Hannover. Auch Punks brauchen Konstanten im Leben – Bad Religion zum Beispiel. Seit 1980 mischen die sechs Punk-Papis um Sänger und Uni-Professor Greg Graffin sowie Gitarrist und „Epitaph“-Gründer Brett Gurewitz in der Szene mit. Auch Album Nummer 16, „True North“, variiert das bewehrte Muster nur leicht: Die Bad-Religion-Formel aus hohem Tempo, melodischen Gesangslinien und vielen, vielen Chören funktioniert auch im Jahr 33 nach der Gründung.
Nach dem poppigen Vorgänger „The Dissent of Men“ sagte Graffin, man wolle sich künftig mehr auf die Songauswahl konzentrieren. Das hat funktioniert. Am besten sind die Songs, die unter drei Minuten bleiben: Der Titeltrack „True North“, die Doubletimenummer „Vanity“ oder das hymnische „In Their Hearts Is Right“ zeigen, wie guter Melodic-Punk funktioniert. Peinlich wird es, wenn die Band experimentiert: Der Rockdiskosong „Dharma and the Bomb“ fällt als kläglicher Versuch durch, Turbonegro zu imitieren. „Hello Cruel World“ verzettelt sich als lahme Mischung aus Stadionrock und Depri-Grunge.
„True North“ ist kein schlechtes Album, im Gesamtwerk der sechs Kalifornier rangiert es im oberen Mittelfeld. Hits wie „Los Angeles Burning“, „Do What You Want“ oder natürlich den „Punk Rock Song“ gibt es nicht. „True North“ glänzt nicht durch einzelne Stücke, sondern als Einheit. So wie Bad Religion nach über 30 Jahren.
Manuel Behrens
Bad Religion: „True North“,
Epitaph/Indigo
www.badreligion.com
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