Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Zitteraale gehen per Stromstoß auf die Jagd

"Beute-Tracking" Zitteraale gehen per Stromstoß auf die Jagd

Mit seinen Stromschlägen kann ein Zitteraal nicht nur anderen Fischen, sondern auch Menschen gefährlich werden. Doch was brachial lahmlegt, ist zugleich ein hochsensibles Ortungssystem, wie ein US-amerikanischer Forscher jetzt herausfand.

Voriger Artikel
Mann tötet seltenen Vogel – für die Forschung
Nächster Artikel
Lieferengpässe bei Impfstoffen

Zitteraale werden bis zu zweieinhalb Meter lang und 20 Kilogramm schwer. Fast ihr ganzer Körper ist mit stromerzeugenden Organen besetzt.

Quelle: Katja Theilen

Nashville. Jagende Zitteraale nutzen starke Stromstöße nicht nur als effektives "Betäubungsgewehr", sondern zugleich als hochpräzises Werkzeug zur Ortung ihrer Beute. Dieses an Fledermäuse erinnernde "Beute-Tracking" entdeckte der US-Forscher Kenneth Catania von der Vanderbilt University in Nashville (Bundesstaat Tennessee).

Er erforscht seit längerem die ungewöhnlichen Süßwasserfische, die Stromschläge von mehreren Hundert Volt erzeugen können. Seine neuen Ergebnisse veröffentlicht er im Fachjournal "Nature Communications". Schon in vorherigen Untersuchungen hatte Catania gezeigt, dass Zitteraale versteckte Beutefische zunächst durch einige schwache Stromschläge aufspüren, die zu unwillkürlichen, verräterischen Zuckungen führen.

Viele komplizierte Versuchsanordnungen

Anschließend legen die Raubfische ihre Beute mit einer Salve starker Stromschläge lahm, wie der Wissenschaftler im Fachblatt "Science" berichtet hatte. Unklar war bislang jedoch, wie sie die betäubten Tiere danach ausfindig machten. Catania präparierte nun tote Fische mit einem elektrischen Leiter, so dass sie – wie echte Beute – bei einem Stromstoß kurz aufzuckten und das Wasser so in Bewegung versetzten.

In verschiedenen komplizierten Versuchsanordnungen mit leitenden und nicht leitenden "Beutemodellen" fand Catania anschließend heraus, dass den Zitteraalen nur dann ein zielgerichteter Angriff auf das betäubte "Opfer" gelang, wenn dort ein elektrischer Leiter vorhanden war. Visuelle, chemische oder sensorische Reize allein, etwa durch Wasserbewegungen des zappelnden Fisches, führten hingegen nicht zum Ziel.

Ein Körper voller stromerzeugender Organe

"Diese Ergebnisse zeigen den Zitteraal in einem neuen Licht, als formidablen Räuber und als einzigartigen Sensor-Spezialisten gleichermaßen", resümiert Catania. Zitteraale (Electrophorus electricus) sind keine Aale, wie der Name und das langgestreckte Aussehen vermuten lassen, sondern gehören zu den Neuwelt-Messerfischen. Sie leben in schlammigen, sauerstoffarmen Süßgewässern im tropischen Südamerika, beispielsweise im Amazonas.

Diese Fische werden bis zu zweieinhalb Meter lang und 20 Kilogramm schwer. Fast der ganze Körper ist mit stromerzeugenden Organen besetzt, Elektroplax genannt. Das sind umgebildete Muskeln, die hohe Spannungen freisetzen können. Die Zitteraale nutzen sie auch zur Orientierung, Verteidigung und Fortpflanzung.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wissen
Augenblicke: Bilder aus Hannover und der Welt

Klicken Sie sich durch spektakuläre Fotos – ausgewählt von der HAZ-Redaktion.

  • Verbraucher
    Rund ums Geld

    Jeden Montag präsentieren wir Verbraucher- und Finanztipps und die Testsieger der Stiftung Warentest. mehr

  • Bauen & Wohnen

    Jeden Samstag neu: Tipps und Trends zu Haus und Garten, Bauen, Renovieren, Architektur und Wohnen. mehr

  • Auto & Verkehr

    Lesen Sie jeden Samstag Fahrberichte und Tipps für Autofahrer. Täglich aktuell: die Verkehrslage in und um Hannover. mehr