25°/ 16° sonnig

Navigation:
Wiedersehen mit leichten Kopfschmerzen
Mehr aus Die Fernschreiber

Zurück in Deutschland Wiedersehen mit leichten Kopfschmerzen

Mittlerweile sind wir wieder seit einem Monat in Deutschland - und es fühlt sich an als wäre ich gar nicht weg gewesen.Ich schlafe wieder in meinem weichen, großen Bett, habe ein eigenes Zimmer ganz für mich alleine, und es gibt wieder Essen von Muttern. Familie, Freunde und die List haben mich wieder, und auch sonst ist fast alles genauso wie vor Australien. Nur ich nicht ganz ...

Angekommen sind wir an einem Mittwochabend. Unseren Freunden hatten wir nicht Bescheid gesagt, wir wollten keinen großen Trubel. Mit unseren Familien ging es erst einmal nach Hause. Ich erzählte in Stichworten von den wichtigsten Stationen unserer Reise und führte dann, als mediales Highlight, ein Video von meinem Fallschirmsprung vor. Es fiel mir aber schwer auf die Frage zu antworten, wie es mir jetzt ginge. Ich wusste es nicht so genau.

In Sydney hatte ich mich gefreut, in Richtung Heimat zu fliegen. Aber schon am Frankfurter Flughafen überkam Malte und mich ein kaltes Gefühl des Unbehagens. Jeder sprach Deutsch, alle Anzeigetafeltexte waren auf Deutsch, und uns wurde erst jetzt bewusst, dass wir in den vergangenen 20 Stunden Tausende von Kilometern zwischen uns und den Kontinent am anderen Ende der Welt gebracht hatten. Unsere Reise war endgültig zu Ende.

Nach dem Kurzbericht für meine Familie rief mich Malte an, und wir entschieden abends noch kurz zu „Linden Lounge“ aufs Faust-Gelände zu fahren, wo viele unserer Freunde feierten. Es wurde ein nettes Wiedersehen. Der erste Morgen in Hannover begann deshalb mit leichten Kopfschmerzen. Ich warf einen Blick über meine Bettdecke und sah eine Freundin neben mir liegen - und auf dem Boden neben dem Bett noch einen Freund. So sollte der allererste Morgen zu Hause vermutlich nicht aussehen.

Die nächsten Tage verliefen ähnlich: Freunde treffen, Verwandte besuchen, Fotos zeigen, feiern gehen. Ich konnte die Fotos nach dem zweiten Mal zeigen schon nicht mehr sehen, meine Reiseberichte ratterte ich mehr oder weniger mechanisch herunter, eine Stichpunktesammlung, in der mindestens zehnmal das Wort „Banane“ fiel.

Das Wiedersehen mit meinen Freunde war schön und komisch zugleich. Ich hatte man viel zu erzählen, doch bisweilen gab es kleine Gesprächspausen, bei denen ich merkte: Irgendwas stimmte hier mit der Chemie nicht mehr ganz. Leuten, die nicht längere Zeit im Ausland waren, kann man das vermutlich nur schwer klarmachen, aber eine solche Reise, auf der man Abstand zu allem gewinnt, verändert einen. Man sieht neue Dinge, lernt neue Leute kennen, kann mit Abstand auf das Alte blicken und hat eine veränderte Sicht auf viele Dinge sobald man wieder im alten Leben steht. Ein paar Monate Australien haben natürlich keinen völlig neuen Menschen aus mir gemacht, allerdings brauchte ich Zeit, um mich an Hannover zu gewöhnen.

Hier war war ich plötzlich wieder alleine, eine eigenständige Person und nicht mehr im Doppelpack unterwegs. Malte und ich stellten fest, dass wir uns den ganzen Tag fragten, was der andere wohl gerade machen würde, und als wir dann jeder in seinem eigenen Bett lagen, alleine, ohne „Hostelgeräusche“ oder den Straßenlärm Sydneys, dauerte es schon eine Weile in den Schlaf zu sinken.

Um schnell wieder zu Geld zu kommen, hatten Malte und ich uns in Hannover schnell einen Job gesucht. Gemeinsam, wir kannten es ja nicht mehr anders. So kam es, dass wir von 15 Uhr nachmittags bis 4 Uhr morgens Maschseefest-Besucher mit Bier und Cocktails versorgten. Zeit, um zu realisieren, dass wir wieder in Deutschland waren, hatten wir so immer noch nicht.

Das kam erst später. Und die Zeit in Australien kam mit auf einmal sehr kurz vor. Nach unserer Ankunft in Melbourne warenwir über die „Great Ocean Road“ nach Adelaide gefahren, von da aus nach Perth geflogen und von Perth weiter nach Cairns zur Bananenfarm. Drei Monate hatten wir dort - abgesehen von einer kurzen Unterbrechung - gearbeitet, ehe wir wieder nach Cairns gefahren waren, um mit dem „Juicy Van“ zum Ayers Rock zu reisen. Über Cairns und Sydney ging es schließlich zurück nach Deutschland.

Und das war's auch schon. Zum Glück haben wir Tausende von Fotos, Videos, Erinnerungen und Freunde, mit denen wir unsere Erlebnisse wieder aufleben lassen können. Es wäre ja auch viel zu schade, dieses halbe Jahr irgendwo hinten im Gehirn abzulegen wie einen zweiwöchigen Urlaub auf Malle.

Genauso wie sich in der Ferne irgendwann das Heimweh einstellt, packt einen zu Hause wieder das Fernweh. Um das eine oder das andere zu spüren muss man jedoch erst einmal den Schritt wagen, sich auf eine Reise zu begeben. Ich bin glücklich, es gemacht zu haben und einen Freund wie Malte dabei gehabt zu haben.

Jonas

Voriger Artikel Voriger Artikel
Mehr zum Artikel
Reisender

Jonas Thannheiser ist gerne unterwegs. Wenn nicht auf Straßen der Stadt, dann in fremden Ländern. 

mehr

Meistgelesene Hannover-Artikel

Anzeige

Wie man mit Menschen umgeht, weiß Malte Gützlaff. Zusammen mit Jonas Thannheiser war er ein halbes Jahr in Australien unterwegs. mehr

Jonas Thannheiser ist gerne unterwegs. Wenn nicht auf Straßen der Stadt, dann in fremden Ländern. mehr