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Vergnügliche Depri-Musik

Neue Platten: Ezra Furman Vergnügliche Depri-Musik

Die Texte von Ezra Furman sind düster. Es geht um Suizidgedanken und festgefahrene Geschlechterrollen. Warum das neue Album "Perpetual Motion People" trotzdem vergnüglich ist, weiß ZiSH-Autor Martin Wiens.

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Steht zu seiner Vorliebe zu Frauenklamotten: Ezra Furman.

Quelle: Handout

Ezra Furman lässt die Hosen runter und zieht stattdessen den Rock an. Lange unterdrückte der 28-Jährige seine feminine Seite, seine Vorliebe für Frauenklamotten und Lippenstift. Auf seinem sechsten Album „Perpetual Motion People“ hat der überdrehte Indie-Grenzgänger das Sich-Verstecken endlich hinter sich gelassen: In „Wobbly“ und „Body Was Made“ kritisiert er offen die teilweise traurig festgefahrenen Geschlechterrollen.

Auch sonst bleibt es meist düster: In „Ordinary Life“ singt Furman zu dumpfen Paukenschlägen über seine Suizidgedanken als Teenager. Es ist diese Ernsthaftigkeit, die das Album besonders macht. Die Songs rufen erst mal ein Unwohlsein hervor, weil sie einem näher gehen, als Popsongs es gewöhnlich tun – und als es manchem vielleicht lieb ist. Sie piksen, kratzen, tun weh.

Trotzdem ist „Perpetual Motion People“ kein Depri-Album, sondern ein sehr vergnüglicher Trip: Das liegt zum einen an Nummern wie dem rastlosen Punk-Opener „Restless Year“ mit seinem unwiderstehlichen Uh-La-Uh-Refrain und der fröhlich fiependen Orgel. Zum anderen hat sich Furman trotz allen Weltschmerzes seinen Humor gewahrt. Das zeigt auch eine Anekdote aus seinem Ex-Job: Im Kino, hinter dessen Kasse er Karten abriss, rotierten den ganzen Tag die gleichen paar Songs der Emo-Popper Fall Out Boy. Furman hasste sie. Als persönliche Gegenbewegung nahm er sich vor, in seinem Leben nur gute Musik zu machen. Mit „Perpetual Motion People“ hat er seinen Beitrag geleistet.

Martin Wiens

Ezra Furman: „Perpetual Motion People“, Bella Union, http://ezrafurman.com

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