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Mittagsschlaf ist kein Zeichen für Faulheit

Forscher erklärt Mittagsschlaf ist kein Zeichen für Faulheit

Schlaf ist immer ein Thema. „Hast Du gut geschlafen?“ - das ist oft die erste Frage am Morgen. Der Stellenwert vom Schlaf sei kulturell oft ganz unterschiedlich, sagt der Regensburger Schlafforscher Jürgen Zulley. In Asien sei es selbstverständlich, tagsüber zu schlafen. In Deutschland gelte das eher als unproduktiv.

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Ist Mittagsschlaf ein Zeichen für Faulheit? Nein, sagt ein Schlafforscher.

Quelle: dpa/Archiv

Zur Person:

Jürgen Zulley (71) ist Professor für Biologische Psychologie an der Universität Regensburg. Bis zu seinem Ruhestand leitete er über Jahre das Schlafmedizinische Zentrum am Universitäts- und Bezirksklinikum Regensburg. Er steht der Sommerzeit kritisch gegenüber und fordert einen späteren Schulanfang.

Wie ist es um unseren Schlaf bestellt?
In Deutschland sind es ziemlich genau sieben Stunden, die wir schlafen - von 23.04 Uhr bis 6.18 Uhr mit einer Viertelstunde Einschlafzeit. Das haben wir in einer großen, repräsentativen Untersuchung festgestellt. Das ist eine Schlafdauer, die seit sehr langer Zeit üblich ist. Die Dauer sagt aber wenig über den Erholungswert des Schlafes.

Wann ist Schlaf erholsam?
Auf jeden Fall nicht, wenn man abends vor dem Einschlafen noch am Smartphone und dem Tablet herumspielt. Die Anspannung reduziert die Schlafqualität. Man braucht bestimmte Anteile von Schlafstadien in der Nacht. Erholung bekommt man nur im Tiefschlaf. Den hat man immer nur in den ersten vier bis fünf Stunden. Wir sollten auch möglichst wenig längere Unterbrechungen des Schlafes haben und die persönliche Schlafdauer einhalten. Die hat man erreicht, wenn man sich am Tag überwiegend fit und ausgeschlafen fühlt.

Wieso ist es wichtig, gut zu schlafen?
Schlaf ist ein aktiver Erholungsprozess. Nach außen sieht es zwar wie ein Ruhezustand aus, ist es aber nicht. Was die Hirnaktivität betrifft, sind wir im Schlaf teilweise wacher als im Wachzustand. Alle Prozesse, die für Regeneration sorgen, werden aktiviert. Nur im Tiefschlaf wird zum Beispiel ein Wachstumshormon ausgeschüttet, das für die Zellerneuerung und den Fettabbau sorgt. Und alles, was wir am Tag gelernt haben, wird in der Nacht abgespeichert.

Wer viel schläft, ist also gar nicht faul?
Das ist genau der große Irrtum. Gesunder Schlaf ist Voraussetzung für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Bei uns gilt Schlaf oft als etwas Negatives. Die Einstellung ändert sich aber langsam. Vor 30, 40 Jahren galt man noch als Penner, wenn man am Tage schlief. Der eigentlich wichtige Mittagsschlaf galt als unproduktiv. Im Zuge eines verstärkten Gesundheitsbewusstseins erhält Schlaf zunehmend einen anderen Stellenwert.

Können Apps und Schlafmessgeräte unseren Schlaf optimieren?
Damit misst man nicht den Schlaf, sondern Bewegung. Daraus kann man nur grob schlussfolgern, wie lange und wie gut man geschlafen hat. Das Gerät kann nicht unterscheiden, ob man ruhig wach im Bett liegt oder sich im Tiefschlaf befindet. Ich halte diesen Hype für kontraproduktiv. Wir wissen, dass eine Fixierung auf den Schlaf - wozu das ständige Kontrollieren führt - das Risiko für Schlafstörungen erhöht. Und seinen Schlaf kann man mit den Aufzeichnungen auch gar nicht verbessern.

dpa

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