Ariane und Alisa haben die Rucksäcke gepackt – für neun Monate Australien. Surfen lernen im sonnigen Queensland, statt gleich nach dem Abitur in einer überfüllten Vorlesung in der Uni zu sitzen. Ausgerüstet mit einem Jeep und einer großen Landkarte wollen die beiden Down Under erkunden. Regelmäßig berichten sie nun für ZiSH von Riesenkängurus am Wegesrand, Durststrecken im Outback und den Menschen, die dieses Land im Linksverkehr so besonders machen.
Der Herbst ist da. Mit Mütze und dicker Jacke gegen den eisigen Wind gewappnet schlendern wir die Strandpromenade im Stadtviertel St. Kilda entlang. Vor acht Monaten war ich schon einmal hier. Unsere Gastgeber für die ersten Tage in Australien hatten uns zum Essen in ein Restaurant am Meer eingeladen. Müde vom langen Flug durch die Zeitzonen konnte ich damals weder einen Bissen essen noch die Frühlingssonne genießen. Zwei Jahreszeiten und eine 14 000-Kilometer-Reise später fühlen Ariane und ich uns aber wie echte Melburnians – australische Großstädter.
Einen Tag und eine Nacht fahren wir mit dem Zug nach Alice Springs. Der Ghan, Australiens einziger Zug, der von Darwin bis ins südliche Adelaide einmal durch die Mitte des Landes fährt, macht einen Zwischenstopp in Alice Springs. Der Stadt, die mit ungefähr vierhundert Kilometern Entfernung die nächste am bekanntesten Stein der Welt ist – dem Uluru. Langsam wie eine deutsche Regionalbahn rattert der Zug durch die menschenleere Mitte des Kontinents.
Vor uns ausgebreitet liegt eine große Australienkarte. Mit dem Kugelschreiber zeichnen wir unsere Route vom touristischen Queensland bis ins dünn besiedelte Northern Territory vor. Fast dreitausend Kilometer Highway wollen wir von Cairns nach Darwin durch das staubige Outback fahren – Australiens Herzstück.
Langsam aber stetig bewegt sich die Autofähre über den braun-grünen Daintree River. In der Hoffnung, vielleicht doch eines der im Fluss lebenden Krokodile zu erspähen, lehne ich mich aus dem Fenster. Vergeblich. Am anderen Ufer erwartet uns eine grüne Wand von riesigen Bäumen. Wir fahren an einen der sowohl bekanntesten als auch unwirtlichsten Orte Australiens: das Cape Tribulation.
Ich atme tief ein und springe mit einem großen Schritt nach vorn in den türkisblauen Pazifik. Durch das Glas meiner Tauchbrille sehe ich ihn endlich, den wohl schönsten Tauchort der Erde. Bis auf das Geräusch meines gleichmäßigen Atmens ist es um mich herum ganz still. Meine Tauchflossen gleiten durch farbenfrohe Fischschwärme, die wie selbstverständlich um mich herum durch das von Sonnenstrahlen geflutete Wasser schwimmen. Ich schwebe im Great Barrier Reef.
Ohne dunkle Stellen, im richtigen Winkel gebogen und bloß nicht zu matschig: Die Banane in meiner Schulbrotdose musste perfekt sein. Meine peniblen Ansichten über Beschaffenheit und Aussehen der süßen Frucht helfen mir heute bei der Farmarbeit. Ich stehe am Fließband und sortiere jede Banane, die ich auch zu Grundschulzeiten nicht geduldet hätte, in Sekundenschnelle aus.
Das Backpacker-Leben an der Sunshine Coast war perfekt: Strand, Hostel, Parties. Das hätte ewig so weitergehen können - wenn da nicht der ernüchternde Kontoauszug wäre. Um Arbeit zu finden, machen wir uns schweren Herzens auf den Weg nach Townsville. Schon der Weg - drei Tage und zwei Nächte auf dem Bruce Highway - ist ein Abenteuer.
Statt des nervtötenden Tons meines inzwischen allzu vertrauten Weckers klingeln mich an diesem Morgen Polizeisirenen aus dem Schlaf. So laut, dass nicht nur ich, sondern auch meine Mitbewohnerinnen senkrecht im Bett sitzen. Beim Blick aus dem Fenster kommt die Erinnerung zurück: Heute ist Australia Day.
Im Great Barrier Reef abtauchen – das will Ariane Struckmeier. Zusammen mit Alisa Schellenberg ist sie neun Monate in Australien unterwegs.
Was Alisa Schellenberg nach ihrem Abitur studieren will? Das weiß sie noch nicht. Jetzt möchte sie erst einmal in Australien Wombats streicheln
Ein halbes Jahr lang waren Malte und Jonas in Australien unterwegs. Ausgerüstet mit Neugier auf die Menschen, die ihnen zwischen Youth Hostels und Bananenplantagen über den Weg laufen, haben die Abiturienten aus Down Under berichtet.