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Wie gesund ist Soja wirklich?

Milchersatzprodukt Wie gesund ist Soja wirklich?

Soja erhöht das Brustkrebsrisiko – das vermuten wissenschaftliche Studien. Aber stimmt das wirklich? Was sie über das Milchersatzprodukt wissen müssen und woran sie gutes Soja erkennen, lesen Sie hier.

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Soja liefert hochwertiges Eiweiß, ohne die ungesunden, gesättigten Fettsäuren, die in tierischen Produkten enthalten sind.

Quelle: dpa

In nur sechs Jahren hat sich die Zahl der Deutschen nahezu verdoppelt, die regelmäßig einmal pro Woche Tofu oder Milchersatzprodukte wie Soja-Joghurt essen. Kein Wunder: Soja liefert hochwertiges Eiweiß, ohne die ungesunden, gesättigten Fettsäuren, die in tierischen Produkten enthalten sind. Außerdem ist es eine ethisch korrekte Alternative zu Fleisch aus Massentierhaltung. Und auch fürs Klima ist Soja besser: Würde man in Deutschland alles Hackfleisch durch Sojafleisch ersetzen, könnte man nach Berechnungen von Greenpeace Österreich so viel CO2 vermeiden, wie vier bis sieben Millionen Autos im Jahr verursachen.

Soja aus Brasilien – muss das sein?

Aber wo kommt unser Soja eigentlich her? Und ist der Anbau wirklich umweltfreundlich? Die weltweit größten Produzenten von Soja sind die USA, Argentinien und Brasilien. Das Problem: Für den Sojaanbau werden vielfach wertvolle Wälder und Savannen vernichtet. Die riesigen Sojafelder der Agrarbetriebe in Südamerika entsprechen mittlerweile der Größe der gesamten Europäischen Union. Muss jetzt noch mehr Regenwald abgeholzt werden, weil wir in Deutschland neuerdings so gern Soja essen? Nein. Zunächst einmal ist der Anteil an Soja, den wir direkt verzehren, vergleichsweise gering. Von den rund 280 Millionen Tonnen, die pro Jahr weltweit geerntet werden, werden nur rund 20 Prozent zu Lebensmitteln verarbeitet. Der überwiegende Teil wird als Schrot an Rinder, Schweine und Geflügel verfüttert. Meist Gen-Soja – beim Tierfutter merkt das ja niemand.

Nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF werden in Südamerika inzwischen zu rund 80 Prozent genveränderte Sojapflanzen angebaut. Diese sind immun gegen das Totalherbizid, das auf die Felder gespritzt wird und das alle anderen Pflanzen vernichtet. In Deutschland und Europa ist zwar der Anbau von Gen-Soja verboten, nicht aber die Einfuhr. Die Folge: Nach WWF-Schätzungen sind 85 Prozent des nach Deutschland importierten Sojas genverändert. Wer auf Tofu & Co. statt auf Fleisch setzt, ist beim Thema Gen-Soja allerdings fein raus. Denn: Lebensmittel, die aus Soja hergestellt werden, sind in Deutschland gentechnikfrei. Warum? Enthält ein Lebensmittel Gen-Pflanzen, muss das laut Gesetz auf der Verpackung stehen. Da ein solches Produkt kaum gekauft würde, wird es gar nicht erst angeboten.

Tatsächlich kommt das gentechnikfreie Soja für Tofu und Sojadrinks überwiegend aus Europa, teilweise auch aus Übersee, zum Beispiel aus Kanada. Für den Anbau werden also keine Regenwälder abgeholzt. Am besten für die Umwelt wäre es, Soja vor der Haustür anzubauen, wie es in Süddeutschland vereinzelt schon geschieht. Derzeit produzieren wir allerdings nur einen kleinen Teil unseres Sojabedarfs selbst. Einer der Gründe: Soja ist eine wärmeliebende Pflanze. In den meisten Gegenden in Deutschland ist es für den Sojaanbau schlicht zu kalt. Doch es gibt mittlerweile verschiedene Projekte, um den Anbau hierzulande zu fördern und Sorten zu entwickeln, die für unser Klima geeignet sind.

