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Wissen Von wegen Festival mit Kids geht nicht
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16:15 09.08.2018
Tanzen bis in die späten Abendstunden: Dass auch der Festivalnachwuchs beim „A Summer’s Tale“ mit vor der Bühne rumturnt, ist kein ungewöhnlicher Anblick – sondern Standard. Quelle: Agnieszka Krus
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Luhmühlen

Die Sonne brennt gnadenlos – auf dem Zeltplatz vor den Toren des „A Summer’s Tale“-Festival in Luhmühlen herrscht bereits um die Mittagszeit gähnende Leere. Alle sind ausgeflogen angesichts der sengenden Hitze. Wie heiß es wohl erst in den Zelten sein mag? Doch nicht nur die Stille am Rand ist anders bei diesem Musikspektakel und gefühlten 40 Grad. Kleine Laufräder lehnen an den Zelten, hier und da steht ein Fahrradanhänger oder Buggy.

Rahmenprogramm für alle

Beim Sommermärchen in der Lüneburger Heide ist neben den erwachsenen Musikfans vor allem der Festivalnachwuchs willkommen. Und der, das wird beim Betreten des bezaubernd märchenhaften Geländes klar, lässt sich von der Hitze den Spaß nicht verderben. Kleine Nackedeis flitzen unter Rasensprengern entlang, die etwas größeren Kinder versuchen sich am Jonglieren, während aus dem unweit aufgebauten riesigen Zirkuszelt sanfte Musikklänge herüberwehen. Reichlich Programm für alle gibt’s hier schon nach dem Frühstück – wer Comfort-Camping gebucht hat, für den gibt es sogar ein Frühstücksbüfett.

Flucht vor der Hitze: Die wenigen Schattenplätze auf dem weitläufigen Festivalgelände sind stark frequentiert. Bollerwagen gehören hier (fast) zur Standardausstattung. Quelle: Agnieszka Krus

Anne und Julia aus Berlin haben es sich mit ihren Kindern und Männern in der Nähe der Waldbühne gemütlich gemacht. Denn, der Name verrät es, hier gibt es Schatten – und der ist rar. Alles was vor allem der Nachwuchs braucht, ist im Bollerwagen mit Sonnendach verstaut. Überhaupt sind Bollerwagen hier das Festivalaccessoire Nummer eins. Verpflegung, Leuchtspielzeug, Decken, Kopfhörer gegen die Lautstärke und, wenn es sein muss, auch ein gemütliches, kleines Bett bieten die praktischen Gefährte. Der Wagen von Anne und Julia ist besonders hübsch. Eine Discokugellichterkette baumelt vom Dach herab. Schnell wird klar, diese Familie muss – angesichts der professionellen Ausstattung – „Wiederholungstäter“ sein. Tatsächlich sind Anne und Julia mit ihren inzwischen drei Kindern plus einer Nichte bereits zum dritten Mal die gut 300 Kilometer lange Reise angetreten.

“Angenehm, sauber, familienfreundlich“

Von Jahr zu Jahr seien es immer mehr Familien bei diesem Festival geworden, erzählen sie. Und schaut man sich auf dem weitläufigen Gelände um, sind es in der Tat vor allem Eltern mit ihren Kindern, die hier die Szenerie bestimmen. „Es ist einfach angenehm, total sauber und familienfreundlich“, schwärmt Liviu, Annes Mann, der heute – trotz Hitze – zum zweiten Mal den „Familien-Kletterbaum“ auf dem Luhedeck geben wird. In wechselnden Workshops wie Yoga, Trommeln, Shiatsu oder Handstand können sich in dem großen, weißen Zelt sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder versuchen. Der Familienkletterbaum hat es Johanna (6), Frida (5) und Jano (3) besonders angetan. Das Konzept dahinter: Die Eltern sind der Baum und der Nachwuchs klettert munter auf ihnen herum. Ein weiteres Highlight mit Einbruch der Dunkelheit ist das „Leuchthaus“, so haben es die Kinder genannt. Was tagsüber ein unscheinbares Dasein als schlichte, weiße Hütte fristet, entfaltet bei Nacht seinen wahren Zauber, wenn die Kleinen (und Großen) mit ihren UV-Lampen das Häuschen zum Leuchten bringen.

