Rock nach Schema F war noch nie die Sache von Primus. Anders als bei den meisten Kollegen des Genres spielt bei den Musikern aus San Francisco nicht die verzerrte Gitarre die erste Geige. Es ist das virtuose, mit viel Jazz und Funk untermalte Bassspiel des Ausnahmekönners Les Claypool, das nicht nur den Takt, sondern auch die Linie des unverkennbaren Primus-Sounds vorgibt. Das hat der US-Band, die durch Songs wie „Tommy, The Cat“, „Too Many Puppies“ und die Vor- und Abspannmusik der US-Comic-Serie „South Park“ bekannt wurde, schon früh viel Anerkennung verschafft – und eine feste, kleine Fangemeinde, die sich nun nach zwölf Jahren Pause endlich wieder über ein neues Album und Tour-Termine in Europa freuen darf.
Dass sich das Warten gelohnt hat, wird auf der siebten Platte der Band, „Green Naugahyde“ (grünes Kunstleder), schnell klar. Dem funkigen und Lust machenden „Hennepin Crawler“ folgt das groovig-melodische „Last Salmon Man“. Track für Track gelingt es Primus, die auf früheren Platten gerne auch mal in monotone Sackgassen und Langeweile abdrifteten, ein neues überraschendes Klangspektakel zu kreieren; etwa beim schaurig schönen „Eternal Consumption Engine“ oder bei „Lee Van Cleef“, der schrägen Huldigung für den Westernschauspieler.
Abwechslungsreicher waren Primus wohl nie. Wer vermisst da noch schrammelige Gitarren?
Stephan Fuhrer
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