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Ernüchternder Kontostand
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Kassensturz in Cairns Ernüchternder Kontostand

Nach sieben Wochen Farmarbeit haben wir: 2000 Dollar, einen 400-Dollar-Mitsubishi-Magna und zwei Köpfe voller Pläne.

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Vor der großen Ernüchterung: Ein typischer Abend in Cairns.

Quelle: Gützlaff/Thannheiser

Nach unser Ankunft in Australien sind wir wie normale Durchschnittstouristen von einer Stadt zur anderen geeilt, ehe wir uns ein bisschen an das australische Leben gewöhnen konnten und in die harte Arbeitswelt der Farmer abgetaucht sind. Nun wollen wir endlich wie echte Backpacker mit unserer Schrottkiste über die endlosen Highways in „Down under“ touren .

Nach unserem ereignisreichen Wochenende beschließen wir, noch ein paar Tage in unserem Hostel, dem „Serpent“ zu bleiben, bis Autocheck und alle weiteren Planungen abgeschlossen sind. Unsere „Britney“ geben wir in einer Werkstatt ab, wo wir sie erst am nächsten Tag wieder abholen können.

Auf dem Weg zurück zum Hostel planen wir schon einmal wohin es gehen könnte. Zum Ayers Rock. Nach Darwin. Oder doch die Ostküste runter, wo wir die besten Surfspots wie Surfers Paradies, Allie Beach und viele andere mitnehmen könnten? Wir wollen im Auto schlafen und so wenig Geld wie möglich ausgeben. Einen Job werden wir uns wohl noch suchen müssen, dies wollen wir aber so lange wie möglich hinauszögern.

Die Ernücherung folgt am nächsten Tag: In der Werkstatt lacht uns der Mechaniker nur an und sagt: „Boys, this car is crap!“ Er überreicht uns die 60-Punkte-Checkliste, die vor Mängeln nur so strotzt. Auf einer Extraseite hat er noch einige weitere aufgelistet.

Wir haben also 100 Dollar bezahlt, damit uns jemand sagt, dass wir unser Auto nicht mehr fahren dürfen. Unsere Roadtrip-Pläne haben sich in Luft aufgelöst.

Völig genervt fahren wir zurück zum Hostel, kaufen uns eine Vier-Liter-Frustpackung „Goon“ und spülen unseren Ärger mit dem Billigwein, dem inoffiziellen Backpacker-Getränk, weg, ehe wir die Nacht im „Gilligans“ verbringen, einem der größten Klubs in Cairns.

Ich öffne meine Augen gegen 15 Uhr am nächsten Nachmittag, nehme mit schmerzendem Kopf einen Atemzug von der mit Weingeruch getränkten Luft unseres Sechserzimmers und dämmere dann doch nochmal bis 17 Uhr weg. Gegen 18 Uhr wandern Malte und ich dann mit einem „Sub“ in der Hand die Esplanade in Cairns entlang und beschließen, nach einem neuen Job zu suchen. Wir wollen noch mehr Geld sparen, um uns unseren Traum von einem Roadtrip erfüllen zu können. Das Auto wollten wir verkaufen oder verschrotten lassen und nach einem neuen Ausschau halten.

Die nächsten zwei Wochen verlaufen in einem relativ gleichmäßigem Rhythmus: Wir suchen im Internet nach Jobs, rufen Farmen an, bewerben uns bei Jobagenturen und landen jeden zweiten Tag im „Gilligans“. Wir haben eine ganz nette Zeit, lernen viele Leute kennen, und Cairns wird zu unserer zweiten Heimat. Nach Hannover.

Zu Beginn der dritten Woche in Cairns checken wir noch einmal unser gemeinsames Konto bei der Commonwealth Bank. Darauf sind nur noch 36 Dollar. Ein Schlag ins Gesicht. Die kommende Woche stellte unsere Fähigkeiten als Überlebenskünstler auf die Probe.

Um im Hostel freie Unterkunft zu bekommen, putzen wir drei Stunden pro Tag Toiletten und Duschen, trinken Leitungswasser und teilen uns jeden Mittag ein Baguette mit Salami für vier Dollar. Frühstück ist in unserem Tagesplan nicht vorgesehen, und unser Dinner besteht aus einem kleinem Teller Nudeln, den die Mitarbeiter des Hostels jeden Abend gratis erhalten.

Auch unser Tagesablauf ändert sich. Nachdem wir zwei Wochen lang nur gefeiert und geschlafen haben, stehen wir nun zeitig auf, erledigen unsere Arbeiten, suchen nach Jobs und gehen jeden Abend fünf Kilometer an der Promenade joggen, wo wir auf Hunderte andere Sportbegeisterte treffen. Trotz aller Anstrengungen gelingt es uns nicht, einen Job zu finden. In unseren Taschen ist kein einziger Dollar mehr.

Rückflug oder Geld von den Eltern kommt für uns beide nicht infrage. Wir müssen uns einen neuen Plan überlegen.

Jonas

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Jonas Thannheiser ist gerne unterwegs. Wenn nicht auf Straßen der Stadt, dann in fremden Ländern. 

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