Kurzweiliges Programm: In Workshops kann der Nachwuchs unter anderem hübsche Dinge aus Holz bauen, wie diesen Handyhalter mit Festival-Logo. Quelle: Agnieszka Krus

Doch hat das alles noch etwas mit Festival zu tun? Eines hat Anne bereits an Tag zwei festgestellt: „Je älter die Kinder werden, desto anspruchsvoller werden sie.“ Während sie im vergangenen Jahr noch den Takt vorgegeben hätten, sei in diesem Jahr schon der ein oder andere Kompromiss gefragt. Und natürlich müsse sich abends immer einer finden, der mit den Kindern zum Zeltplatz geht: „Immerhin sind die Bühnen so dicht dran, dass man auch dort die Bands noch gut hören kann“, sagt Anne. An der Lautstärke störe sich hier keiner, bis auf Einzelne, die mal aus den Nachbarzelten herüberzischeln, es möge doch bitte ein bisschen leiser sein. „Aber das weiß man ja vorher, was einen bei einem Festival erwartet“, sagt Julia, die schon früher, „vor den Kindern“, regelmäßiger Gast bei „Hurricane“ und „Summer Jam“ war.

Einziger Haken sind die Preise

Marie, mit einem halben Jahr die jüngste der Berliner Truppe, betrachtet das Spektakel mit Künstlern wie dem Singer-Songwriter Passenger oder der britischen Ska-Band Madness mit großen Augen und Lärmschutzkopfhörern auf den Ohren aus Mamas Bauchtrage heraus. „Ich bin total fasziniert, wie toll sie das mitmacht“, staunt Papa Ezard. Schräg schaut einen hier, weil man mit einem Baby zum Festival fährt, keiner an.

Festivalprofis: Mama Anne mit Tochter Frida (re.) aus Berlin. Im Bollerwagen ist alles, was es für den Festivaltag mit Nachwuchs braucht. Quelle: Agnieszka Krus

Überhaupt herrscht allerorten eine ausgesprochen friedliche Atmosphäre – von kleinen Zankereien um die dauerbesetzte Slackline und Gezeter angesichts unerfüllter Eiswünsche mal abgesehen. Elternalltag eben, der einen auch beim viertägigen Festival einholt. Einziger wirklicher Haken, findet Julia, sind die Preise für Verpflegung aller Art: „Da schlagen sie richtig zu.“

Langsam bricht die Dunkelheit herein. Das Festivalgelände ist durch unzählige bunte Lämpchen in warmes Licht getaucht. Und noch immer toben etliche Kinder vor den Bühnen herum, einige tanzen mit ihren Eltern vor der Hauptbühne, die gleich die schwedische Rockband Mando Diao entern wird. Die Stimmung ist friedlich. Liviu trägt Johanna inzwischen auf den Schultern. Jano hat es sich im Bollerwagen gemütlich gemacht. Und Marie lugt immer noch neugierig aus ihrer Bauchtrage hervor. Wir stellen fest: Festival mit Kindern ist anders, aber möglich. Wer einmal beim „A Summer’s Tale“ in Luhmühlen war, hat keinen Zweifel mehr daran. Oder um es mit Julias Worten zu sagen: „Für uns gehört es inzwischen fest zum Sommer dazu.“ Und überhaupt: Was wäre schon ein Märchen ganz ohne Kinder?

Das Rundum-sorglos-Paket

Beim „A Summer’s Tale“-Festival gibt es vieles, was das Festivalleben mit Kindern leichter macht. Neben Kindermenüs, Kindertoiletten und zahlreichen Aktivitäten für große und kleine Festivalgänger (ab sechs Jahren dürfen sie die Workshops allein besuchen) bekommt jedes Kind ein Armband, auf dem die Telefonnummer der Eltern eingetragen werden kann. Auch Lärmschutzkopfhörer sind vor Ort (gegen Gebühr) erhältlich und gehören zur festen Ausstattung. Im Kinderbereich darf weder Alkohol getrunken noch geraucht werden. Für Kinder unter sechs Jahren ist der Eintritt zum Festival frei. Für alle anderen gibt es Familienpakete, die je nach Unterkunft im Preis variieren.

Von Carolin Burchardt

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