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14:34 09.08.2015
Die Bäume entwickeln sich mit den Umweltbedingungen mit. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Jena

Die Wälder Europas trotzen dem Klimawandel - zumindest bislang. Robuster als die Bäume sind aber die dazwischen wachsenden Sträucher, Kräuter und Gräser. „Daran wird sich wohl auch in den nächsten 40 Jahren wenig ändern“, prognostiziert der Makroökologe Ingolf Kühn von der Universität Halle-Wittenberg. Weil Bäume mit ihrem mächtigen Blätterdach viel Schatten werfen, heizten sich Wälder nicht so stark auf. Außerdem sei es dort wegen der Verdunstung von Wasser feuchter als andernorts. Deshalb macht sich nach Einschätzung von Kühn der Temperaturanstieg nicht so schnell bemerkbar.

Davon profitieren nicht zuletzt die bodennahen Pflanzen. Geht der Klimawandel also am Waldboden vorüber? Dieser Frage ging Markus Bernhardt-Römermann von der Universität Jena nach. Der Ökologe untersuchte mit einem internationalen Forscherteam 39 Standorte in 13 europäischen Ländern. Ergebnis: Die Pflanzenvielfalt in der Krautschicht hat sich im vergangenen Jahrzehnt nicht verändert.

Bernhardt-Römermann will seine Erkenntnis aber nicht pauschal als Entwarnung verstanden wissen: „Auf lokaler Ebene können Veränderungen durchaus gravierend sein.“ Es gebe durchaus Regionen, in denen die Artenvielfalt in den vergangenen Jahren deutlich gesunken sei. In anderen Gegenden habe sie dagegen zugenommen. Die Forscher haben dazu Daten aus 39 Laubwäldern zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten im Abstand von 17 bis 75 Jahren ausgewertet und in Beziehung zu Klima, Bewirtschaftung der Wälder, Stickstoffeintrag und Wilddichte gesetzt.

Klimaveränderungen riefen „insgesamt keine wesentliche Änderung der Diversität“ hervor, heißt im Fazit der Studie, die in der Fachzeitschrift „Global Change Biology“ publiziert wurde. Nach Einschätzung von Bernhardt-Römermann nehmen die Lichtverhältnisse,  der Ausstoß von Stickstoff und die Anzahl von Wildtieren größeren Einfluss auf die Krautschicht.

Stickstoff wird über die Luft in Waldgebiete transportiert. „Er stammt aus der Landwirtschaft, zum Beispiel von Mineraldünger, oder aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern“, so der Ökologe. Solche Stickstoffeinträge hätten seit Ende des Zweiten Weltkriegs zugenommen.

Zudem, so der Experte, sind die Baumkronen dichter bewachsen als noch vor Jahren - „sprich: es ist dunkler in unseren Wäldern geworden“. Dadurch ändere sich auch das Mikroklima am Waldboden. „Wenn es weniger Sonneneinstrahlung gibt, verdunstet das vorhandene Wasser weniger schnell, und die Pflanzen haben mehr und länger Wasser zur Verfügung“, so Bernhardt-Römermann. Die Wälder seien allerdings nicht immun gegen den Klimawandel, „die verstärkte Baumdeckung mildert diesen lediglich ab“.

Nach Einschätzung des Wissenschaftlers Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sind es insbesondere die Eingriffe des Menschen in die Natur, die zum Rückgang der Artenvielfalt führen. „Landnutzung ist und war hier bis heute immer der bei weitem wichtigste Faktor“, betont er. Daraus könne man aber nicht schließen, dass das Klima auch künftig ein geringerer Faktor sein wird.

„Der Klimawandel hat gerade erst begonnen und wird, wenn er nicht gebremst wird, eine vollkommen andere Qualität erreichen, als wir es heute kennen“, sagt der Wissenschaftler. Die Erdwärmung treffe die Natur großflächig. Es sei nicht zu erwarten, so Lucht, dass „die wunderbare Widerstandsfähigkeit der Natur, die uns immer wieder überrascht, dem Wandel der Zukunft beliebig gewachsen sein wird“.

dpa

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