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Flüstern durch Nebelschwaden

Neue Platten Flüstern durch Nebelschwaden

Erika M. Anderson - eine neue Pop-Ikone? Marina Kormbaki hat sich für ZiSH das neue Album der Kalifornierin angehört.

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"Past Life Martyred Saints"

Quelle: Handout

Man kann nur hoffen, dass die Pop-Ikonografen dieser Welt trotz aller schnappatmenden Überinterpretation der Symbolik in Lady Gagas Wirken noch die Zeit finden, einen Blick auf das Plattencover des Debüts von Erika M. Anderson zu werfen. Ihr Fazit käme wohl über die Gaga-Erkenntnis „Form ohne Inhalt“ hinaus. Andersons Gesicht wird verdeckt von einem Vorhang gebleichter Haarsträhnen, um den Hals trägt sie eine Kette mit ihren Initialen – EMA. Alle Aufmerksamkeit aber ziehen ihre drei gespreizten, gleißenden Finger auf sich. Eine aus Heiligendarstellungen bekannte Geste der Segnung, vielleicht. Vielleicht aber formt Anderson ihre Hand auch zu einer Waffe. Erlösung und Verdammnis jedenfalls liegen im Noise-Folk der 28-jährigen Kalifornierin nah beieinander.

Endzeitstimmung senkt sich über diese große Platte. Von Anfang an. Das siebenminütige Epos „Grey Ship“ schaukelt heran, so als bahne sich das Schiff langsam zwar, aber entschlossen seinen Weg durch schwere Nebel schwaden. Und wenn es angekommen ist, türmt sich der Song mit gedoppelten Gesangs- und Gitarrenspuren wie ein gewaltiger Bug auf. Genau genommen singt Anderson nicht. Es ist ein heiseres, kratziges Murmeln, das sich in die verzerrten, übereinander geschichteten Gitarren-, Klavier- und Schlagzeugklänge mischt – und sie dennoch übertönt. So als flüstere Anderson ganz nah am Ohr des Hörers. Man hört ihr gern zu.

Marina Kormbaki

EMA: „Past Life Martyred Saints“, Rough Trade

cameouttanowhere.com

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