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Wissenschaftler richten Wunschliste an Wulff

Zu wenig Anreize Wissenschaftler richten Wunschliste an Wulff

Die Ressource kluge Köpfe wird zur heiß begehrten Mangelware in Deutschland. Hunderttausende Euro fließen in die Ausbildung deutscher Wissenschaftler - die dann das Land verlassen. Wer zurück will, stößt seit Jahren auf Hindernisse. Jetzt soll der Bundespräsident helfen.

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Aus Sicht deutscher Wissenschaftler im Ausland tut ihre Heimat zu wenig, damit sie zurückkehren. Christian Wulff soll helfen.

Quelle: dpa

Berlin. Die unzähligen Appelle, Bitten und Vorschläge fruchten einfach nicht. Aus Sicht deutscher Wissenschaftler im Ausland tut ihre Heimat zu wenig, damit sie zurückkehren. Zwar gibt es einige Fortschritte, viele bereits benannte Hürden bleiben aber seit Jahren unverändert stehen. Jetzt haben sich 100 Akademiker, die gerne nach Deutschland zurückkehren wollen, mit einer Wunschliste an Bundespräsident Christian Wulff gewandt. „Deutschland ist definitiv auf dem richtigen Weg“, schreiben darin stellvertretend Katrin Arnold und Eva-Jasmin Freyschmidt von der Harvard Medical School in Boston mit Blick etwa auf Exzellenzinitiativen und Juniorprofessuren.

Es folgt eine Reihe von Reformvorschlägen, die per se nicht neu sind: weniger Bürokratie und Hierarchie, mehr Geld und Flexibilität. Reine Lehrstellen sollen aufgebaut, gesetzliche Barrieren wie etwa bei der Stammzellenforschung weggeräumt werden. Außerdem hapert es an der Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. „Perspektive bedeutet für uns auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, sagen Arnold und Freyschmidt.

Einige der Wissenschaftler berichten darüber hinaus, abgelehnte Bewerbungen hätten ihre Rückkehrversuche gebremst. Gründe für die Absagen? „Bedenken bezüglich der kulturellen Anpassung“, gaben sie bei einer Umfrage an. Oder: „Mangel an Netzwerken in Deutschland.“ Denn viele Stellen würden über persönliche Kontakte vergeben. Manchen Wissenschaftlern scheint es, als herrsche an den Hochschulen wie auch in der Industrie eine „Angst vor zu viel frischem Wind und der Unglaube, dass man nach mehreren Jahren im Ausland überhaupt noch in ein deutsches System passe“.

Ein teurer Verzicht für Deutschland: Hierzulande werden etwa in die Ausbildung eines Facharztes rund 400 000 Euro gesteckt. „Durch seine dauerhafte Auswanderung ins Ausland entgehen dem Staat zudem Einnahmen von zirka 600 000 Euro“, rechnet Sabine Jung von der German Scholar Organization (GSO) vor. In dem Netzwerk organisieren sich ähnlich wie bei der Initiative GAIN (German Academic International Network) deutsche Hochqualifizierte, die ausgewandert sind.

Wie viele diesen Schritt insgesamt gegangen sind, wird nirgends erfasst. Schätzungen zufolge haben zuletzt jährlich rund 80 000 bis 100 000 deutsche Akademiker das Land verlassen; nicht alle gingen in die Forschung. Zum Vergleich: Nach einer im Mai veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung McKinsey fehlen bis 2025 in Deutschland bis zu 6,5 Millionen Arbeitskräfte, darunter rund 2,4 Millionen Akademiker.

Als Unterstützung bietet etwa der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) bis zu sechs Monate lange Rückkehrstipendien. Für promovierte Wissenschaftler gibt es je nach Alter monatlich zwischen 1365 und 1518 Euro. Andere Möglichkeiten kommen von Stiftungen, Instituten und wissenschaftlichen Gesellschaften. Freyschmidt und Arnold beklagen jedoch: „Meist ist unklar, wie es nach der Erstförderung weiter geht.“

Laut Jung gibt es im Bereich Wissenschaft eine ganze Reihe guter Maßnahmen, um auf die Abwanderung kluger Köpfe zu reagieren. „Die deutsche Wirtschaft dagegen hat dem Thema bislang zu wenig Beachtung geschenkt. Die Zielgruppe des ausgewanderten Deutschen ist ein von den meisten Unternehmen bislang vernachlässigter Talentpool.“

Und der Bundespräsident? Christian Wulff sagt: „Wir müssen es auch schaffen, unserem wissenschaftlichen Nachwuchs hier eine Perspektive zu bieten - auch denen, die eine Zeit lang ins Ausland gegangen sind.“ Interessant sei, dass die meisten Wünsche nur wenig oder gar kein zusätzliches Geld kosten würden. „Ich hoffe, dass wir zu vielen von Ihnen bald sagen können: „Willkommen zurück!““

dpa

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