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WHO erklärt globalen Gesundheitsnotstand

Zika-Virus WHO erklärt globalen Gesundheitsnotstand

Die WHO will sich nicht Untätigkeit vorwerfen lassen – so wie bei Ebola: Die UN-Organisation schlägt Alarm wegen des Zika-Virus, auch wenn noch wissenschaftliche Beweise fehlen.

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Die Gelbfiebermücke gilt als eine Überträgerin des Zika-Virus.

Quelle: EPA/Jeffrey Arguedas/dpa

Genf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Zika-Virus und seiner möglichen Verbindung zu Schädelfehlbildungen den globalen Gesundheitsnotstand erklärt. Zu diesem Schritt habe eine 18-köpfige Expertenrunde geraten, teilte die WHO am Montagabend in Genf mit. Es gebe eine starke räumliche und zeitliche Verbindung zwischen dem Virus und dem Auftreten von solchen Fehlbildungen (Mikrozephalie), sagte die WHO-Direktorin Margaret Chan. Es fehle aber noch der wissenschaftliche Beweis.

Was wissen Forscher über Zika? Fragen und Antworten zum Virus finden Sie hier.

"Wenn wir bis zum wissenschaftlichen Beweis warten, werden die Menschen uns Untätigkeit vorwerfen", sagte Chan. Die Ausrufung des Notfalls erleichtere das Bemühen, die Verbreitung des Virus zu bekämpfen. "Wir brauchen eine koordinierte internationale Antwort, um der Sache auf den Grund zu kommen", sagte Chan. Es gebe seit 2015 in Brasilien inzwischen 270 bestätigte Fälle, in denen Schwangere mit einem fehlgebildeten Kind zuvor an Zika erkrankt waren.

Das Virus trete inzwischen in 25 Ländern auf, teilte die WHO mit. Für Europa schätzt sie die Gefahr einer Übertragung aber als äußerst niedrig ein – wegen des Winters. Zwar gebe es Aedes-Mücken in mehreren europäischen Ländern. "Doch sind die derzeitigen klimatischen Verhältnisse für ihre Aktivität ungeeignet."

WHO: Kein Grund für Reisewarnung

"Zika hat sich ausgebreitet und die Frage ist, wird es sich weiter ausbreiten", sagte ein WHO-Experte zur Begründung des Notfalls. Das in seinem Verlauf eigentlich harmlose Virus allein hätte nicht diesen Alarm ausgelöst, aber die Häufung der Fälle, sagte der Vorsitzende des Notfall-Komitees, David L. Heymann. Zugleich betonte die WHO, dass es im Moment keinen Grund für allgemeine Reisewarnungen oder Beschränkungen im Handel gebe. Allerdings sollten Schwangere betroffene Länder meiden.

Zuletzt hatte die WHO im August 2014 wegen Ebola in Westafrika einen globalen Notstand erklärt. Davor hatte die WHO Kinderlähmung/Polio im selben Jahr als globalen Gesundheitsnotstand bezeichnet, 2009 die Verbreitung der Schweinegrippe. Bei dieser Notfallregelung können Staaten außerhalb der Seuchengebiete aufgefordert werden, Maßnahmen einzuleiten, die eine Ausbreitung des Erregers oder seines Überträgers verhindern sollen.

Angeblich steigt die Zahl der Abtreibungen

So solle nun intensiver gegen die Moskitos vorgegangen werden, die das Virus übertragen. Es müsse auch die internationale Überwachung von Schädelfehlbildungen standardisiert werden, hieß es. Die WHO will am Dienstag weitere Empfehlungen veröffentlichen.

Das Virus wird von der Moskitoart Aedes aegypti übertragen. Allein in Brasilien gibt es schon etwa 4180 Mikrozephalie-Verdachtsfälle. In dem Land gibt es jetzt verstärkt Abtreibungen, wie die Zeitung "Folha de São Paulo" berichtete. Sie zitierte mehrere Ärzte, bei denen Frauen um eine anonyme Abtreibung gebeten haben sollen. Einige Frauen würden erst gar nicht die Prognose abwarten, ob ihre Babys mit Mikrozephalie auf die Welt kommen würden, hieß es in dem Bericht

dpa/wer

Wie groß ist das Risiko in Deutschland?

Interview mit der Infektionsepidemiologin Christina Frank vom Robert Koch-Institut (RKI).

Frage: Die Weltgesundheitsorganisation WHO berät wegen des Zika-Virus über die Ausrufung eines globalen Gesundheitsnotstandes. Zu Recht?
Christina Frank: Ich finde es richtig, dass sich die WHO dazu beraten lässt. Voraussetzung für das Ausrufen des Gesundheitsnotstandes internationaler Tragweite ist ein unerwartetes Ereignis, was bei den aktuellen Zika-Virus-Ausbrüchen der Fall ist. Dann kommt es darauf an, wie hoch die Gefahr für eine interkontinentale Verbreitung eingeschätzt wird. Wichtig wäre auch, dass man einen Vorteil darin erkennt, das Vorgehen gegen das Virus international zu koordinieren.

Wie hoch schätzen Sie die Gefahr einer interkontinentalen Verbreitung ein? Gibt es eine Gefahr für Deutschland?
Es sieht danach aus, dass es in Afrika und Asien schon vorhanden ist. Dass es sich in den amerikanischen Ländern weiter ausbreiten wird, halte ich für wahrscheinlich. Wir können auch nicht ausschließen, dass es durch infizierte Reiserückkehrer und hier vorhandene Mücken punktuell auch Übertragungen in Deutschland gibt. Große Ausbrüche hier halten wir aber für sehr unwahrscheinlich, weil dafür das Klima in Deutschland ungünstig ist.

Im Zusammenhang mit Zika-Virus-Ausbrüchen werden gehäuft Hirnfehlbildungen (Mikrozephalie) bei Neugeborenen beobachtet. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus der Auslöser ist?
Es deutet einiges in diese Richtung. Was man noch gar nicht abschätzen kann, ist, ob noch Co-Faktoren vorhanden sein müssen. Das könnten zum Beispiel Antikörper gegen andere Viren sein, die zusammen mit dem Zika-Virus eine Mikrozephalie auslösen. Ebenfalls theoretisch möglich ist auch noch, dass das Zika-Virus gänzlich unschuldig ist, aber ein anderer Faktor, der im zeitlichen Zusammenhang mit Zika-Virus-Ausbrüchen auftritt der eigentliche Auslöser ist. Das könnte zum Beispiel ein Medikament sein. So oder so ist es aber sinnvoll, dass man trotz der bestehenden Unklarheit Schwangeren von Reisen in Ausbruchsgebiete abrät, denn man kann eben im Moment eine Rolle des Zika-Virus beim Entstehen der Mikrozephalie nicht ausschließen.

Interview: Antonia Lange, dpa

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