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Der Plattwal

Tiere benutzen Dialekte Der Plattwal

Die Sprache der Pottwale ist faszinierend. Sie haben Dialekte auf Lager, die verschiedene Gruppen voneinander abgrenzen. Forscher haben nun Hinweise gefunden, wie diese Unterschiede entstehen.

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Leben ungern allein und lernen voneinander Dialekte: Pottwale.

Quelle: iStock

Lübeck. Jo kruzifix! So ein waschechter Bayer fühlt sich im Biergarten am wohlsten: In der einen Hand eine Maß Bier, in der anderen eine Brezel, kann er dort nach Herzenslust granteln oder jodeln, in Lederhosen und mit Filzhut, ganz unter seinesgleichen. Und die kleinen Bajuwaren im Kinderwagen hören gebannt zu und dürfen mit ihrem Fläschchen den Großen zuprosten. Echte Norddeutsche verstehen dann meist nur Bahnhof – sie sehnen sich nach Grog und Krabbenbrötchen, einer steifen Brise und einem lütten Klönschnack auf Platt.

Wer nun meint, solch landsmannschaftliche Eigenheiten seien eine rein menschliche Sache, der ist auf dem Holzweg. Auch Pottwal-Clans unterhalten sich in Dialekten – und grenzen sich so voneinander ab. Dies fanden Wissenschaftler der Universität Halifax in Kanada heraus. Statt im Biergarten forschten sie vor den Galapagos-Inseln. Die Meeressäuger jodeln nicht, sächseln nicht und reden kein Platt – ihr Klönschnack funktioniert mithilfe von Klick-Lauten.

Pottwale leben in größeren Gemeinschaften zusammen. Clans bestehen aus mehreren Walfamilien, denen wiederum mehrere Individuen angehören. Die unterschiedlichen Gruppen beherrschen jeweils ihre eigenen Kombinationen von Takt, Klangfarben und Tonhöhen.

18 Jahre lang untersuchten die Forscher diese Art der Kommunikation, jetzt präsentierten sie ihre Studie im amerikanischen Fachjournal "Nature Communications". Frei nach dem Motto "Gleich und Gleich gesellt sich gern" lernen Wale demnach ihre Lautfärbung oft von Tieren, die sich ähnlich wie sie verhalten, und tun sich dann mit ihnen zusammen.

Für den Informationsfluss innerhalb der Gruppen, die Bildung der Clans und ihren Zusammenhalt sind akustische Signale wichtig – so wie für den Bayern ein derber Fluch oder den Friesen ein Shanty. Nach Ansicht der Wal-Forscher entwickeln sich dabei komplexe Sozialstrukturen auf ähnliche Weise wie die unterschiedlichen Kulturen beim Menschen. Man kann also guten Gewissens behaupten: Wale, die in Gruppen gemeinsam durch die Weltmeere schwimmen, verstehen sich in der Regel außerordentlich gut.

Von Christian Risch

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