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10:58 24.02.2018
Per Wasseranalyse wird auch der ph-Wert und die Härte des Wassers bestimmt.   Quelle: dpa
Hannover

 Leitungswasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland – jedenfalls bis zur Grundstücksgrenze. Denn ab dem Hausanschluss sind die Eigentümer und Vermieter für die Wasserleitungen verantwortlich. Wenn die Rohre im Haus veraltet sind, können Schwermetalle wie Blei und Kupfer in das Leitungswasser gelangen – vor allem für Schwangere, Kinder und Kranke kann das Trinkwasser so zur Gesundheitsgefahr werden. Kommerzielle Wassertests werben damit, Giftstoffe im Trinkwasser ausfindig zu machen.

Was für Tests gibt es?

Im Internet werden etliche Leitungswassertests von verschiedenen Firmen angeboten. Kunden können sich meist entscheiden, ob sie eine chemische Wasseranalyse durchführen oder ihr Wasser zusätzlich mikrobiologisch untersuchen lassen wollen – also etwa auf E. coli und andere Bakterien. Für unsere Stichprobe haben wir zwei rein chemische Tests ausgewählt. Der Raiffeisen-Laborservice bietet einen solchen Test für 39,90 Euro an. Er enthält 25 chemische Untersuchungen (pH-Wert, Leitfähigkeit, Trübung, Gesamthärte, Nitrat, Chlorid, Phosphat, Calcium, Kalium, Magnesium, Natrium, Strontium, Aluminium, Arsen, Bor, Barium, Cadmium, Chrom, Kupfer, Eisen, Mangan, Nickel, Blei, Uran und Zink). Der chemische Wassertest von test-wasser.de kostet 53,70 Euro und untersucht die Metalle Aluminium, Blei, Chrom, Kupfer, Mangan, Nickel, Eisen und Zink sowie die Mineralstoffe Nitrat, Nitrit, Magnesium, Calcium, Kalium, Natrium, Phosphor, Sulfat und die Wasserhärte.

Wie funktionieren die Tests?

Recht unkompliziert. Nach der Bestellung im Internet bekommen die Kunden per Post ein Probenentnahmegefäß und eine Anleitung zugeschickt. In unserem Fall waren die Sets bei beiden Anbietern innerhalb weniger Tage da. Die Plastikröhrchen müssen randvoll mit Wasser gefüllt werden, das vor der Entnahme mindestens vier Stunden in der Leitung gestanden hat. Die Kunden müssen außerdem einen kurzen Auftragsbogen ausfüllen und unterschreiben. Anschließend werden die Proben per Post zurück an die Labore geschickt. Dafür fällt zusätzlich Porto an. Die Anbieter empfehlen einen Versand in der ersten Wochenhälfte, damit die Proben möglichst schnell ankommen.

Was ist dabei herausgekommen?

Das Ergebnis des Raiffeisen-Laborservices kam schon nach vier Tagen per E-Mail, das Ergebnis von test-wasser.de nach zehn Tagen. Der Raiffeisen-Laborservice listet die jeweiligen chemischen Stoffe übersichtlich in Tabellenform auf, neben jedem Wert stehen die gemessenen Werte sowie die Grenzwerte laut Trinkwasserverordnung. Außerdem ist eine Beurteilung aufgeführt – in unserem Fall war in jedem Feld ein „unbedenklich“ vermerkt.

Test-wasser.de stellt die Messwerte anschaulich grafisch dar. In einem Balkendiagramm wird für jeden chemischen Stoff das Ergebnis des Leitungswassertests mit dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung und den Empfehlungswerten der Weltgesundheitsorganisation verglichen. Das verschafft dem Kunden einen guten Überblick. Außerdem wird in einem kurzen Text erklärt, welche gesundheitlichen Auswirkungen die Stoffe haben.

Für wen ist ein Leitungswassertest sinnvoll?

Vor allem für Mieter in Altbauten. Bleileitungen wurden in Westdeutschland bis zum Jahr 1973 verbaut – in der damaligen DDR zum Teil noch bis 1989. Wer in neueren Häusern lebt, braucht sich über Blei im Trinkwasser also keine Sorgen zu machen. Kupferleitungen werden immer noch häufig verwendet. Bei besonders hartem Wasser (pH-Wert unter sieben) kann sich das Kupfer aus den Leitungen lösen und ins Wasser übergehen. Das ist aber in weniger als zehn Prozent der Haushalte der Fall.

Müssen Vermieter Bleirohre nicht längst ausgetauscht haben?

Eigentlich schon. Seit Ende 2013 sind Vermieter laut Trinkwasserverordnung verpflichtet, den Bewohnern Wasser mit einem Bleigehalt unter 0,01 Milligramm zur Verfügungs zu stellen. Bei Kupfer liegt der Grenzwert bei zwei Milligramm pro Liter. Diese Werte können mit Bleileitungen kaum erreicht werden. Sind dennoch welche im Haus verbaut, muss der Eigentümer seine Mieter schriftlich oder per Aushang darüber informieren. Dennoch kann es vorkommen, dass Vermieter ihren Mietern die Bleirohre – wissentlich oder unwissentlich – verschweigen. In diesen Fällen gibt eine Wasseranalyse Aufklärung. Mieter können Bleileitungen unter Umständen aber auch an ihrer dunkelgrauen Farbe erkennen. Die Verbindungen zu abzweigenden Leitungen sind nicht gelötet, sondern sehen aus wie aufgestülpt. Sind die Rohre angestrichen, können Mieter die Farbe mit einem Messer oder einer Münze an einer Stelle abkratzen. Glänzt es danach silbern, ist das Rohr meist aus Blei.

Wie sollte man sich verhalten, wenn der Test erhöhte Werte anzeigt?

Wenn der Blei- oder der Kupfergehalt über dem gesetzlichen Grenzwert liegt, habe der Mieter Anspruch darauf, dass die alten Rohre ausgetauscht werden, sagt Dietmar Wall vom Deutschen Mieterbund. „Mieter sollten dem Eigentümer eine Frist setzen. Innerhalb von 14 Tagen sollte das Problem zumindest in Angriff genommen werden.“ Wenn der Vermieter sich nicht rührt, könnten Mieter auch einen Anwalt einschalten. Außerdem sei es sinnvoll, das Gesundheitsamt über die erhöhten Werte zu informieren, sagt Wall. Bis die Rohre erneuert wurden, sollten Bewohner das Leitungswasser vorsichtshalber nicht mehr nutzen oder es vorher zumindest einige Minuten ablaufen lassen. Außerdem seien Bleileitungen ein Grund zur Mietminderung. „Je nach gemessenem Wert sind fünf bis zehn Prozent Mietminderung gerechtfertigt“, sagt Wall.

Von Anne Grüneberg/RND

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