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Wissen Zärtlichkeit und Sex: Jugendliche in der Pubertät
Nachrichten Wissen Zärtlichkeit und Sex: Jugendliche in der Pubertät
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16:51 15.11.2018
Zum Thema Pubertät und Sex haben Jugendliche viele Fragen. Die BKE bietet für sie eine Online-Beratung an. Quelle: Photodisc/iStock

Wer meldet sich bei Ihnen in der
Beratungsstelle der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE)
?

Wir beraten Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren – sowie Eltern.

Bei welchen Themen helfen Sie online?

Bei dem Themenbereich „Der Feind in meinem Bett“ etwa geht es um Probleme mit dem eigenen Gewicht, bei „Only for Girls“ geht es oftmals um Sex und Gewalt. Auch bei dem Jungs-Chat geht es um diese Themen, oft auch um Missbrauch. Ein anderer Chat beschäftigt sich mit selbstverletzendem Verhalten. Und ein weiterer Bereich beschäftigt sich mit dem Thema: „Kaninchen vor der Schlange – wenn die Angst kommt“. Das sind nur einige von vielen Chat-Themen.

Wie funktioniert die Online-Beratung?

Anfragen für eine Einzelberatung werden wie eine E-Mail in einem geschützten eigenen Bereich gestellt und innerhalb von 48 Stunden beantwortet. Mit der Antwort bekommt der Jugendliche einen festen Berater, der ihm dann so lange zur Seite steht, wie er ihn braucht. Daneben gibt es auch einen Themen-Chat, sowie ein offenes Forum, das man sich wie ein Schwarzes Brett vorstellen kann. Auch das wird moderiert. Daneben gibt es auch eine Einzel-Chat-Beratung.

Online-Beratung für Jugendliche

Der Sozialpädagoge Ulric Ritzer-Sachs arbeitet seit zehn Jahren in der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE), dem Fachverband der Familien- und Erziehungsberatungsstellen in Deutschland. Die BKE bietet professionelle Beratungsangebote über das Internet an. Die Online-Beratung ist wie die Beratung in den Erziehungs- und Familienberatungsstellen kostenfrei und zusätzlich anonym. Jugendliche finden unter www.bke-jugendberatung.de Chat- und Beratungsmöglichkeiten. Außerdem gibt es bestimmte Themen-Chats mit ausgewiesenen Beratern. Auch Eltern bekommen Antworten von Experten bei Fragen und Problemen rund um das Thema Erziehung: www.bke-etlernberatung.de.

Sex und Pornos: Jugendliche und ihre Erfahrungen

Wie gehen Jugendliche mit dem Thema Sex um?

Jungs stellen häufiger technische Fragen, es ist fast ein bisschen wie bei Dr. Sommer damals in der „Bravo“. Mädchen hingegen sind weniger an Wissensfragen in Bezug auf Sexualität interessiert. Bei ihnen geht es eher darum, wie sie sich gegen Übergriffe schützen können. Sie fühlen sich häufiger überrollt.

Haben Internet-Plattformen, die kostenlos und frei zugänglich Porno-Szenen zeigen, einen Einfluss auf das Rollenverhalten der Jugendlichen beim Sex?

Den meisten Jugendlichen ist klar, dass das nicht echt ist, sie können gut zwischen Realität und diesen Szenen unterscheiden. Mädchen gucken Pornos eher weniger, sie finden es langweilig. Und bei Jungs ist es oft auch eine Art Mutprobe.

Es gibt im Internet auch Seiten, auf denen Gewaltvideos gezeigt werden, die ebenso frei zugänglich sind wie etwa Youporn.

Wer Gewaltvideos schaut und selbst gewalttätig wird, bei dem sind andere Prozesse schiefgelaufen. So eine Entwicklung ist nicht auf den Einfluss solcher Videos allein zurückzuführen.

Was ist da vorher schiefgelaufen?

