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Neue Platten

Neon Indian: Ein Alien in Helsinki


Auf ihrer neuen Platte „Era Extraña“ packen Neon Indian eine ganze Reihe Synthie-Sounds aus. Malte Mühle hat sich die Platte für ZiSH angehört.
Neon Indian: „Era Extraña“

Neon Indian: „Era Extraña“

© Handout

Das verwaschene Foto einer dämmernden Großstadt samt schemenhaftem Mädchen, das von innen zu glühen scheint, das alles wirkt außerirdisch schön. Das Cover von „Era Extraña“, dem zweiten Album des texanischen Musikers Alan Palomo alias Neon Indian sieht nach fremden Lebensformen und Transzendenzerfahrung aus. Und so klingt es dann auch. Die Synthies jaulen und klirren herzzerreißend wie auf The Cures „Desintegration“, verwaschenes Computergepiepse nach dem Vorbild der Gameboy-Dance-Band Crystal Castles begleitet den gehauchten Gesang von Neon Indian. Palomo könnte auch aus einem UFO zu uns sprechen, so sehr klingt das in Helsinki aufgenommene Album nach tanzbarer, düster glitzernder Weltraumphantasie.

Neon Indian destilliert damit die Essenz aus dem Sound vieler alternativer US-Popbands, die momentan unter Genrenamen wie „Glo-Fi“ oder „Chillwave“ firmieren. Neon Indians Songs wie „Polish Girl“ oder „Future Sick“ klingen nach den letzten schlaftrunkenen Zuckungen einer durchtanzten Nacht, nach einer sich leerenden Tanzfläche kurz vor Ladenschluss. Diese Motive finden sich auch in den Texten Palomos, die zugegebenermaßen oft etwas platt daherkommen. Da geht es um verlorene Liebe und Einsamkeit. Moderne Diskomusik eben, voller Herzschmerz. Das hat dann zwar nur die Halbwertszeit einer nicht mehr ganz jungen Nacht, für den Moment aber ist es schöner Pop voller Sehnsucht.

Malte Mühle

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