für die Populationen bedeutete, sei diesmal kein Problem gewesen. Auch Überflutungen seien in den meisten Regionen ausgeblieben.

Reife Trauben sind ihre Lieblingsspeise. Ablenkfütterungen sind oft kontraproduktiv. Und elektrische Geräte helfen am besten gegen Stiche. Zehn Tipps für und gegen die Wespe.

Die Nester seien unter diesen Bedingungen groß und stark geworden, so dass viele Tiere erfolgreich durchgekommen seien, sagte von Orlow. Dadurch häuften sich bei ihr etwa seit Mitte Mai die Anfragen von Privatleuten, die wegen Nestern in Hausnähe Rat suchen - ungefähr 400 Anrufer, vor allem aus dem Berliner Raum, hätten sich gemeldet. Wespen bauen manchmal unter Dächern oder an Rollladenkästen Nester.

Nester nicht ohne weiteres entfernen

Aus Naturschutzgründen sollten Nester aber nicht ohne weiteres entfernt werden - es braucht einen vernünftigen Grund für die Beseitigung. Ob ein solcher vorliegt, könnten Naturschutzverbände und Kammerjäger beantworten, erklärte von Orlow. „Bauschäden muss natürlich niemand tolerieren.“ Aber wer nur Angst vor Wespen habe, könne sich zum Beispiel mit Gaze vor den Fenstern schützen. Experten sind auch in der Lage, Nester umzusiedeln.

Wespen sind nicht nur da, um Menschen den Pflaumenkuchen oder das Steak streitig zu machen. „Sie haben ihre Aufgaben in der Natur, zum Beispiel als natürliche Schädlingsbekämpfer“, sagte von Orlow. Wespen seien zudem auch Nahrung für andere Insekten wie Hornissen. Panik sei nicht angebracht, betonte die Biologin.

Stiche sind schmerzhaft, gefährlich werden sie in der Regel aber nur Allergikern oder wenn die Wespe in Mund oder Rachen sticht. Vor rund zwei Wochen hatten die Tiere in einem Kleingarten einen Mann im nordrhein-westfälischen Herne totgestochen. Im Vergleich zu anderen schwarz-gelben Insekten kann man Wespen an ihrer schmalen Taille erkennen.

Wie gefährlich ist ein Wespenstich?

Wenn Sie kein Allergiker sind, ist ein Wespenstich nicht dramatisch. Erst bei mehr als 100 Stichen pro ein Kilo Körpergewicht wird es gefährlich. „Eine Person von 50 Kilogramm kann mehr als 5000 Stiche verkraften – gleichermaßen ob von Wespen, Hummeln oder Hornissen“, informiert der BUND.

Was tun bei einem Wespenstich?

Im Fall eines Stichs sollte man ruhig bleiben und die Stelle kühlen. Auch Spucke helfe – allerdings solle man nicht versuchen, das Gift „auszusaugen“, sagt der BUND. Eine halbierte Zwiebel auf den Stich zu drücken, kann auch helfen, empfiehlt der NABU. Wenn Sie im Mund oder Rachen gestochen worden, sollten Sie auf jeden Fall bis zum Eintreffen eines Arztes kühlen und Eis lutschen.

Wie kann man Wespenstiche vermeiden?

Die Deutsche und die Gemeine Wespen werden von Fleisch und Süßem angelockt. Beim Essen auf dem Balkon oder im Garten sollte man deshalb Kuchen, Wurst, Grillgut und andere Nahrungsmittel immer abdecken. Außerdem stehen die Wespen auf bunte Farben – das kann man zum Beispiel bei der Kleidung beachten. Und auch auf Parfum, Aftershave oder Cremes kann man verzichten.

Neben dem Abdecken der Speisen empfiehlt der NABU eine „Ablenkfütterung“, zum Beispiel mit sehr reifen Weintrauben, die man einige Meter entfernt platziert. Unverdünnte Marmelade oder reiner Honig wirken dagegen schon fast kontraproduktiv. Sehr lästige, einzelne Wespen kann man ins „Time Out“ schicken: In einem Glas fangen und später freilassen.

Von RND/dpa