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Meeressäuger in der Ostsee

Trotz Schutzmaßnahmen gibt es immer weniger Schweinswale


Alles umsonst? Der Bestandsrückgang des Ostseeschweinswals konnte trotz aller Rettungsbemühungen bisher nicht gestoppt werden. Beifänge und Lärm gelten als größte Probleme. Meeresbiologen fordern ein Umlenken.
In der Ostsee geht der Bestand des Schweinswals zurück.

In der Ostsee geht der Bestand des Schweinswals zurück.

© dpa

Trotz der bereits 2002 eingeleiteten Schutzmaßnahmen für den bedrohten Ostseeschweinswal ist keine Erholung der Bestände in Sicht. Im Gegenteil: Der Bestand in der westlichen Ostsee sei regelrecht eingebrochen, sagte der Walforscher und Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke, am Donnerstag in Stralsund. Von 1994 bis 2005 sei die Zahl der Tiere von 27 800 auf 10 900 zurückgegangen. In der zentralen Ostsee leben nach Expertenschätzungen nur noch 100 bis 400 Schweinswale.

„Die Situation ist dramatisch bis bedrohlich“, sagte die Vorsitzende der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere, Petra Deimer. Der Schweinswal könnte auch in der westlichen Ostsee bald aussterben, wenn die Ostseeanrainer die Schutzbestimmungen des Kleinwale-Abkommena ASCOBANS nicht endlich umsetzten. „Es muss etwas geschehen.“ Im Jahr 2002 hatten sich die Staaten auf einen Rettungsplan (Jastarnia-Plan) verständigt, der alternative Fangmethoden in der Fischerei vorsieht.

Als Haupttodesursache machen die Wissenschaftler den Beifang in Stellnetzen der Fischer aus. Studien zufolge seien 47 bis 80 Prozent der Todfunde in der Ostsee auf den Beifang zurückzuführen, sagte Benke. Zum Internationalen Tag des Ostseeschweinswals, der am Sonntag begangen wird, fordern sie ein konsequentes Umlenken in der Fischerei zu verträglicheren Fangmethoden und den Verzicht auf die Stellnetzfischerei. Reusen, Fischfallen oder auch professionelle Angelmethoden, wie vor Norwegen praktiziert, seien praktikable Alternativen, sagte Benke. Im vergangenen Jahr wurden an der deutschen Ostseeküste 138 tote Tiere gefunden.

Angesichts des erwarteten Baus weiterer Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee sprechen sich die Wissenschaftler für den konsequenten Einsatz von schallschluckenden „Blasenschleiern“ während des Einrammens der Fundamente aus. „Die Industrie ist dieser Methode noch nicht aufgeschlossen genug, weil sie zeitraubend und teuer ist“, sagte Stefan Bräger, langjähriger ASCOBANS-Vorsitzender. Darüber hinaus sollten auch alternative Verankerungsmethoden wie das Bohren oder der Einsatz von sogenannten Schwerkraftfundamenten genutzt werden.

Schweinswale orientieren sich per Echoortung. Zuviel Lärm könnte die empfindliche Kommunikation der Tiere stören, befürchten die Wissenschaftler. Die Öko-Toxikologin und Zoologin Ursula Siebert vom Forschungs- und Technologiezentrum in Büsum (Schleswig-Holstein) sagte, Lärm könne die Tiere möglicherweise auch nach der Bauzeit durch Schiffs- und Helikopterverkehr bei Wartungsarbeiten gefährden.

Nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) ist der Bau von 23 Offshore-Windparks in der Nordsee und von drei Parks in der Ostsee genehmigt. Beim BSH liegen zudem Anträge für weitere 56 Windparks in der Nordsee und 15 in der Ostsee vor. Die Meeresbiologen warnten davor, im Zuge der geplanten beschleunigten Genehmigungsverfahren für Windparks auf See die Anforderungen für die Umweltverträglichkeitsprüfungen aufzuweichen.

Windanlagen können nach der Installation aber auch als Rückzugsgebiete für Schweinswale dienen, wenn andere Aktivitäten wie Schifffahrt und Fischerei verringert werden, und sie damit schützen.

dpa

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