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Bis der Motor qualmt
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Mit dem schrottreifen Mitsubishi durchs Outback Bis der Motor qualmt

In Australien ist ein eigenes Auto unabdingbar. Deshalb schauten Jonas und ich uns jeden Tag die Angebote von Backpackern an, die vor der Rückreise noch schnell ihr Auto loswerden müssen. Unter Zeitdruck. Und deshalb mitunter sehr günstig.

An einem freien Wochenende sind wir mit unserem Bananen-Team deshalb in Cairns und entdecken ein wirklich hässliches Auto der Marke Mitsubishi. Es handelt sich um einen Magna, Baujahr '95, der laut Zettel hinter der Scheibe 700 Dollar kosten soll.

Schnell wird die angegebene Nummer gewählt, eine Testfahrt gemacht, und ohne Verhandeln überlässt uns eine absolut unseriöse Australierin ihr Auto für 400 Dollar. Das damit einiges nicht stimmen kann, ist uns bewusst. Aber dem geschenkten Gaul … Jonas hat ihn „Britney“ getauft, und ich habe ihn – wenn auch unter Protest - gewähren lassen. Mittlerweile hat uns der Mitsubishi schon mehr als 2000 Kilometer weit gebracht. Und wenn man davon absieht, dass wir alle zwei Stunden aufgrund des rauchenden Motors anhalten müssen, sind wir immer noch hochzufrieden mit unserem Schnäppchen.

Hier auf der Farm ist „Britney“ sehr hilfreich, da die nächste Einkaufsmöglichkeit einige Kilometer entfernt ist. Unser Auto ist zum absoluten „Community-Car“ geworden. Abgeschlossen ist es nie, der Schlüssel steckt stets im Zündschloss, und wenn man auf dem Rückweg ein wenig tankt, darf sich hier jeder frei fühlen, unsere „Britney“ zu nutzen. Lediglich in größeren Städten wie Cairns sollte man damit nicht angehalten werden: Wir besitzen keine Papiere und - nachdem wir unser Auto für 90 Dollar haben checken lassen - auch keine Registrierung auf unseren Namen. Der nette Mechaniker gab uns den Tipp, den Wagen so schnell wie möglich schrotten zu lassen. Er sei keinen Cent mehr wert, und leider müsse er angesichts der Mängel auch unser Straßentauglichkeitszertifikat kassieren. Weil seine 62-Punkte-Checkliste nicht lang genug war, um alle Schäden zu vermerken, hängte der freundliche Herr noch einen Extrazettel mit Anmerkungen hinten dran.

Trotzdem haben wir mit unserem Mitsubishi schon diverse Polizeikontrollen überstanden. Nur einmal kam beim Überprüfen des Nummernschildes der Hinweis, dass wir gar nicht die Besitzer dieses Auto seien. Dank Jonas' Redekunst durften wir dennoch weiterfahren. Für unsere Freunde und Familien in Deutschland mag das alles so dumm wie absurd klingen, aber wenn man mitten im Outback ist, wo es keine Busse und Bahnen gibt, dann versteht man vielleicht, warum wir trotzdem so an „Britney“ hängen.

Wenn wir die Farm verlassen, wollen wir unser Auto den Leuten hier für ein paar Dollar überlassen und mit dem Bus nach Cairns fahren. Es wird uns sicherlich nicht leichtfallen, uns von „Britney“ zu trennen - aber wir sind ja auch in Australien, um älter und reifer zu werden. Und dieses Auto sollte das Outback – anders als wir – nie wieder verlassen.

Malte

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