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Wissen Zu viel Palmöl: Platz für Orang-Utans auf Borneo wird knapp
Nachrichten Wissen Zu viel Palmöl: Platz für Orang-Utans auf Borneo wird knapp
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16:59 13.11.2018
Tanjung Puting National Park: Ein Orang-Utan klettert zwischen Bäumen im Tanjung Puting National Park in Kalimantan auf Borneo. Quelle: Barbara Walton/pa
Jakarta

Schuld an dem schwindenden Lebensraum ist der Umweltschutzorganisation Greenpeace zufolge die Palmölindustrie. Greenpeace veröffentlichte am Dienstag eine Studie, wonach allein von Zulieferern des Lebensmittelkonzerns Mondelez innerhalb von zwei Jahren 70.000 Hektar Regenwald auf der Insel zur Gewinnung von Palmöl gerodet wurden. In den Wäldern von Borneo und der Nachbarinsel Sumatra sind die Orang-Utans zuhause.

Das Unternehmen Mondelez verwies in einer Stellungnahme darauf, dass es sich seit Jahren um eine nachhaltige Nutzung von Palmöl bemühe. Die Industrie müsse aber noch mehr tun, heißt es in der Mitteilung des Konzerns. Ziel seien „100 Prozent Nachhaltigkeit und 100 Prozent Transparenz“. Von zwölf Lieferanten habe man sich wegen Verstößen gegen die eigenen Richtlinien getrennt.

Orang-Utan-Zahlen haben sich halbiert

Nach offiziellen Schätzungen gibt es heute nur noch zwischen 70.000 und 100.000 Orang-Utans weltweit. Zur Jahrtausendwende 1999/2000 waren es nach einer kürzlich veröffentlichten Erhebung noch annähernd 150.000 mehr. Im vergangenen Jahrzehnt wurden nach anderen Studien in ganz Indonesien mehr als sieben Millionen Hektar Regenwald gerodet – eine Fläche so groß wie Bayern.

Die kanadische Forscherin Biruté Galdikas, die auf Borneo eine Auswilderungsstation für Orang-Utans gründete, schätzt, dass sich die Zahl der Menschenaffen dort allein im letzten Jahrzehnt auf 15.000 Tiere halbiert hat – aufgrund der fortschreitenden Zerstörung des Regenwalds. „Hält der Trend an, wird es in zehn oder 20 Jahren keine Wildpopulationen von Orang-Utans mehr geben“, erklärte Galdikas dem „Greenpeace Magazin“.

Auch andere Menschenaffen vom Aussterben bedroht

Mondelez ist aus dem US-Konzern Kraft hervorgegangen und verwendet Palmöl in zahlreichen Produkten wie Schokoladenriegeln (Cadbury) oder Keksen (Oreo). Zu den Marken des Konzerns gehören auch Milka und Toblerone. Nach Greenpeace-Angaben ist die 2015 bis 2017 gerodete Fläche etwa doppelt so groß wie Bremen, wo Mondelez seinen Deutschland-Sitz hat. Palmöl wird auch in der Kosmetik viel verwendet.

Nicht nur Orang-Utans, sondern auch Gorillas sind nach Ansicht der Weltnaturschutzunion IUCN „in naher Zukunft“ vom Aussterben bedroht und stehen damit ganz oben auf der Roten Liste, als gefährdet gelten danach auch Schimpansen und Bonobos. Umweltschützer warnen davor, dass bis zum Jahr 2030 nahezu alle Lebensräume von Menschenaffen durch den Abbau von Holz, Öl und Gas zerstört werden könnten.

Von RND/so/dpa

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