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Fujiya & Miyagi: Leises Gift

Neue Platten Fujiya & Miyagi: Leises Gift

Das neue Album von Fujiya & Miyagi aus Brighton „Ventriloquizzing“ hat eine düstere Grundspannung. In jeden Song sickert das leise Gift bedrückender Morbidität.

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Das Quartett aus Brighton ergeht sich in Flüstergesang und schier endlosen Wiederholungen von Motiven und Textzeilen.

Quelle: Handout

Selbst laut aufgedreht schleicht sich „Ventriloquizzing“ unauffällig durch den Gehörgang. Irgendwie verstohlen wirkt es deshalb, das vierte Album von Fujiya & Miyagi. Die zum Quartett angewachsene Band aus Brighton ergeht sich in Flüstergesang und schier endlosen Wiederholungen von Motiven und Textzeilen, paart den Sound von Neu! mit dem verschlafen rockenden Gestus eines Beck Hansen.

Doch aller Gleichförmigkeit zum Trotz hält „Ventriloquizzing“ diese düstere Grundspannung, brennen sich die repetitiven Melodien nach und nach ein. Fujiya & Miyagi zitieren sich wild durch die Siebzigerjahre: Von Pink Floyd entliehene Keyboard-Töne und eine Kirchenorgel gibt es da zu entdecken, eingebettet in trockenen Krautrock-Sound.

Anfangs klingt das gar nicht gefährlich, auch wenn sich mancher Song gut im Soundtrack eines Zombie-Films machen würde. Die Botschaften aber, die Fujiya & Miyagi flüstern, handeln von Beeinflussung, von menschlichen Marionetten, Bauchrednern und der eigenen Meinung, die so oft ein Fähnchen im Wind ist.

In jeden Song sickert so das leise Gift bedrückender Morbidität. Die düstere Atmosphäre von „Ventriloquizzing“ steht der Band ausgesprochen gut. Und so sehr sich jeder dieser Songs dagegen wehrt zum Avantgarde-Hit zu werden, so gut gelingt das auf Albumlänge.

Malte Mühle

Fujiya & Miyagi: 
„Ventriloquizzing“, 
Rough Trade. 
www.fujiya-miyagi.co.uk

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