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Havarie der „Costa Concordia“

Umweltschützer befürchten Öl-Katastrophe nach Schiffsunglück


Das Abpumpen von Öl aus den Tanks des vor der italienischen Insel Giglio havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" wird voraussichtlich mehrere Wochen dauern. Umweltschützer befürchten eine Katastrophe, wenn das Öl ins Meer fließen sollte.
Havarie der „Costa Concordia“: Die Unglücksstelle liegt mitten im Pelagos-Meeresschutzgebiet.

Havarie der „Costa Concordia“: Die Unglücksstelle liegt mitten im Pelagos-Meeresschutzgebiet.

© dpa

Giglio/Cuxhaven. Folgt auf das Schiffsunglück die Naturkatastrophe? Genau das befürchten Umweltschützer nach der Havarie der "Costa Concordia". Das Abpumpen von Öl aus den Tanks des vor der italienischen Insel Giglio havarierten Kreuzfahrtschiffes wird voraussichtlich mehrere Wochen dauern. Nach Angaben der Reederei sollen mindestens 1900 Tonnen Treibstoff an Bord sein, darunter Schweröl, sagte eine Sprecherin des Havariekommandos in Cuxhaven am Mittwoch. "Schweröl ist wie dicker, zähflüssiger Honig. Um es abzupumpen, muss es erst auf 45 bis 50 Grad erwärmt werden." Nach italienischen Quellen sind noch 2380 Tonnen Dieselölgemisch an Bord, über die Menge von Schweröl ist offiziell nichts bekannt.

Die Unglücksstelle liegt mitten im Pelagos-Meeresschutzgebiet. Umweltschützer befürchten eine Katastrophe, wenn das Öl ins Meer fließen sollte. „Sollte das Schiff abrutschen und die Tanks beschädigt werden, dann haben wir ein großes Problem", sagte der Greenpeace-Experte Kai Britt. Jochen Lamp, Leiter des WWF-Ostseebüros, ist besonders besorgt, da das Schiff mitten im wichtigsten Walschutzgebiet des Mittelmeers liege. "Da sind acht Walarten zu Hause", sagte Lamp, darunter Delfine, Pottwale und Finnwale. In dem Bereich befinde sich nicht nur das Hauptnahrungsgebiet der Wale, sondern auch ihre Kinderstube.

Natürlich steht im Moment die menschliche Tragödie im Mittelpunkt - da sind sich die Experten einig. Dennoch dürfe die giftige Ladung des Kreuzfahrtschiffes nicht außer Acht gelassen werden. "Schweröl ist hochgradig toxisch, es enthält sogenannte PAKs - Polyaromatische Kohlenwasserstoffe - die Krebs erzeugen", sagte Britt von Greenpeace. Schweröl ist ein Rückstand aus Ölraffinerien und damit quasi ein billiges Überbleibsel bei der Kraftstoffgewinnung. "Letztlich sind diese großen Schiffe nichts anderes als Müllverbrennungsanlagen auf See", so der Experte.

Experten von Greenpeace und dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) forderten am Dienstag ein Verbot von Schweröl als Schiffstreibstoff. Sollte tatsächlich Öl aus den Tanks der "Costa Concordia" austreten, würde es nicht nur die zahlreichen Wale bedrohen. Nach Angaben des Meeresschutzexperten Kim Detloff vom Nabu stelle das Öl eine tödliche Gefahr für zehntausende Meerestiere dar. Das Tyrrhenische Meer an Italiens Westküste zeichne sich durch eine hohe Artenvielfalt aus.

Die "Costa Concordia" hatte Freitagabend vor der Insel einen Felsen gerammt. Dabei kamen mindestens elf Menschen ums Leben.

dpa/r.

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