Es wurden bestimmte Entwicklungsschritte nicht gegangen. Gründe dafür können Probleme in der Schule, Liebeskummer, emotionale Vernachlässigung oder die Trennung der Eltern sein. Oft haben diese Jugendlichen auch selbst Gewalt erlebt. Und es hat dann keine gelungene Intervention von außen stattgefunden.

Sexualität bei Jugendlichen: Die Rolle der sozialen Medien

Wie sollten sich Eltern verhalten, wenn sie ihre Kinder beim Pornogucken erwischen?

Das ist eine Frage, die uns auch öfter Eltern bei der Onlineberatung stellen. Wir raten immer, offen darüber zu sprechen und keine Panik zu verbreiten. Und vor allem Väter sollten sich ein Herz fassen und mit ihren Söhnen darüber sprechen. Das ist nicht leicht, sie sind ganz anders aufgewachsen – da gab es höchstens verschämte Blicke am Kiosk auf die „Neue Revue“ und auf die griechische Statur im Museum.

Wenn es um Sexualität geht, spielt auch der Wunsch nach Attraktivität eine große Rolle in der Pubertät. Ist das ein Thema in der Beratung?

Wenn es um Ideale geht, ja! Ich erlebe es verstärkt, dass Mädchen sehr unzufrieden mit ihrem Körper sind. Das wird leider über die Medien verstärkt, die immer nur schlanke, attraktive Frauen zeigen. Diese Unzufriedenheit betrifft übrigens vermehrt auch Jungs, die schnell gehänselt werden. Bei ihnen geht es dann mehr um Muskelaufbau.

Wie können Sie da online helfen?

Wir helfen durch Erklärungen, mit verschiedenen Beratungsansätzen wie der Psychoedukation, also mit Gesundheitsinformationen zu psychischen Erkrankungen, vor allem aber mit klaren Haltungen. In den Chats und im Forum unterstützen sich die Jugendlichen auch gegenseitig. Pubertät heißt Abgrenzung, und deshalb müssen die Gefahren, die etwa von Models als Vorbildern ausgehen, auf allen Kanälen angegangen werden. Ich sehe da auch die Medien in der Pflicht. Programmmacher sind da zum Teil geradezu fahrlässig.

Instagram, Snapchat und Whatsapp: Welche Rolle spielen die sozialen Medien bei dem Umgang mit der Kommunikation über Sexualität?

Das Thema Sexting, also die private Kommunikation über Sex, kommt auch bei uns in der Beratung immer wieder vor, wenn vor allem Mädchen Opfer von der Weitergabe intimer Fotos werden. Wir raten in diesen Fällen zur Anzeige, damit das aufhört. Was allerdings ganz oft ein Anmeldegrund in unserem Beratungsportal ist, ist das Cybermobbing. Das sollte öffentlich gemacht werden. Hier sind die Schulen gefragt, denn nur sie können die Rädelsführer dingfest machen, das Elternhaus kann da wenig ausrichten.

Online-Beratung: Hilfe bei Selbstverletzung

Hat sich themenmäßig in den letzten Jahren was verändert?

Selbstverletzendes Verhalten ist leider ein großes Thema. Aber auch da erreichen wir viele, weil die anonyme Beratung die Möglichkeit bietet, schneller zum Thema zu kommen – wie auch bei allen anderen Fragen, die Jugendliche bewegen.

Was können Eltern tun, wenn sie feststellen, dass sich ihr Kind ritzt?

Es war lange Zeit so, dass Selbstverletzung ein Signal für eine psychische Erkrankung wie zum Beispiel Borderline war. Das ist heute nicht unbedingt so. Jugendliche ritzen sich heute auch, um „dabei zu sein“. Eltern sollten also nicht sofort Panik bekommen, sondern die Ursachen abklären, indem sie sich Rat zum Beispiel bei der BKE-Onlineberatung, bei einer Erziehungsberatungsstelle vor Ort, oder beim Arzt einholen.

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Von RND/Sonja Steiner

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