Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wissen "Wir graben uns selber das Wasser ab"
Nachrichten Wissen "Wir graben uns selber das Wasser ab"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:39 15.09.2015
Auch die zunehmende Versiegelung von Flächen hat laut der UN-Studie dramatische Folgen. Quelle: dpa
Anzeige
Bonn

Jedes Jahr gehen der Welt Unsummen verloren, weil ökologisch wertvolle Flächen versiegelt oder durch intensive Landwirtschaft zerstört werden. Ein am Dienstag veröffentlichter UN-Bericht bezifferte den Verlust auf weltweit 6,3 bis 10,6 Billionen Dollar (etwa 5,6 bis 9,4 Billionen Euro) im Jahr. Die verlorenen Werte können Ernteerträge sein, aber zum Beispiel auch sauberes Wasser.

Der jährliche Verlust entspricht der Studie zufolge 10 bis 17 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts. Nach Angaben der Wissenschaftler könnte die Entwertung der Flächen in den nächsten zehn Jahren zu 50 Millionen zusätzlichen Flüchtlingen führen – alles Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, weil der Boden sie nicht mehr ernähren kann.

"Der Boden wird degradiert"

"Unsere Botschaft ist, dass sich nachhaltige Landwirtschaft wirklich lohnt", sagte Mark Schauer, einer der beteiligten Forscher von der Universität Bonn.

"Herkömmliche Landwirtschaft ist für die Volkswirtschaft eine Minusrechnung. Der Boden wird degradiert und die Ökosysteme drumherum eben auch. Zum Beispiel durch Überdüngung oder Überweidung. Wir graben uns selber das Wasser ab."

Ein besonderes Problem sei, dass Metropolen häufig in besonders fruchtbaren Gebieten lägen, weil sich eben dort vor langer Zeit die ersten Pioniere angesiedelt hätten. Jetzt breiteten sich die Städte aus und würden fruchtbares, ökologisch wertvolles Land verschlingen. Intensive Landwirtschaft habe oft verheerende langfristige Folgen.

In dem westafrikanischen Land Benin zum Beispiel sei der Baumwollanbau ein großes Problem. "Das ist extrem nährstoff- und wasserintensiv, und davon profitieren nur sehr wenige Menschen, die Volkswirtschaft leidet sehr darunter", erklärte Schauer.

Unterschiedliche Strategien

Die Studie beschäftigt sich auch damit, was gegen diese Entwicklung getan werden kann. Von Land zu Land könnten das ganz unterschiedliche Strategien sein, sagte Schauer, abhängig von den jeweiligen regionalen und ökologischen Gegebenheiten. In Deutschland werden jeden Tag Bodenflächen in der Größe von mehr als 100 Fußballfeldern überbaut, wie aus dem sogenannten Bodenatlas hervorgeht.

Ein Viertel der Ackerflächen sei zudem von Bodenerosion betroffen. Gleichzeitig werden den Angaben zufolge Agrar- und Verbrauchsgüter importiert, deren Produktion mit 80 Millionen Hektar mehr als das Doppelte der hiesigen Landesfläche in Anspruch nimmt.

Der Atlas war Anfang des Jahres unter anderem von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Nachhaltigkeitsinstitut IASS in Berlin vorgestellt worden. Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2015 zum "Internationalen Jahr des Bodens" ausgerufen.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wer raucht, schadet damit nicht nur der Lunge, sondern auch dem Zahnfleisch – das legt eine Potsdamer Langzeitstudie nahe. Die gute Nachricht: Bei Verzicht verringert sich das Risiko schnell.

14.09.2015
Wissen Niedersachsen über Bundesdurchschnitt - Jedes dritte Kind kommt per Kaiserschnitt

Obwohl die Weltgesundheitsorganisation eine Kaiserschnitt-Rate von nur etwa 15 Prozent für medizinisch angezeigt hält, liegt Niedersachsen mit 32,6 weiterhin knapp über dem Bundesdurchschnitt von 31,8 Prozent. Ob Kinder per Kaierschnitt zur Welt kommen, hängt auch vom Wohnort der Mutter ab.

14.09.2015
Wissen Bei extrem hohem CO2-Ausstoß - Schmilzt die antarktische Eisdecke komplett?

Bei extrem hohem CO2-Ausstoß könnte die antarktische Eisdecke komplett abschmelzen. Über einen Zeitraum von 10.000 Jahren kann die Antarktis eisfrei werden, wenn alle fossilen Ressourcen verfeuert werden. Der Meeresspiegel könnte insgesamt um 58 Meter steigen.

11.09.2015
Anzeige