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Effekte statt Gefühle

Neues Album von Gerard Effekte statt Gefühle

Geschichten über Momente des Erwachsenwerdens, dafür ist der österreichische Rapper Gerard bekannt. Auf seinem aktuellen Album "Neue Welt" gibt es weniger Erzählungen und mehr digitale Effekte. Gerard klingt jetzt wie ein emotionsloser Roboter, findet ZiSH-Autorin Anne-Sophie Lucas.

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Neue Welt ohne neue Geschichten: Das aktuelle Album von Gerard.

Quelle: Handout

Gerard ist mehr als ein 28-jähriger Rapper aus Österreich. Gerard ist ein Erzähler. Er erzählt Geschichten vom Leben, der Liebe und den Momenten, in denen man merkt, dass man erwachsen geworden ist. Wenn er davon singt, wie aus einem One-Night-Stand die große Liebe wird, huscht einem ein Lächeln übers Gesicht.

Auf dem Album „Blausicht“ gab es viele solcher Geschichten. Auf dem Nachfolger „Neue Welt“ hat sich Gerard jetzt neu erfunden – aber leider nicht besser. Viele Lieder haben keine Geschichte mehr: In „Panorama“ und „Hymnen“ etwa geht es darum, dass alles schon irgendwie gut wird. Oder so. Gefühle kommen da kaum noch auf. Eines der wenigen gelungenen Lieder ist „Licht“, das Gerard seinem verstorbenen Großvater gewidmet hat. Es ist schlicht und stark, nicht überladen mit digitalen Effekten und hallendem Refrain. Das ist der zweite Punkt, in dem Gerard sich stark verändert hat: Seine ruhige Erzählstimme war seine Stärke. Doch auf dem neuen Album hat er sich nun in einen emotionslosen Roboter verwandelt; Aussprache und Betonung sind bisweilen so monoton, dass man nicht merkt, wann ein Lied endet und das nächste beginnt.

Statt ein wenig auszuprobieren, womit er seine Musik gezielt weiterentwickeln könnte, hat Gerard viel zu viel auf digitale Effekte gesetzt. Dadurch verliert er aber genau das, was einen früher zum Lächeln gebracht hat: das Gefühl, dass jede seiner Geschichten die eigene sein könnte.

Anne-Sophie Lucas

Gerard: „Neue Welt“, Heart Working Class (Groove Attack).

http://www.gerardmc.at

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