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"Moora"

Teenager-Moorleiche erhält Gesicht


Aufgewachsen unter widrigen Lebensumständen: Niedersachsens berühmte „Moora“ ist mittlerweile so gut erforscht wie kaum eine andere Moorleiche. Jetzt haben Wissenschaftler dem Mädchen aus dem Moor ein Gesicht gegeben.
Die Ergebnisse mehrerer Wissenschaftler geben Moorleiche „Moora“ aus dem Uchter Moor ein Gesicht.

Die Ergebnisse mehrerer Wissenschaftler geben Moorleiche „Moora“ aus dem Uchter Moor ein Gesicht.

© Michael Thomas

Die Teenager-Moorleiche „Moora“ hat in ihrem kurzen Leben vermutlich viel gelitten. „Sie ist wahrscheinlich in einem Umfeld aufgewachsen, dass nicht einfach zu bewältigen war“, sagte Professor Michael Schultz, Paläopathologe von der Universität Göttingen am Donnerstag in Hannover. „Moora“ habe mehrere Krankheiten gehabt, darunter einen gutartigen Tumor im Kopf, eine Verkrümmung der Wirbelsäule sowie eine chronische Entzündung des Schienenbeins.

Die als “Ötzi des Nordens“ bekanntgewordene Leiche aus dem Uchter Moor im Kreis Nienburg beschäftigt seit 2005 Wissenschaftler verschiedener Disziplinen. Das Mädchen, das in der Zeit um 650 vor Christus gelebt hat, ist ein einzigartiger Glücksfall für die Wissenschaft: Noch nie ist eine Moorleiche so gut erforscht und mit modernsten wissenschaftlichen Techniken untersucht worden. „Moora ist etwas ganz Seltenes und birgt viele Geheimnisse, die man ihr entlocken muss,“ sagte die niedersächsische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU).

Nachdem die Leiche im Jahr 2000 von Torfstechern im Uchter Moor entdeckt worden war, vermutete die Polizei zunächst, dass es sich um die Leiche einer vermissten Jugendlichen handle. Erst einige Jahre später wurde klar, welch historischer Fund „Moora“ war. „Das war natürlich ein fachlicher Gau, dass wir zunächst nach dem Mörder gesucht haben“, sagte Gerichtsmediziner Klaus Püschel vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Jetzt haben die Wissenschaftler dem etwa 16 bis 19 Jahre alten Mädchen auch ein Gesicht gegeben. Mit unterschiedlichen Rekonstruktionsverfahren wurden dazu gleich mehrere dreidimensionale Modelle und Zeichnungen von ihrem Gesicht erstellt. „Das alles ist Moora“, sagte Püschel. „Wir wissen eben doch nicht, wie sie ganz genau ausgesehen hat.“

Aus den Untersuchungen der Leiche haben die Wissenschaftler geschlossen, dass „Moora“ wahrscheinlich unter sehr widrigen Lebensumständen aufgewachsen ist. Sie hatte zwei Dellen im Schädeldach, die wieder gut verheilt sind. „Das sagt aus, dass Moora zwei Schläge auf das Stirnbein erhalten hat. Als Ursache können wir einen Unfall vermuten oder die Auswirkungen familiärer Beziehungen“, sagte Schultz. Im Klartext: „Moora“ ist wahrscheinlich geschlagen worden.

Zudem sei klar, dass das Mädchen körperlich schwer arbeiten musste. „Sie gehörte ganz sicher nicht zu einer privilegierten Schicht.“ Möglicherweise habe sie als Sklavin auf einem Hof in der Nähe gearbeitet. Woran „Moora“ letztendlich gestorben ist, bleibt aber weiterhin eines ihrer Geheimnisse.

dpa

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