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Wallabys und Barbecues
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Zurück zu den Bananen Wallabys und Barbecues

Früh am Morgen waren wir aufgestanden, um bei jedem Restaurant, jeder Bar und jedem Hostel anzufragen, ob jemand zwei Backpacker als Tellerwäscher oder irgendetwas anderes gebrauchen könnte. Wir hatten gehofft, es gäbe stilvollere Wege, um an einen Job zu kommen.

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Zurück im Outback: Die ZiSH-Blogger Malte (links) und Jonas mit einem gebürtigen Australier.

Quelle: Gützlaff/Thannheiser

Die Frage „Sorry, do you need someone to wash your dishes or anything else?“ hatten wir uns bis zum Ende unserer Jobsuche aufgespart. Nach einem Fünfstundenmarsch durch die Innenstadt von Cairns saßen Malte und ich erschöpft im „Serpent“-Hostel. Die ernüchternde Realität war, dass es keinen, aber auch wirklich gar keinen Job für uns in Cairns gab. Das bedeutete: Es ging zurück auf die Bananenfarm!

Manager John, ein Spanier, der aber seit 18 Jahren nichts anderes als Bananen gesehen hat, hatte schon von unseren Geldproblemen gehört. Er wollte uns wieder aufnehmen, weil er fand, dass wir gute Arbeiter seien. Vom „Serpent“ aus tätigten wir also den – angesichts unserer finanziellen Misere – nicht mehr aufzuschiebenden Anruf bei John, und schon am nächsten Nachmittag machten wir uns auf nach Lakeland. Unsere Stimmung war uneindeutig. Wir waren froh, endlich wieder irgendeinen Plan zu haben. Wir wussten, wir würden gutes Geld verdienen. Und außerdem hatten wir beide die Nase gestrichen voll vom Schnorrerleben.

Jedoch hätte ich vorher niemals damit gerechnet, mich in Australien so lange an einem Fleck aufzuhalten. Ich dachte, ich würde in diesem halben Jahr so ziemlich alles sehen, nie lange an einem Ort bleiben, pausenlos in Bewegung sein. Nun hatten wir drei Wochen in Cairns zugebracht, unser Geld verfeiert und fuhren zurück auf eine Farm, der wir schon knapp zwei Monate unserer Zeit geschenkt hatten. Ein weiterer Monat würde folgen.

Ich starrte aus dem Fenster, sah die Buschbrände (sie wurden extra gelegt, um größere zur Trockenzeit zu verhindern), sah Adler und Eulen über die Felder schweben und erschreckte mich immer wieder, wenn ich eine Vollbremsung für ein Wallaby, ein kleines Känguru, hinlegen musste. Ich versuchte, die Situation positiv zu betrachten. Wenigstens würden wir im Outback wieder richtige Australier und alle möglichen Tiere sehen. Wir würden unsere neuen Freunde wiedertreffen. Unsere Lektion in Sachen „Umgang mit Geld“ hatten wir beide bereits gelernt. Und der eine Monat auf der Bananenplantage würde sicher schnell um sein. Malte und ich würden nun vier Wochen hart arbeiten und kein bisschen feiern. Aber danach könnten uns vielleicht noch den ein oder anderen Traum in Australien erfüllen.

Wir kamen nachts auf der Plantage an, wo uns, kaum dass wir ausgestiegen waren, die „Farm-Gesellschaft“ auch schon überschwänglich begrüßte. Ich brachte meinen Rucksack wieder in mein vier Quadratmeter kleines Zimmer und verdrehte schon die Augen im Gedanken an den jeden Morgen um halb 6 klingelnden Wecker. Eine Minute später war Mad aus Estland vor meiner Tür, zog mich aus meinem Zimmer und geleitete mich zum Esstisch, an dem schon alle anderen Farmbewohner saßen. Mein Blick schweifte über zehn „Goon“-Packungen, im Hintergrund brutzelte bereits der Grill. Das Barbecue war in vollem Gange.

Ich schmunzelte, atmete kurz durch und stürzte mich erneut ins Farmerleben.

Jonas

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Jonas Thannheiser ist gerne unterwegs. Wenn nicht auf Straßen der Stadt, dann in fremden Ländern. 

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Wie man mit Menschen umgeht, weiß Malte Gützlaff. Zusammen mit Jonas Thannheiser war er ein halbes Jahr in Australien unterwegs. mehr

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