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10:48 15.04.2016
Vor allem in Industriestaaten bleiben benachteiligte Kinder deutlich hinter ihren Altersgenossen zurück. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Paris

Benachteiligte Kinder bleiben in den reichen Industriestaaten oft deutlich hinter ihren Altersgenossen zurück. Es gebe nur wenige Fortschritte beim Schließen der Kluft zwischen den untersten zehn Prozent der Kinder und denen aus der Mitte der Gesellschaft, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Unicef-Bericht. So habe sich die Lücke beim verfügbaren Haushaltseinkommen von 2008 bis 2013 in mehr als der Hälfte der Industriestaaten noch weiter vergrößert. Auch bei Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit sind die Unterschiede weiterhin deutlich.

"Ungleichheiten überlappen und verstärken sich gegenseitig", warnt das UN-Kinderhilfswerk. Und: "Soziale und wirtschaftliche Nachteile zu Beginn des Lebens erhöhen das Risiko niedrigen Einkommens, niedrigerer Gesundheitsstandards und geringerer Fähigkeiten im Erwachsenenleben."

Enttäuschende Veränderungen

Die Studie dreht die Diskussion um Ungleichheit gewissermaßen um. Anstatt zu fragen, wie weit die obersten zehn Prozent dem Rest voraus sind, schaut sie für jedes Kriterium, wie weit die Kinder mit den jeweils schlechtesten Werten hinter der gesellschaftlichen Mitte zurückliegen. "Einige Länder haben es geschafft, in einigen Bereichen große Fortschritte zu erzielen", sagte der Sozialwissenschaftler Stefan Kühner von der Universität York, einer der Autoren des Berichts. "Im Allgemeinen sind die Veränderungen aber ein bisschen enttäuschend."

In 19 von 41 Ländern haben die Haushalte der ärmsten Kinder weniger als die Hälfte des Einkommens von denen in der Mitte der Einkommensverteilung. "Das ist nach der Finanzkrise in vielen Staaten schlechter geworden", so Kühner. Dies trifft vor allem in südeuropäischen Krisenstaaten wie Griechenland zu.

In den lila eingefärbten Regierungsbezirken leben die ärmsten Kinder. Quelle: Sonderauswertung Mikrozensus 2014 IT.NRW, Berechnungen des WSI

Deutschland landet insgesamt im oberen Mittelfeld. Vor allem bei der Gesundheit sind die Unterschiede deutlich weniger ausgeprägt als in fast allen anderen Industriestaaten. Auch die Einkommensschere klafft weniger breit als in zwei Drittel der anderen Staaten und ist in den vergangenen Jahren recht stabil geblieben. Schlecht schneidet das Land in der Bildung und bei der subjektiven Lebenszufriedenheit ab: Hier sind die jeweils am stärksten benachteiligten Kinder weiter abgehängt als in vielen Vergleichsländern. Allerdings habe das Land bei der Lesekompetenz große Fortschritte gemacht.

Der Bericht fordert Regierungen auf, mehr für das Wohlbefinden aller Kinder zu tun, und dazu unter anderem das Einkommen der ärmsten Kinder mit Sozialtransfers zu sichern. Außerdem sollten Bildungschancen für benachteiligte Kinder verbessert werden - dies müsse nicht zwangsläufig zu einem allgemein sinkenden Bildungsniveau führen, heißt es unter Verweis Erfahrungen in Dänemark, Estland und Polen. Dort sei es gelungen, die Kluft zu verringern und gleichzeitig das allgemeine Leistungsniveau anzuheben.

Kinderungleichheit: So schneidet Deutschland ab

EINKOMMEN: Bei der Einkommensungleichheit unter Kindern liegt Deutschland im oberen Drittel: Platz 12 von 41 EU/OECD-Ländern - wobei weniger Ungleichheit einen höheren Rang bringt. Die Kluft zwischen den Einkommen der unteren zehn Prozent und dem mittleren Einkommen sei in Deutschland zwischen 2008 und 2013 relativ stabil geblieben, resümiert Unicef.

BILDUNG: Hier hat Deutschland Fortschritte, bei der Lesekompetenz konnte die Kluft zwischen den untersten zehn Prozent und dem Mittelwert beispielsweise deutlich reduziert werden. Im Vergleich liegt das Land aber weiter im unteren Drittel, Platz 28 von 37 Ländern.

LEBENSZUFRIEDENHEIT: Hier sind die Unterschiede in Deutschland besonders stark ausgeprägt. Die weniger zufriedene Hälfte aller Kinder ist im Schnitt 29,5 Prozent unzufriedener mit ihrem Leben als Kinder in der Mitte. Deutschland landet damit unter 35 Staaten auf Platz 29.

GESUNDHEIT: Seit 2002 sei die Kluft zwischen der unteren Hälfte und dem Mittelwert beim gesundheitlichen Wohlbefinden in Deutschland um 4,3 Prozentpunkte gewachsen, so Unicef. Insgesamt steht das Land aber noch vergleichsweise gut dar: Platz 2 von 35 Ländern, nur in Österreich ist die Kluft geringer.

ALLGEMEINE UNGLEICHHEIT: Über alle Kriterien hinweg hat Deutschland einen Platz im oberen Mittelfeld. Es teilt sich in einer Rangliste von 35 Ländern den 14. Platz mit Griechenland, Ungarn und England.

dpa

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