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Symposium zu Ehren des Physikers Otto Stern in Hamburg

"Querdenker" und "Bonvivant" Symposium zu Ehren des Physikers Otto Stern in Hamburg

Zu Ehren des Molekularstrahlenforschers Otto Stern geben gleich acht Nobelpreisträger zwei Tage lang hochkarätige Vorlesungen in Hamburg. Der Physik-Nobelpreisträger wirkte von 1923 bis 1933 in der Stadt.

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Nobelpreis-Medaille mit dem Konterfrei von Alfred Nobel: Acht Nobelpreisträger für Physik oder Chemie stehen vom 22. bis 23.Mai am Rednerpult in Hamburg.

Quelle: dpa

Hamburg. Kernspintomographie und Atomuhr: Diese Entwicklungen beruhen auch auf der Forschung des Physikers Otto Stern (1888-1969). In Frankfurt und Hamburg machte er Experimente, für die er 1944, als er schon in den USA lebte, den Physik-Nobelpreis für das Jahr 1943 zuerkannt bekam. Zuvor hatte er unter anderem mit Albert Einstein in Prag und Zürich zusammen gearbeitet. Die Akademie der Wissenschaften in Hamburg, die Universität Hamburg und zwei Forschungsverbünde laden nun Interessierte am 22. und 23. Mai an jenen Ort ein, an dem Stern von 1923 bis 1933 als Institutsdirektor arbeitete: In der Jungiusstraße 9 forschen Wissenschaftler inzwischen im Bereich der atomaren Spin-Physik. "Wir wollen mit dieser Veranstaltung an die historischen Aspekte und großen Forschungsleistungen im Leben von Otto Stern erinnern", sagt Prof. Roland Wiesendanger, Vorsitzender des Organisationskomitees.

Stern und Kollegen maßen mit Atom- und Molekularstrahlen die magnetischen Momente von Atomen. In Frankfurt führte Stern Versuche mit Walther Gerlach durch, die einen Zugang zur Quantenwelt boten. In Hamburg schloss Stern laut Mitteilung aus Experimenten, dass das Proton (ein Baustein der Atomkerne) eine innere Struktur besaß und somit kein elementares Teilchen sein konnte. Diese "unerwartete Entdeckung" gelte als Geburtsstunde der Kernphysik. "Es gibt gewisse Entwicklungslinien in der Forschung in Hamburg, die eine Verbindung mit Otto Stern haben", erläutert Wiesendanger. "Im Bereich Spintronik geht es darum, magnetische Eigenschaften von Atomen auszunutzen, um so Logik- und Speicherfunktionen zu realisieren." So wollen die Veranstalter die Brücke zur modernen Forschung schlagen. Auch heute sei Stern ein großes Vorbild: "Die Experimente Otto Sterns waren geprägt durch eine außerordentliche Präzision, und es war ihm immer wichtig, einzigartige Experimente zu verwirklichen, an denen niemand sonst arbeitete."

Auf dem Programm stehen Vorlesungen von acht Nobelpreisträgern für Physik und Chemie, die unter anderem Einblicke in ihre Forschung geben wollen. Darunter sind auch die deutschen Gerhard Ertl, Wolfgang Ketterle, Klaus von Klitzing und Theodor Hänsch. Persönliche Einblicke in das Leben des Physikers will der 52-jährige Großneffe Sterns geben, der Amerikaner Alan Templeton. "Otto war ein Bonvivant: Er liebte gutes Essen, guten Wein, gute Gespräche und auch gute Zigarren", erinnert sich Templeton. Auch sei er häufig ins Kino gegangen. Sein Großonkel habe sich nie für seine Auszeichnungen gerühmt, aber geglaubt, dass er den Nobelpreis verdient habe. "Er genoss es, Probleme zu lösen und Verbindungen zu finden, die andere nicht sahen. Er war ein Querdenker."

Stern wurde 1888 in Sohrau in Oberschlesien geboren und war jüdischer Herkunft. Laut Templeton war er im Ersten Weltkrieg für Deutschland als Meteorologe an der Ostfront im Einsatz. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, habe er die Gefahren erkannt. 1933 sollte Stern seinen vertrautesten Mitarbeiter Immanuel Estermann aus politischen Gründen entlassen, so Templeton. "Otto weigerte sich. Bald darauf fing er an, in den USA einen neuen Job zu suchen." Das Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh bot ihm demnach eine Professur an. Templeton zufolge fragte er nach Aufgaben für Estermann - und zusammen gingen die beiden in die USA. Stern wurde später amerikanischer Staatsbürger und beendete im Jahr 1946 seine wissenschaftliche Karriere. Fortan lebte er in Berkeley in Kalifornien, wo er 1969 starb.

dpa/ska

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