Welche Wirkung haben die pflanzlichen Hormone im Soja?

Soja enthält pflanzliche Hormone, die sogenannten Isoflavone. Und von denen hört man in letzter Zeit nicht nur Gutes. Jahrelang wurden Soja-Isoflavone als natürliche Alternative bei Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Schlafstörungen propagiert. Sie sollten dem abfallenden Hormonspiegel entgegenwirken. Tatsächlich haben pflanzliche Hormone eine schwache hormonelle Wirkung auf den Menschen. Doch Studien legen den Verdacht nahe, dass pflanzliche Hormone, ebenso wie synthetische, das Brustkrebsrisiko erhöhen könnten.
Was für Tofu-Fans entscheidend ist: Bei den Studien ging es um hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel aus der Apotheke und nicht um ein paar Tofuwürfel im Curry. Eine Ernährung mit Sojaprodukten ist also unproblematisch. Ohnehin stecken pflanzliche Hormone auch in anderen Lebensmitteln wie Leinsamen, Sesam, Kichererbsen oder Hopfen. Lediglich von Säuglingsnahrung auf Sojabasis wird abgeraten, da Babys damit, bezogen auf ihr Körpergewicht, sehr große Sojamengen zu sich nehmen.

Und was hat es mit Behauptungen auf sich, pflanzliche Hormone könnten bei Männern eine Verweiblichung bewirken? Oder die Fruchtbarkeit beeinträchtigen?

Studien, in denen Teilnehmer bis zu sechs Portionen Soja am Tag aßen, geben auch hier Entwarnung. Zudem gibt es in asiatischen Ländern, in denen Soja-Lebensmittel zur täglichen Nahrung gehören, keinerlei Anzeichen für hormonelle Störungen bei Männern.

Müssen Allergiker ihren Konsum einschränken?

Tatsächlich problematisch kann Soja für Menschen mit einer Soja-Allergie werden. Experten schätzen, dass etwa drei bis fünf Prozent der Deutschen eine Sensibilisierung gegen Soja aufweisen, aus der sich eine Allergie entwickeln kann. Ähnlich wie es auch bei Obst, Gemüse oder Nüssen der Fall ist. Besonders betroffen sind Birkenpollen-Allergiker, die häufig eine Kreuzallergie gegen Soja entwickeln. Sie müssen vor allem bei Diätdrinks auf Sojabasis und Sojadrinks aufpassen, da sie dabei in kurzer Zeit eine relativ große Menge des potenziellen Allergens zu sich nehmen. Im Zweifelsfall also lieber einen Allergietest machen.

Ernährungswissenschaftler raten: Wer mehr pflanzliches Eiweiß zu sich nehmen möchte – zum Beispiel Sportler oder Abnehmwillige, die den sättigenden Effekt schätzen – kann auch auf andere Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen, Kichererbsen und Linsen zurückgreifen oder auf Vollkornprodukte und Vollgetreide wie Hirse oder Amarant.

Kuriose Soja-Fakten

Wie viel Soja essen Asiaten?

Spitzenreiter in Sachen Soja-Konsum sind die Japaner. Sie nehmen pro Tag gut 8 Gramm Soja-Protein zu sich. Das entspricht etwa 100 Gramm Tofu. Die Chinesen essen weniger als die Hälfte davon.
Wer hat die Sojawurst erfunden?

Es war keineswegs ein ambitionierter Vegetarier, wie man glauben könnte, sondern der erste Kanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer. Der CDU-Politiker war während des Ersten Weltkrieges für die Nahrungsmittelversorgung Kölns zuständig. Da Fleisch knapp und teuer war, versuchte Adenauer den Menschen Pflanzeneiweiß in Wurstform schmackhaft zu machen.

Von Monika Herbst

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