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09:01 12.05.2018
Vertrauenswürdig oder nicht? Gesundheits-Apps fürs Smartphone werden immer beliebter – ihr medizinischer Nutzen allerdings ist äußerst umstritten. Quelle: iStockphoto
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Sie haben so handfeste Namen wie „Herzfrequenz Plus“ oder „Blutdruckdaten“, mitunter kommen sie aber auch etwas persönlicher daher, so wie „Ada – deine Gesundheitshelferin“. Und sie haben alle eines gemeinsam: den Körper rund um die Uhr im Blick. 2016 wurde die Untersuchung „Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps“ veröffentlicht, beauftragt hatte sie das Bundesgesundheitsministerium. Ihr Ergebnis: Experten sahen zwar theoretisch durchaus Chancen in der Anwendung der Apps. Doch bei allen, die bislang bekannt waren, fehlte bislang ein Nachweis des Nutzens.

Hersteller versprechen medizinischen Nutzen

„Den Nutzen von Gesundheits- und Wellness-Apps sollte man nicht überbewerten“, sagt auch Klaus Koch vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Denn der sei wissenschaftlich meist nicht belegt. Allerdings seien auch längst nicht alle Gesundheitsratgeber wissenschaftlich, die es zum Beispiel in Buchform im Handel gibt. Anstatt dagegen vorzugehen, geht das IQWIG lieber mit gutem Beispiel voran: In die kostenlose neue App Medbusters sind wissenschaftsbasierte Gesundheitsinformationen des IQWIG eingeflossen.

Für Koch wird es vor allem dann kritisch, wenn die App-Hersteller selbst einen medizinischen Nutzen ihrer Anwendungen versprechen: „Der Nutzen muss dann auch bewiesen sein.“ Erst recht gelte das, wenn Apps vom Arzt oder der Krankenkasse empfohlen oder sogar bezahlt werden. „Dann müssten meiner Meinung nach die gleichen Anforderungen gelten wie für andere Behandlungen, die Kassenleistung sind“, sagt Koch. Das heißt, die Apps sollten erwiesenermaßen medizinisch sinnvoll sein – laut Kochs Einschätzung ist das nicht immer so. Die offizielle Einstufung einiger Apps als „Medizinprodukt“, die es heute schon gibt, sei in dieser Hinsicht unzureichend. Sie besagt im Grunde nur, dass von den Apps keine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit ausgeht.

Was passiert mit den gesammelten Daten?

Gesundheits-Apps können noch aus einem weiteren Grund problematisch sein: Fast alle sammeln Informationen über ihre Nutzer, die für die App-Funktionen meist gar nicht benötigt werden. Und darüber, was mit ihnen geschieht, hat man fast keine Kontrolle, warnt Dieter Kugelmann, der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit von Rheinland-Pfalz. Die Datensammelwut der App-Anbieter habe fast immer den gleichen Grund: „Es geht darum, ein Profil des Nutzers herauszuarbeiten, um mit ihm Geschäfte machen zu können.“ Die simpelste Art ist, gezielte Werbung auf das Smartphone oder andere Geräte zu schicken. Doch der Missbrauch der Daten kann noch weitaus unangenehmere Züge annehmen. Etwa wenn Fitnessdaten heimlich an private Krankenversicherer weiterverkauft werden. Diese könnten dann unsportlichen Versicherten schlechtere Tarife anbieten.

Gesetzliche Krankenkassen dürften ihren Versicherten zwar keine unfairen Tarife anbieten, sagt Kugelmann. Aber auch sie könnten es von Gesundheitsinformationen abhängig machen, wem sie einen Bonus anbieten oder welche Leistungen sie im Einzelfall genehmigen. Darüber sollte sich auch jeder bewusst sein, der freiwillig an Programmen der Krankenkassen teilnimmt, bei denen Daten erhoben werden.

Problemfall Datenhandel

Äußerst unangenehm kann es auch werden, wenn Arbeitgeber von Apps gesammelte Daten kaufen – und so von der geplanten Schwangerschaft, einem psychischen Leiden oder einer HIV-Erkrankung ihrer Angestellten erfahren. Und selbst wenn der Datenhandel nach deutschem Recht illegal sei, nutze das den App-Nutzern wenig, wenn die Verantwortlichen in San Francisco sitzen.

Weitere negative Folgen drohen zum Beispiel auf Reisen, sagt Kugelmann. So kontrollieren die amerikanischen Einwanderungsbehörden gern die elektronischen Geräte von USA-Besuchern.

Nicht nur auf den Preis achten

Beim Datenschutz sei es noch wichtig zu unterscheiden, ob es sich um Wellness- oder Fitness-Apps handelt, sagt der Landesbeauftragte. Hier sammeln die Hersteller zwar auch Daten, doch sind sie meist weniger brisant. In dem Fall könne es vielleicht noch genügen, wenn der Nutzer über ihre Verwendung aufgeklärt wird und ihr zustimmt, findet Kugelmann. „Bei Apps hingegen, die im Rahmen von Diagnose und Therapie eingesetzt werden, ist ein besonderer Schutz der hochsensiblen Daten erforderlich.“

Kugelmann fordert eine Art TÜV für medizinische Apps. Denkbar wäre ein Gütesiegel, das nicht nur für den medizinischen Nutzen, sondern gleichzeitig für einen vernünftigen Daten- und Verbraucherschutz garantiert.

Apps äußerst vorsichtig nutzen

Vorerst sollten Nutzer also vorsichtig mit Gesundheits-Apps umgehen. „Man sollte etwa nicht nur auf den Preis achten – im Zweifelsfall bezahlt man günstige Apps mit seinen Daten.“ Stattdessen sollte man bei vergleichbaren Angeboten das wählen, das die wenigsten Zugriffsberechtigungen einfordert. “Außerdem sollte erkennbar sein, zu welchem Zweck meine Daten gesammelt werden und was mit ihnen passiert.“ Doch das ist leicht gesagt: Im Frühjahr 2017 hatte ein Team der Verbraucherzentrale NRW Fitness-Apps und -Armbänder und Smartwatches untersucht. Dabei kam heraus, dass es für Nutzer nahezu unmöglich ist, die Kontrolle über ihre Daten zu behalten. Drei Viertel der Apps sendeten Nutzerdaten weiter an „Drittanbieter,“ wie zum Beispiel Werbetreibende. Und kaum einer der Anbieter informierte seine Nutzer ausreichend darüber.

Nicht zuletzt sollte man sich fragen, ob eine App wirklich hilft und die Preisgabe persönlicher Daten es wert ist oder ob es sich nur um eine Spielerei handelt. „Die Verantwortung liegt da immer auch bei mir selbst“, sagt Kugelmann.

Von Irene Habich/RND

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