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13:13 09.10.2015
Der Stieglitz, frisch gekürter Vogel des Jahres 2016, gehört zu den farbenfrohesten seiner Art. Quelle: Patrick Seeger/dpa
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Berlin

Der auch Distelfink genannte Stieglitz steht für vielfältige und farbenfrohe Landschaften, denn er ernährt sich vornehmlich von den Samen zahlreicher verschiedener Blütenpflanzen, Gräsern und Bäumen. Bunte Landschaften mit ausreichend Nahrung gibt es jedoch immer weniger, daher ist der Bestand des Stieglitzes in Deutschland in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen.

"Allein in der Agrarlandschaft sind seit 1994 fast 90 Prozent aller Brachflächen mit ihrer heimischen Artenvielfalt verloren gegangen. Auch Randstreifen mit Blumen und Wildkräutern an Feldern und Wegen werden immer weniger und artenärmer. Für unseren Jahresvogel wird es in Deutschland inzwischen eng", sagte Nabu-Vizepräsident Helmut Opitz.

Um auf die Gefährdung ihrer Lebensräume und Art hinzuweisen, kürt der Nabu seit 1971 mit dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern den Vogel des Jahres. Die Aktion hat bereits Nachahmer gefunden - etwa in Österreich, der Schweiz, Südafrika und Neuseeland. Hier die deutschen Siegervögel der vergangenen zehn Jahre.

Wildnis am Straßenrand erhält Bestand

Es gebe viele Möglichkeiten, den Lebensraum des farbenfrohen Finken zu erhalten. Schon kleine unbelassene Ecken in Gärten, an Sport- und Spielplätzen, Schulen, Ackerflächen oder Straßenrändern trügen dazu bei. "Überregional kann nur eine Reform der bestehenden EU-Agrarverordnungen und -Förderinstrumente den Verlust landwirtschaftlicher Brachflächen stoppen. Aber auch in Städten und Gemeinden werden Konzepte benötigt, damit es mehr Wildnis am Straßenrand und auf grünen Flächen gibt", sagte der LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer.

Offizielle Schätzungen gehen derzeit von 305.000 bis 520.000 Brutpaaren in Deutschland aus. Knapp 60 Prozent des bundesweiten Bestandes leben im Siedlungsraum, die restlichen 40 Prozent in der Agrarlandschaft. Wie alle Vertreter der Gattung Carduelis haben auch Stieglitze eine schlanke Gestalt mit einer Körperlänge von zwölf bis 13 Zentimetern. Unverwechselbar leuchtet ihre rote Gesichtsmaske auf dem ansonsten weiß und schwarz gefärbten Kopf. Rücken und Brust sind hellbraun, Bauch und Bürzel weiß gefärbt. Markant ist auch die gelbe Flügelbinde an den ansonsten schwarzen Flügeln.

Schwarmvogel mit Tendenz zur WG

Ihr typischer Ruf brachte ihnen auch ihren deutschen Namen ein. Am häufigsten ertönt ein helles, zwei- bis dreisilbiges "didelit" oder "didlilit" oder eben "stiglit". Vor allem im Spätsommer und Herbst ist der Stieglitz oft auf Disteln, Kletten und Karden anzutreffen, aus denen er geschickt die Samen herauspickt. Dieser Vorliebe verdankt er auch den Zweitnamen Distelfink. Zudem sind Stieglitze überaus gesellig. Sie fliegen im Schwarm auf Nahrungssuche und leben selbst zur Brutzeit in lockeren "Wohngemeinschaften" mit anderen Paaren.

Gleichzeitig mit der Verkündung des "Vogel des Jahres" starten der Nabu und der LBV die Aktion "Bunte Meter für Deutschland". Ziel ist es, möglichst viele Meter wildkrautreicher Grünflächen als neue Lebensräume für den Stieglitz und andere Singvögel zu schaffen. Ob dabei Flächen mit Wildblumen neu eingesät werden, Brachflächen gerettet, Ackerrandstreifen angelegt werden oder ob Kommunen bei der Pflege von Straßenrändern auf Gift und ständiges Mähen verzichten - auf einer Deutschlandkarte sollen diese Entwicklungen und Projekte dokumentiert werden.

dpa

Toller Hecht

Esox lucius ist Fisch des Jahres 2016. Mit der Wahl des Hechts soll der Zusammenhang zwischen Natur- und Artenschutz verdeutlicht werden, wie mehrere Organisationen am Freitag in Berlin mitteilten. "Der Hecht ist beispielgebend für die vielen Fischarten, die zur Fortpflanzung auf intakte Ufer und Auenbereiche entlang der Gewässer angewiesen sind", betonte die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Beate Jessel.

Der bei Anglern beliebte Hecht besiedelt den Angaben zufolge stehende Gewässer vom kleinen Tümpel bis zum großen See - aber auch fließende Gewässer vom Oberlauf bis in die küstennahe Brackwasserregion. Auf seinem Speiseplan stehen neben Fröschen, kleinen Wasservögeln, Mäusen und anderen Fischen sogar die eigenen Artgenossen. Im Schnitt ist der Raubfisch zwischen 50 und 100 Zentimeter groß.

Zum "Fisch des Jahres" gekürt werden seit 1984 Arten, die wegen schädigender Einflüsse auf Gewässer oder aus anderen Gründen stark beeinträchtigt oder gar vom Aussterben bedroht sind. Trotz der weiten Verbreitung seien die Bestände des Hechts in vielen Gewässern gering. Naturschützer pochen daher darauf, Gewässer und Auen wieder in einen naturnahen Zustand zu bringen, damit der Hecht sich dorthin zurückziehen und seine Eier ablegen kann.

dpa

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