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„Engtanz“ mit Bosse

Neue Platten „Engtanz“ mit Bosse

Auf "Engtanz" fordert Singer-Songwriter Bosse seine Fans zum Paartanz auf. Sein neues Album handelt vom Verknalltsein, von Selbstfindung und dem Mit-sich-Hadern. Isabell Rollenhagen hat es sich angehört.

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Schwoft mal wieder. Auf "Engtanz fordert Bosse seine Fans zum Paartanz auf.

Quelle: Handout

Die Zeiten, in denen Paare in der Disco Stehblues tanzen und sich tief in die Augen schauen, sind vorbei. Heute tanzt jeder Clubgänger mehr oder weniger für sich allein. Das passt zu unserer schnelllebigen, anonymen Gesellschaft. Singer-Songwriter Axel „Aki“ Bosse weiß darum und fordert seine Fans nun zum „Engtanz“ auf – so der Name seiner neuen Platte. Wer jetzt Klammerblues-taugliche Songs erwartet, wird enttäuscht. Die meisten der elf Titel auf „Engtanz“ sind zu gitarren- und schlagzeuglastig, als dass man dazu verträumt mit dem Schwarm übers Parkett schwofen könnte.

Bosse hat viel Arbeit in die Platte gesteckt: Der Berliner Kneipenchor ist an mehreren Stellen zu hören, Streicher und Bläser geben der Platte zusätzlich zu mitunter altklug wirkenden Texten Tiefe. Da tut es gut, wenn die Gitarre an der einen oder anderen Stelle mal knarzt oder das Schlagzeug die Oberhand ergreift.

Thematisch geht es auf „Engtanz“ um mehr als bloß ums Verknalltsein. Schon der Opener „Außerhalb der Zeit“ zeigt, wohin die Reise geht: Er handelt von Selbstfindung und dem Mit-sich-Hadern. Dazu gibt’s Bläser und einen Chor, der aus dem zu Beginn noch sanften Song fast schon eine Hymne für das Leben macht. Die erste Singleauskopplung „Steine“ mutet philosophisch an, wenn Bosse, von Streichern und hektischen Gitarrenriffs begleitet, davon singt, dass er auf dem Bett sitzt und Steine isst, an denen er sich die Zähne ausbeißt.

Der Wahlhamburger räumt auf, gewährt tiefe Einblicke in sein Seelenleben. Liegt nachts wach und grübelt („Nachttischlampe“), um dann zum Aufbruch aufzurufen („Alles ist vorbei“). Mit Rapper Casper sinniert er zu einem tanzbaren Beat darüber, dass es keinen geraden Weg gibt, das ganze Leben eine „Krumme Symphonie“ ist. Denn das Leben zieht schnell an einem vorbei, und dann heißt es „Ahoi Ade“, und ein Freund muss für immer verabschiedet werden oder die Kinder sind plötzlich erwachsen, wie Bosse in dem letzten Song des Albums schmerzlich feststellen muss. Bei alldem Schnulz und der Tiefsinnigkeit hat Axel Bosse nämlich doch recht, wenn er zum Engtanz aufruft – mit dem eigenen Leben.

Isabell Rollenhagen

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